Das Bild am Marienplatz hat sich durch die kleine Fußgängerzone verändert. Der gesamte Platz kann genutzt werden, außerhalb des Lockdowns auch wieder von der Gastronomie.
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Das Bild am Marienplatz hat sich durch die kleine Fußgängerzone verändert. Der gesamte Platz kann genutzt werden, außerhalb des Lockdowns auch wieder von der Gastronomie.

Erneuter Vorstoß von Geschäftsmann René Repper

Erneute Diskussion um Fußgängerzone?

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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René Repper lässt nicht locker: Der Schongauer fordert die Stadt erneut dazu auf, sich des Themas Fußgängerzone anzunehmen. Es gebe nahezu kein Geschäft mehr am Marienplatz, das an der jetzigen Situation festhalten wolle. Die Werbegemeinschaft distanziert sich jedoch, auch viele andere Gewerbetreibende winken ab.

Schongau – René Repper ist sauer. Der Schongauer Geschäftsmann fordert in einer nun dritten förmlichen Erinnerung die Stadt Schongau dazu auf, sich mit dem im Herbst 2019 zurückgestellten Antrag zu befassen. Werbegemeinschaft Altstadt und Handelsverband Schongau hatten sich damals gemeinsam für eine saisonale halbseitige Öffnung der Fußgängerzone stark gemacht (wir berichteten mehrfach).

Über 100 Unterstützer habe der Antrag mittlerweile, so der Geschäftsinhaber am Marienplatz. Er macht erneut auf die „unwürdige“ Parkplatzsituation aufmerksam. Und befürchtet noch eine Verschärfung des Parkplatzdrucks durch die stetige Nachverdichtung in der Altstadt, „der Parkplatzbedarf wird in den nächsten Jahren gigantisch“, so Repper. Er wünscht sich eine rasche Abstimmung über eine Winteröffnung, „die Stadt ist tot und verwaist“, so Repper.

Werbegemeinschaft sieht Thema heute mit an deren Augen

Die Werbegemeinschaft sieht die Thematik mittlerweile mit etwas anderen Augen und distanziert sich erneut von dem Vorstoß des Geschäftsmanns. „Das Thema ist für uns vom Tisch, es hat uns nicht gut gefallen, dass René Repper noch mal damit angefangen hat“, macht Kornelia Funke für die Werbegemeinschaft Altstadt klar. Es hätten zwischenzeitlich gute Gespräche mit der Stadt stattgefunden. Es seien diverse gemeinsame Aktionen geplant.

Auch für Bürgermeister Falk Sluyterman ist das Thema Fußgängerzone eigentlich längst abgehakt. Die Werbegemeinschaft habe noch vor der Sommerpause signalisiert, dass sie keinen neuen Antrag formulieren möchte, erklärt er auf Anfrage der Schongauer Nachrichten. Wenn rund um den Initiator René Repper weiter daran festgehalten werden soll, müsse der Antrag neu eingereicht werden. Dann könne die Verwaltung prüfen, ob ein neuer Sachverhalt vorliegt und das Thema erneut diskutiert werden müsse.

Rene Repper möchte eine Entscheidung.

„Außerdem haben wir Stellungnahmen eingeholt, die für eine saisonale Öffnung notwendig wären“, führt Sluyterman aus. Sowohl seitens der Polizei, als auch seitens des Landratsamtes habe man davon abgeraten. „Es ist vor allem ein verkehrsrechtliches Thema“, erläutert es Stadtbaumeister Sebastian Dietrich etwas näher.

Aus Sicherheitsgründen sei eine zeitweilige Öffnung schwierig, auch juristisch sei es „kritisch“, eine temporäre Öffnung könne sogar als rechtswidrig eingestuft werden. „Es ist ein ganzer Strauß an Begründungen gegen eine Öffnung“, so Dietrich. Der Stadtbaumeister sieht das Thema ohnehin differenzierter: „Stellplätze sind nicht unser Problem, sondern die Attraktivität der Altstadt.“

Verdichtung von Wohnraum muss kein Nachteil sein

Das Argument Reppers, dass durch die Verdichtung von Wohnraum in der Altstadt immer weniger Parkplätze zur Verfügung stehen, kann Dietrich nicht nachvollziehen. „Es gibt auch ein Plus an Stellplätzen, ob in der Kirchenstraße oder bei den Schrimpfhäusern, überall werden auch Parkplätze geschaffen.“

Auch gebe es den Trend, dass viele jungen Leute gar keinen Führerschein mehr machen würden, das werde auch im ländlichen Raum beobachtet. Bürgermeister Sluyterman sieht das Thema Verdichtung auch nicht als Nachteil für die Altstadt, im Gegenteil: „Das sind alles hochwertige Wohnungen mit Bewohnern, die zur Kaufkraft beitragen werden, das ist eine Entwicklung, die dem Einzelhandel guttun wird.“

„Sie ist Wille der Bevölkerung“

Zu guter Letzt habe es innerhalb der Bevölkerung eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Fußgängerzone gegeben, vervollständigt Dietrich. Vor zwei Jahren hatte die Stadt eine Online-Umfrage gestartet, wie denn die Schongauer zur Thematik stehen (wir berichteten). „Es ist belegt: die Fußgängerzone ist der Wille der Bevölkerung“, so Dietrich.

