Aus dem Gericht

Tisch der Mutter mit Motorsäge zerlegt

Landkreis - Ein Familienstreit eskalierte auf einem landwirtschaftlichen Anwesen im südlichen Landkreis. Der 37-jährige Hofbesitzer muss nun für sechs Monate ins Gefängnis.

 „Mit dem rede ich nicht mehr“, erklärte der Bruder des Angeklagten. „Ich bin nur noch zum Arbeiten auf dem Hof. Nachts schlafe ich bei meiner Freundin“, sagte der Angeklagte. Vollkommen zerstritten ist die Familie eines landwirtschaftlichen Anwesens im Landkreis, und dies seit der Hofübergabe vor rund sechs Jahren.

Der Vater des Angeklagten erlitt einen Schlaganfall, der Bruder fuhr einen teuren Schlepper zu Schrott, die Arbeit wuchs dem Angeklagten über den Kopf. „Alles blieb an mir hängen“, sagte er vor Gericht. Er bekam psychische Probleme, begann zu trinken und vernachlässigte anscheinend seine Arbeit auf dem Hof.

„Er hat Silo eingefahren und nicht luftdicht abgeschlossen. Alles war verdorben“, klagte die Mutter über ihren Sohn. Auch habe er die vereinbarten monatlichen 400 Euro Austragszahlungen nicht regelmäßig überwiesen, so die Mutter. Schon seit einiger Zeit wollte sie die Rückgabe des Hofes in einem zivilrechtlichen Prozess erwirken.

Wie der Streit eskalierte

Zur Eskalation des Streites kam es, als der rechtmäßige Hofbesitzer an dem Tattag im Dezember letzten Jahres von seinem Geschäftskonto Geld abheben wollte und feststellen musste, dass dieses gepfändet war. Wütend fuhr er mit seiner Freundin zu seinem Hof und entlud seinen Ärger, indem er mit einer Motorsäge den Esszimmertisch seiner Mutter in Stücke zersägte.

„Er hat das Telefon abgesteckt und den Schlüssel abgezogen“, sagte die Mutter aus. „Als ich meine Mutter wegen des Kontos zur Rede gestellt habe, hat sie gelacht“, sagte der Angeklagte aus. Der 37-Jährige beruhigte sich zunächst ein wenig und verließ den Hof, kam aber abends wieder zurück. Seine Freundin wartete im Auto.

Sohn bedrohte seine Mutter

Wieder wollte er mit seiner Mutter reden – erfolglos. Er zerschlug einen weiteren Tisch und bedrohte seine Mutter mit einem Stuhl. Diese Szene sah sein fünf Jahre älterer Bruder, der ein Poltern gehört hatte und durch ein Fenster schaute. „Man kann doch so nicht seine Mutter behandeln“, sagte er vor Gericht aus. Er ging ins Haus und wurde vom Angeklagten mit den Worten bedroht: „Dich und die Alte bring ich noch um.“ Und er fügte noch hinzu: „Am Schluss werden die Toten gezählt.“

Nach allgemeiner nicht widersprüchlicher Aussage aller Beteiligten erfolgte dann eine Rangelei zwischen den Brüdern. Zunächst im Wohnzimmer, dann setzte sich das Ganze im Hausgang fort, nachdem die Freundin des Angeklagten noch hinzugekommen war. Sie wurde anscheinend von dem Bruder angeschrien, und der Streit setzte sich fort.

Laut Aussage der Mutter und des Bruders soll der Angeklagte daraufhin seinem Bruder mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Geschädigte legte ein Attest jedoch von Juni dieses Jahres vor, in dem ein fragwürdiges Hörproblem geschildert wurde.

Der Angeklagte bestritt diesen Faustschlag. Er habe sich aus dem Schwitzkasten des Bruders befreien wollen und diesem dabei Verletzungen im Gesicht zugeführt, gab er an. Die in seiner Wut gemachten Bedrohungen räumte er auch ein.

Mutter und Freundin benachrichtigten Polizei

Der später vor Ort ermittelnde Polizeibeamte sagte aus, dass die Verletzungen des Bruders eher nach Schürfwunden als nach Schlagspuren ausgesehen hätten. Bei Ankunft der Beamten sei die Lage ruhig gewesen. Die Mutter und die Freundin des Angeklagten hatten an diesem Abend die Polizei benachrichtigt.

In ihren Plädoyers waren Staatsanwältin und Verteidiger unterschiedlicher Meinung. Während der Verteidiger auf einen Freispruch plädierte, sah die Staatsanwältin einen Freiheitsentzug von sechs Monaten für erforderlich. Richterin Katrin Krempl schloss sich in ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. „Die Kernfrage war der Faustschlag. Und hier hat mich die Aussage des Bruders überzeugt“, sagte sie zur Begründung ihres Urteils. Auf Grund seiner fünf offenen Bewährungen muss der Landwirt nun ohne erneute Bewährung für ein halbes Jahr ins Gefängnis.

von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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