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Den Gemüsestand „Zaunberger“ gibt es am Schongauer Wochenmarkt  nicht mehr.  Am Freitag  haben sich Evi Zaunberger (r.) und ihre Mitarbeiterin  verabschiedet.

Wieder hört ein Händler auf

Es geht um die Zukunft des Schongauer Wochenmarkts

Beim Grünen Markt in Schongau ist  eine Ära zu Ende gegangen. Über 35 Jahre lang hat die Firma Zaunberger mit ihrem Gemüse den Wochenmarkt am Marienplatz bereichert. Damit ist jetzt Schluss – zu wenig Kunden. 

Schongau – „Der Kampf ist verloren“, heißt es am Gemüsestand von Evi Zaunberger. Seit jeher war dieser Stand ein fester Bestandteil des Wochenmarktes in Schongau. „Wir sind bei jedem Wetter, bei Wind und Regen, bei Kälte und Hitze nach Schongau gekommen“, berichtet die Gemüsehändlerin. Es gab nur einmal eine Ausnahme, als nämlich ein Orkan über das Land fegte. Da sei die Anfahrt von Bad Wörishofen nach Schongau viel zu riskant gewesen.

Der Gemüsestand „Zaunberger“ war weithin bekannt für beste Ware, das wussten die Kunden. Jahrzehnte lang hielten sie den Zaunbergers die Treue. „Doch in den vergangenen Jahren haben immer weniger Kunden den Wochenmarkt besucht“, stellt Evi Zaunberger mit Bedauern fest.

Auf was ist das Ausbleiben der Kundschaft zurückzuführen? Liegt’s an der Fußgängerzone, die am Marienplatz eingeführt worden ist? Auch das hat Evi Zaunberger kritisch hinterfragt. Oder liegt es daran, weil einige Stände sich bereits in den vergangenen Jahren zurückgezogen haben und das Angebot nicht mehr so vielfältig ist? Einen Wurststand gibt es schon länger nicht mehr.

Stirbt der Wochenmarkt?

„Stirbt der Schongauer Wochenmarkt?“, diese Frage stellen sich auch Elmar Rothärmel und Gaby Sutter aus Wildpoldsried, die seit Jahrzehnten mit Blumen und Gemüsepflanzen auf dem Wochenmarkt in Schongau vertreten sind. Wie es mit ihrem Stand weitergeht, ist noch offen, denn mit über 60 Jahren ist Elmar Rothärmel auch nicht mehr der Jüngste.

Einen Grünen Markt ohne Gemüsestand können sich viele Leute gar nicht vorstellen, auch Udo Vietz aus Schongau nicht. Er ist Stammkunde beim Schongauer Wochenmarkt und befürchtet, dass der Markt bald ganz einschlafen könnte, wenn es den Gemüsestand nicht mehr gibt und sich möglicherweise auch noch andere Standbetreiber zurückziehen.

Seit 45 Jahren bietet der Eiermann aus Bidingen auf dem Grünen Markt in Schongau seine Ware an. „Den Metzgerstand gibt es bereits nicht mehr, wenn jetzt auch noch der Gemüsestand wegfällt, gehen wahrscheinlich noch mehr Kunden verloren“, befürchtet der Eiermann Johannes Hartmann.

Den Kundenrückgang sieht auch Lutz Kretschmer aus Günzburg mit Sorge. Seit sieben Jahren kommt er mit seinem Fischwagen zum Wochenmarkt nach Schongau. „Wenn man bedenkt, was früher da mal los war“, sucht auch der Fischhändler nach einer Erklärung.

Alles auf die Fußgängerzone zurückzuführen, das ist Lutz Kretschmer zu einfach. Für ihn hat der Schongauer Wochenmarkt am Marienplatz Tradition. „Und Traditionen sollte man nicht so einfach aufgeben“, sagt der Fischhändler. Er und seine Kollegen erhoffen sich aber auch mehr Rückhalt von der Stadt Schongau.

Wie stellen sich die noch verbleibenden Standbetreiber die Zukunft vor? Bringt eine Verlagerung nach Schongau-West, wo mehr Parkplätze zur Verfügung stehen, auch mehr Kunden? Darüber haben sich einige Standbetreiber bereits Gedanken gemacht.

Bürgermeister bedauert Rückzug

Dass der Gemüsestand sich vom Grünen Markt in Schongau verabschiedet hat, nimmt auch Bürgermeister Falk Sluyterman mit Bedauern zur Kenntnis. „Die Stadt stellt den Marienplatz für den Wochenmarkt zur Verfügung, die Standmiete ist relativ günstig“, sagt das Stadtoberhaupt.

Dass die Fußgängerzone für den Kundenrückgang mitverantwortlich sei, kann Sluyterman nicht nachvollziehen. Und den Markt nach Schongau-West verlegen? „Dort können wir keine öffentlichen Flächen anbieten“, sagt der Bürgermeister. Für ihn gehört der Wochenmarkt in die Altstadt.

mg

Lesen Sie auch: Schongauer Lido weiter ohne Insel und Steg

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