Immerhin 900 Antworten waren damals eingegangen, davon 585 aus Schongau. Die Befragten sahen die Schongauer Altstadt mit Fußgängerzone deutlich positiver als die Geschäftsleute. Auch bei einer Bürgerbefragung für das ISEK, das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept, wurden eher die fehlenden „Magnetbetriebe“ und das geringe gastronomische Angebot genannt als fehlende Parkplätze.

Meinungsbild unter den Geschäftsleuten:

Wie sehen Geschäftsinhaber, die 2019 den gemeinsamen Antrag des Handelsverbandes Schongau und der Werbegemeinschaft Altstadt unterzeichneten, heute die Situation? Wir haben nachgefragt.

In die gleiche Kerbe wie René Repper schlägt Thomas Mark. „Keiner parkt unten am Köhlerstadel, um sich ein Packerl Kopfschmerztabletten zu holen“, so der Inhaber der Brunnen-Apotheke am Marienplatz. Ein guter Vergleich seien auch die Besucher am Markt, vor zehn Jahren hätten die Kunden beim Eiermann noch Schlange gestanden. „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Eine saisonale Öffnung sei durchaus eine Lösung, allerdings habe man derzeit mit genügend anderen Sachen zu kämpfen. „Ich kann das Thema nicht mehr hören, es bringt nichts.“

Augenoptiker Robert Kassebaum (Marienplatz 13), der zwar vor einem Jahr den Antrag mitgetragen hatte, möchte sich aus der Diskussion heraushalten, ihm sei das Thema mittlerweile recht egal. Auch sei die Situation damals mit der derzeitigen in diesen Corona-Zeiten überhaupt nicht vergleichbar. Wie Mark meint er, dass nun andere Dinge im Vordergrund stehen.

Mit dem Ende der Baustelle der Schrimpfhäuser sei eine Änderung eingetreten, hat Andreas Huber festgestellt (Huber Moden Marienplatz 15 bis 17 und Tom Taylor (Marienplatz 11). „Ich finde es besser, wie es jetzt ist, es herrscht mehr Ruhe. Und die Aufenthaltsqualität ist größer geworden“, so sein Fazit. Vorher hätten Eltern nicht in Ruhe Shoppen gehen können, aber sicherlich gebe es auch Kunden, die nicht mehr kommen. „Die trostlose Zeit im Winter kann ich nicht ändern, aber es bringt auch nichts, wenn Autos die Altstadt beleben.“ In Landsberg habe die Fußgängerzone alles sehr verbessert. „Leute, die nur durchfahren, kaufen nichts ein.“ Allerdings kann sich Huber auch vorstellen, einen Probelauf mit saisonaler Öffnung zu starten.

Diplomatisch drückt es Marcus Graf aus: „Wir möchten dem nicht im Wege stehen, wenn die Mehrheit der Geschäftsleute für eine Öffnung der Fußgängerzone ist.“ Allerdings sitze man da auch zwischen zwei Stühlen, meint der Leiter der Musikschule Schongau (Marienplatz 7). „Mir persönlich wäre eine Fußgängerzone lieber, schon allein aus Sicherheitsgründen. „Ich habe es oft genug erlebt, dass Schüler zwischen den parkenden Autos am Marienplatz hindurch sind und Autofahrer eine radikale Vollbremsung hingelegt haben.“ In seinen 30 Jahren bei der Musikschule habe er rund um die Thematik Fußgängerzone „die kuriosesten Sachen“ erlebt, vor allem an die Poller erinnert er sich. „Ich sehe, dass der Platz nicht belebt ist, aber durch Autos wird er nicht belebter“, so die Meinung des Musikschulleiters.

„Wir distanzieren uns, das hat mit uns als Werbegemeinschaft nichts zu tun“, betont Maria Mader. „Wir glauben auch, dass es die falsche Strategie ist, mit dem ganzen Corona-Wahnsinn ist es ohnehin schon schwierig genug“, erklärt die Inhaberin des Geschäfts Frauenzimmer am Marienplatz 8. Seit das Baugerüst bei den Schrimpfhäusern weggekommen sei, habe sich die Atmosphäre am Platz außerdem deutlich verändert, es herrsche eine gute Stimmung. „Jetzt wollen wir positiv in die Zukunft schauen und sehen, dass es weitergeht“, so Mader. Man sei engagiert und eifrig dabei, auch im Winterhalbjahr einiges anzubieten und es den Kunden nett und schön zu machen. „Wir haben einen kleinen, feinen und gut funktionierenden Einzelhandel hier in Schongau“, ist Mader überzeugt.

Susanne Tischner (gleichnamiges Reformhaus, Marienplatz 6) sieht es genauso, sie wünscht sich, dass nun Ruhe einkehrt „und die Diskussion um die Fußgängerzone endlich ein Ende findet“. Man stehe in ständigem Austausch mit der Stadt und entwickele gemeinsam Konzepte. „René Repper agiert allein“, so Tischner.

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