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Ausgefragt : Die Schongauer Autorin Franziska Bär (Mitte) und ihr Lebensgefährte Felix Consolati (links) stellten sich im Ballenhaus nach der Lesung den Fragen von Carolin Nuscheler. Im Hintergrund ein auf der Reise gemachtes Foto. 

Extrem-Wanderung der Schongauer Autorin Franziska Bär

300 Kilometer zu Fuß durch die Mongolei

In fünf Wochen 300 Kilometer zu Fuß durch unwegsames Gelände. Auf Einladung der Bücherei am Münztor schilderte die Redakteurin Franziska Bär im Ballenhaussaal in Schongau ihre Wanderung durch die Mongolei.

Schongau – Was nimmt man nicht alles auf sich, um ein richtiges Abenteuer zu erleben. Man besorgt sich eine rund 100 Jahre alte russische Militärkarte im Internet, zieht mit einem 17 Kilo schweren Rucksack auf dem Rücken los, nimmt wochenlang fast nichts anderes als Astronauten-Nahrung zu sich, watet durch eiskalte Flüsse, isst Schafsfleisch, obwohl man Vegetarier ist und lässt sich von Nomadenkindern auslachen: So geschehen auf einer Wanderung durch die Mongolei, die Franziska Bär, die ihre Ausbildung bei den Schongauer Nachrichten absolviert hat, zusammen mit ihrem Freund Felix Consolati (32), Filmemacher und für den bebilderten Teil des Vortrags verantwortlich, unternommen hat

Trotz aller Strapazen möchte sie dieses Abenteuer aber nicht missen. Gefunden haben die beiden nicht nur einzigartige einsame Landschaften, sondern auch noch einmal eine völlig neue Beziehung und Nähe zueinander. Darüber hinaus gewann die 24 Jahre junge Autorin mit ihrer Kurzgeschichte „Gekritzel im Sand gegen die große Einsamkeit“ einen Preis bei einem Autorenwettbewerb und durfte sie im dritten Band der National Geographics-Travel Episodes veröffentlichen. Diese Geschichte bekamen die Besucher im Ballenhaus zu hören.

Die Mongolei zu bereisen, war eigentlich ein Jugendtraum von Felix Consolati, wie er in dem an die Lesung anschließenden Interview durch Carolin Nuscheler, ebenfalls Ex-Volontärin der Schongauer Nachrichten, verriet. Zusammen mit Franziska Bär verwirklichte er diesen Traum, obwohl der anfangs schon fast gescheitert wäre. Mit der neu angeschafften Ausrüstung, die insgesamt an die 2000 Euro pro Person kostete, unternahmen die beiden einen „Testlauf“ an der Isar. „Wir haben sogar das Isar-Wasser getrunken, um herauszufinden, ob wir es vertragen“, lachte Felix Consolati. Das Ergebnis wollte er lieber nicht näher erläutern.

Für Franziska Bär stand danach fest: „Ganz ehrlich – ich mach das nicht!“ Letztendlich hat sie es doch gemacht, und so ging es per Flugzeug nach Ulan Bator und von dort per Inlandflug in eine Provinzhauptstadt der Mongolei. Dort machten sie erst einmal die Erfahrung, dass man als Tourist auch unerwünscht sein kann. Die Leute machten einen großen Bogen um sie, da sie sich nicht die Blöße geben wollten, sich nicht verständigen zu können. Fremdsprachen sind dort weitgehend unbekannt.

Auch die Suche nach einem Transport zum angepeilten Ausgangspunkt der Extrem-Wanderung gestaltete sich schwierig. Schließlich erbarmte sich nach einigen Tagen ein Verwandter einer Englischlehrerin, die sie kennengelernt hatten. Danach ging es durch Wüsten-, Steppen- und Gebirgslandschaften. Auf beschwerlichen Wegen sogar mehrmals durch eiskalte Flüsse. Dabei machte Franziska Bär auch die Erfahrung, dass so ein Marsch direkt in eine Lebenskrise führen kann.

Bewegend schilderte sie die Situation, als sie bis zur Hüfte in einem reißenden Fluss steht und vor Angst nicht mehr vor und zurück kann. Die Rettung kommt durch Felix, der während der Reise immer mehr zu ihrem Helden wird, wie sie schreibt.

Eindrucksvolle Begegnungen mit Nomaden und die kleinen Wunder des Alltags sind dagegen Dinge, die den „Energiestand der inneren Tanks“ wieder aufladen. Auch die Erkenntnis, dass es selbst im entlegensten Winkel der Erde Snickers zu kaufen gibt. Ihre Erinnerungen will Bär nun, anders als geplant, in einem Buch verewigen. Das Interesse ist da, wie das gut gefüllte Ballenhaus mit über 100 Besuchern verriet.

Ursula Fröhlich

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