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Erste Demo: Müllverbrennung „eine Farce“

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Demonstranten gegen die Müllverbrennungsanlage in Altenstadt beim Heizkraftwerk
Dunkle Wolken über Schongau: In der Lechstadt demonstrierten die Gegner der geplanten Änderungen im Heizkraftwerk Altenstadt unter Corona-Bedingungen. Es wurde klar: Gemeinsam wolle man dagegen vorgehen. © Walter Kindlmann

Ein Auftakt nach Maß war die Demonstration der „Aktionsgemeinschaft gegen die Müllverbrennungsanlage Altenstadt“ am Samstagnachmittag. 17 Parteien und Organisationen haben sich inzwischen in der Aktionsgemeinschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie die Erweiterung des Heizkraftwerks verhindern.

Schongau – Die Vorzeichen für die Demonstration waren gar nicht gut. Wie aus Kübeln geschüttet hatte es am Samstagnachmittag. Bis kurz vor Beginn. So nach und nach rückten die Besucher an. Knapp 200 waren es letztlich, die hören wollten, was die Redner, es waren etliche, auf der von Renate Müller organisierten Veranstaltung zu sagen hatten. Der Peitinger Hans Schütz sprach für die Aktionsgemeinschaft. Der Kreisrat bei den Grünen freute sich über die „machtvolle Unterstützung“. Die Aktionsgemeinschaft habe in kürzester Zeit ein Bündnis gegen die Müllverbrennungsanlage schmieden können. Das sollte Siegfried Schuster zu denken geben. Er forderte den Betreiber des Heizkraftwerks auf: „Ziehen Sie Ihren Antrag zurück.“ Er sehe in Schusters Einlassungen eine Verharmlosung der Müllverbrennungsanlage. Dass da nur Wasserdampf, aber keine schädlichen Emissionen herauskämen, sei ein vollmundiges Versprechen. „Ein bürgerfreundliches, gläsernes Projekt sieht anders aus.“

Zustimmende Pfiffe aus dem Publikum. Ärgerlich sei zudem, dass die Müllverbrennungsanlage in einem beschleunigten Verfahren durch die Bayerische Staatsregierung genehmigt werden soll. Und auch, dass die Bürger bis Juli keine Ahnung von Schusters Plänen gehabt hätten. „Wir jedenfalls wollen nicht den Müll der ganzen Region vor unserer Haustür.“

Letztlich forderte Hans Schütz die Bayerische Staatsregierung auf, sie möge auf die Sorgen und Bedenken der Bürger hören.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman indes bemängelt, dass die Öffentlichkeit aus diesem beschleunigten Verfahren ausgeschlossen wurde. Er habe zusammen mit Peitings und Burggens Bürgermeistern, Peter Ostenrieder und Josef Schuster, ein Konzept für eine Resolution zur Verhinderung der Müllverbrennungsanlage auf den Weg gebracht. Sluyterman bedauert, dass sich das Landratsamt „dafür nicht zuständig“ sehe. Er bestehe darauf, dass der Landkreis zusammen mit den Kommunen Messungen durchführe. An Schuster appellierte Sluyterman: „Sorgen Sie für Transparenz.“

Die Organisatoren der ersten Demo gegen die Müllverbrennung in Altenstadt Renate Müller, Hans Schütz und Bettina Buresch
Bündeln den Widerstand: Renate Müller (Mitte), die die Demo organisierte, Hans Schütz, Sprecher der Aktionsgemeinschaft, und Umweltreferentin Bettina Buresch. © Walter Kindlmann

Bettina Buresch, sie ist die Umweltreferentin der Stadt Schongau, ist überwältigt von der Resonanz ihrer Online-Petition. „Wir müssen alle legalen Wege und Möglichkeiten nutzen, das zu verhindern, was da auf uns zukommt.“ Eine Anlage ohne Kraft-Wärme-Kopplung widerspräche allen Klimaschutzzielen. 70 Prozent der eingesetzten Energie gehe als Abwärme in Luft und Lech. Deswegen wolle sie volle Transparenz bei der Genehmigung dieser Anlage. Wörtlich sagte sie: „Unsere Region darf nicht zur Müllbeseitigungsanlage Süddeutschlands verkommen.“

Michael Eberle, CSU-Stadtrat in Schongau, ist eine breite, parteiübergreifende Übereinstimmung gegen die geplante Anlage wichtig. Er forderte unabhängige Messungen und ein neutrales Gutachten. Andreas Krahl, MdL der Grünen, sieht in der geplanten Müllverbrennungsanlage „eine Farce“. Wenn der hiesige politische Druck zur Verhinderung dieser Anlage nicht ausreiche, wolle er sich im Landtag dafür einsetzen, versprach er. Die Enthüllung des Protestbanners gegen die Schuster-Pläne hatte Andreas Ohr von der Alternativen Liste Schongau übernommen.

Die nächste Demonstration ist für Samstag, 19. September, vorgesehen.

Walter Kindlmann

Weitere Berichte zur geplanten Erweiterung des Heizkraftwerks finden Sie hier

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