Die Köpfe hinter der Einstellungsoffensive: Anna Ertel (l.) und Sandra Buchner.
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Die Köpfe hinter der Einstellungsoffensive: Anna Ertel (l.) und Sandra Buchner.

Große Einstellungsinitiative

Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH: Fast 200 neue Pflegekräfte eingestellt

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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In München sollen Mitarbeiter aus Hotels und Gaststätten in Kliniken und Pflegeheimen als Servicekräfte helfen. Hat die Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH auch schon angefragt?

Landkreis – Der Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, Thomas Lippmann, lacht, als ihn die Heimatzeitung auf das Thema anspricht: „Nein“, sagt er. Und ergänzt: „Wir haben genug Personal. Bei uns arbeiten Köche nur da, wo sie hingehören – in der Küche.“

Es habe sich ausgezahlt, dass die Krankenhaus GmbH in den vergangenen Monaten und Jahren eine Einstellungsoffensive gefahren habe. Dass die Münchener Kliniken und Pflegeheime nun auf fachfremde Mitarbeiter aus dem Gastrogewerbe zurückgreifen müssten, um die Versorgung der Patienten überhaupt sicherstellen zu können, sei „ein hausgemachtes Problem. Niemandem war verboten, Personal einzustellen oder Material zu ordern“. Die zahlreichen Neueinstellungen bei der Krankenhaus GmbH seien genau richtig gewesen, „sonst hätten wir die letzten Monate nicht überlebt“.

Krankenhäuser in Weilheim und Schongau starteten Einstellungsinitiative

In diesem Zusammenhang wird gern darauf verwiesen, dass Lippmann sich leicht tut, weil der Landkreis als Besitzer der Krankenhaus GmbH die Defizite ausgleicht. Das habe allerdings nichts mit den Kosten für das Pflegepersonal zu tun, betonen Lippmann und seine Pflegedirektorin Anne Ertel. Denn seit Anfang 2019 würden die Krankenkassen die Pflegekosten für alle examinierten Krankenschwestern komplett übernehmen. Allerdings nur für diejenigen, die ihre dreijährige Ausbildung erfolgreich absolviert haben. Auf den Kosten für die Hilfskräfte, die die Münchner jetzt in ihren Kliniken und Pflegeheimen einstellen wollen, bleiben die Träger sitzen.

Deswegen wurde bereits Ende 2018 bei der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH die Einstellungsinitiative gestartet. Mit durchschlagendem Erfolg, wie Pflegedirektorin Ertel berichtet. Allein in diesem Jahr konnten 130 neue Pflegekräfte für die beiden Häuser in Weilheim und in Schongau eingestellt werden. In Weilheim stiegt seit Anfang 2019 die Zahl der Vollzeitstellen in der Pflege von 113 auf über 200, in Schongau von 80 auf 170.

Krankenhaus GmbH wirbt weiter um neues Personal

Dadurch steht jetzt ausreichend Personal für die Versorgung der Corona-Patienten bereit. In Schongau werden 17 an Covid-19 erkrankte Menschen behandelt, sechs von ihnen auf der Intensivstation. In Weilheim hat man gerade zwei Corona-Patienten, von denen keiner auf der Intensivstation beatmet werden muss. „Die Betreuung von Covid-Patienten – insbesondere auf der Intensivstation – ist sehr aufwändig“, so Geschäftsführer Lippmann . Er geht davon aus, dass die Maximalzahl von Corona-Patienten, die in Weilheim und Schongau intensivmedizinisch behandelt werden könnten, bei jeweils zehn liegt. „Dann wären wir nah am roten Bereich“, so Lippmann. Angesichts der im Landkreis Weilheim-Schongau leicht sinkenden Zahl der Neuinfektionen rechnet er aber nicht damit, dass demnächst die Behandlungskapazitäten in seinen Häusern erschöpft sein könnten.

Derweil wirbt die Krankenhaus GmbH auch weiter um neues Personal. Erst am Montag fand wieder ein „Monday for jobs“ statt – wegen der Corona-Pandemie in der extra angemieteten Weilheimer Stadthalle. Zahlreiche Bewerber schauten vorbei und unterzeichneten teilweise gleich ihre neuen Arbeitsverträge – auch Krankenschwestern aus München.

Gesamtes Team wechselt geschlossen ans Weilheimer Krankenhaus

„Wir haben keine Freunde mehr in der Region“, sagt Pflegedirektorin Ertel dazu. Denn die Krankenhaus GmbH hat viel Personal aus den umliegenden Krankenhäusern abgeworben. Mit kreativen Aktionen wie einem Bewerber-Candle-Light-Dinner oder Halloween-Partys wurden die Fachkräfte angelockt und dann von der Krankenhaus GmbH überzeugt, sagt Ertels Stellvertreterin Sandra Buchner. Als ein gesamtes Team geschlossen nach Weilheim wechseln wollte, habe man sich abends mit ihnen im Krankenhaus getroffen, eine Pizza bestellt und offen über die Details besprochen. Die Pfleger aus dem anderen Krankenhaus wollten zusammenbleiben – das wurde möglich gemacht.

„Wir müssen uns schon Mühe geben, um die Leute für uns zu begeistern“, so Ertel. Nicht das Finanzielle sei entscheidend – bezahlt wird bei der Krankenhaus GmbH nach TvÖD. Das Klima überzeuge die Bewerber. Die offene Tür der Pflegedienstleitung. Die Tatsache, dass offen gesprochen und auch mal gelacht werden darf. Der Fakt, dass durch die Neueinstellungen eine Schwester nur fünf bis sieben Patienten betreuen muss, für die sie sich Zeit nehmen kann – nicht zehn oder mehr wie andernorts.

In Schongau sollen Appartementhäuser für Pflegekräfte entstehen

Zudem achte man auch darauf, dass die Mitarbeiter sich regelmäßig weiterbilden können, Aufstiegschancen haben. Dazu gehört auch, dass derzeit jeweils zwölf Pflegekräfte aus Weilheim und Schongau an einem Präventionsprogramm der Pflegeversicherung in Bernried teilnehmen können. Eine Woche Entspannungs- und Vitalprogramm, bezahlt vom Arbeitgeber und während der Arbeitszeit. Das kommt gut an bei den Bewerbern.

„Das Gesamtpaket stimmt bei uns“, sagt Ertel. Dazu gehöre auch, dass man für die Bewerber nach geeignetem Wohnraum sucht: „Wechseln wollen viele, aber wenn man keine Wohnung findet, hat sich das schnell erledigt.“ Deswegen plant der Landkreis in Schongau den Bau von zwei Appartementhäusern für Pflegekräfte. In Weilheim hat die Krankenhaus GmbH 20 Wohnungen angemietet, die sie an die Pflegekräfte bei Bedarf untervermieten kann.

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