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Der Plastikmüll nimmt immer mehr zu. Auch darauf müssen sich die Entsorgerfirmen einstellen.

90 Prozent Wiederverwertung

EVA: Schärfere EU-Vorgaben schon erfüllt

Die Europäische Union will die Vorgaben für Recycling und Mülltrennung bis 2035 deutlich verschärfen. Dann sollen mindestens 65 Prozent des Hausmülls wiederverwertet werden. Bei der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA) sieht man diesen Plänen gelassen entgegen.

Weilheim-Schongau – „Hinsichtlich der Quoten der EU-Richtlinie sehen wir keinen Handlungsbedarf, weil die Quoten in unserem Landkreis bereits erfüllt werden“, kann EVA-Geschäftsführer Fritz Raab vermelden. Keine zehn Prozent des Gesamtabfallaufkommens im Landkreis Weilheim-Schongau würden deponiert. „Unsere Verwertungsquote liegt seit 2009 bei Werten um 90 Prozent“, gibt Raab zu verstehen. Und mit diesen Ergebnissen rangiere man Dank der Motivation der Bürger im Vergleich mit anderen Landkreisen und Städten sicherlich auf einem vorderen Platz.

Zum besseren Verständnis führt der EVA-Geschäftsführer an, dass die bayernweite Verwertungsquote im Jahr 2016 bei 66,9 Prozent lag. „Die Abfalltrennung funktioniert bei uns, sie wird von den Landkreisbürgern mitgetragen und gelebt“, stellt Fritz Raab zufrieden fest.

Momentan seien auch keine Änderungen beim Abfallwirtschaftskonzept der EVA geplant, so dass sich die Bürger nicht auf Neuerungen einstellen müssen. Auch für die aktuelle Kalkulationsperiode (2017 bis 2020) sei nicht mit einer Veränderung der Abfallgebühren zu rechnen.

Vorausblickend kündigte Fritz Raab an, dass der vierte Bauabschnitt der Deponie Erbenschwang etwa bis zum Jahr 2030 verfüllt sei.

„Handlungsbedarf wird es jedoch in der Zukunft wohl hinsichtlich der Vorbereitung zur Wiederverwendung geben“, deutete der EVA-Geschäftsführer im Gespräch mit der Heimatzeitung an. Gemäß der neuen EU-Abfallrahmenrichtlinie gibt es laut Raab eine fünfstufige Abfallhierarchie. Die Vorbereitung zu Wiederverwendung sei als zweite Stufe nach der Abfallvermeidung neu eingeführt worden. Das bedeutet: Abfälle sollen nicht nur verwertet werden, sondern auch in die Wiederverwendung gelangen, zum Beispiel Möbel oder Elektrogeräte.

„Hier sehen wir ganz allgemein Handlungsbedarf für unsere Gesellschaft. Das gilt auch für die Thematik der Abfallvermeidung“, stellt Raab fest. Als Stichworte seien hier das Einbrechen der Mehrweg-Quote, der hohe Verbrauch an Kunststoffen, die Lebensmittelverschwendung oder Coffee-To-Go-Becher genannt.

Laut Raab seien EU-Richtlinien auch nicht unmittelbar wirksam und verbindlich, sondern müssten erst durch nationale Rechtsakte umgesetzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland sei die Abfallrahmen-Richtlinie 2012 mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) umgesetzt worden. „Darin sind sogar strengere Recycling-Quoten beschlossen worden als die EU-Richtlinie vorgibt“, fügt der EVA-Geschäftsführer hinzu.

Michael Gretschmann

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