Das Altarbild von Franz Anton Wassermann steht im Schongauer Museum, wurde bisher aber noch nicht öffentlich gezeigt. Es muss gereinigt werden.
+
Das Altarbild von Franz Anton Wassermann steht im Schongauer Museum, wurde bisher aber noch nicht öffentlich gezeigt. Es muss gereinigt werden.

Kunstinteressierte sind verwirrt

Fernsehsendung „Kunst und Krempel“ zeigt Wassermann-Bild, das längst im Schongauer Museum ist

  • Elke Robert
    vonElke Robert
    schließen

Ein 1,50 Meter hohes Wandgemälde des Schongauer Malers Franz Anton Wassermann, der im 18. Jahrhundert in der Lechstadt lebte, ist im vergangenen November in der Fernsehsendung „Kunst und Krempel“ von einem Privatmann gezeigt worden. Einigen Schongauern kam das Bild bekannt vor, und so ist es auch: Es steht längst im Depot des Schongauer Stadtmuseums.

Schongau – Ein ganz besonderes Altarbild hat ein älterer Herr für die Fernsehsendung „Kunst und Krempel“ des Bayerischen Fernsehens im Gepäck, um es von den Experten begutachten zu lassen. Über eine Schenkung sei es in die Familie gekommen, jetzt wolle man es aber verkaufen, da man keinen würdigen Platz dafür habe.

Ist es wirklich ein altes Altarbild oder nur eine Kopie?

„Mich würde interessieren, ob es wirklich ein so altes Altarbild ist, oder vielleicht nur nachgemacht?“, wollte er von den Experten wissen. Nur die Inschrift „Wakermann 1750“ habe er entziffern können, mehr wisse er nicht über das Bild.

Die beiden Experten hatten für die Zuschauer schon noch ein paar mehr Informationen parat. Abgebildet ist die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der unteren Bildhälfte ist ein Sarkophag abgebildet, umringt von den zwölf Aposteln. Darüber sitzt auf einer Wolkenbank Maria umgeben von Putten, die dem Himmel entgegensieht.

Einige Gemälde des Künstlers sind im Schongauer Raum bekannt

Die Inschrift am Sarkophag müsse anders gelesen werden, hieß es seitens der Kunstexperten. „F.A. Wassermann“ steht für Franz Anton Wassermann, von dem ab dem Jahr 1750 bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert einige Gemälde im Schongauer Raum bekannt sind.

Wie die Münchner Kunsthistorikerin Alexandra Ulrich in der Fernsehsendung erklärte, habe sich Wassermann vermutlich an der berühmten Himmelfahrt der Jungfrau Maria von Peter Paul Rubens orientiert, fertiggestellt 1626 als Altarbild für den Hochaltar der Kathedrale in Antwerpen.

„Kunst und Krempel“ schätzt Wert auf höchstens auf 1500 Euro

Die Preiseinschätzung von „Kunst und Krempel“: Zwischen 1200 und 1500 Euro. „Für den Schongauer Raum ist das Bild sicherlich interessant“, bekam der Besitzer des Altarbilds als Tipp mit auf den Weg.

Fernsehsendung stiftete bei Kunstinteressierten in Schongau Verwirrung

Ausgestrahlt wurde diese Sendung im November des vergangenen Jahres. Und die stiftete bei Kunstinteressierten in Schongau ganz schön Verwirrung. Sowohl Stadtarchivar Franz Grundner als auch Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer wurden angesprochen. Und beiden kam das Gemälde ebenso bekannt vor.

Stadtmuseum hatte Gemälde bereits im Mai 2019 für 1800 Euro erworben

Klar: Im Mai 2019 ist es dem Stadtmuseum angeboten worden – erworben hat man es für 1800 Euro mit Sondermitteln der Stadt. Denn Franz Anton Wassermann war tatsächlich ein regional bedeutender Maler, auch in der Schongauer Stadtpfarrkirche finden sich beispielsweise drei Fresken aus dem Jahr 1757. Sie zeigen den Tempelgang, die Verkündigung und die Heimsuchung Mariens.

Auch die Altarblätter der Seitenaltäre stammen von Wassermann (1750 bis 1760, siehe Kasten unten). Die Darstellung der Himmelfahrt Mariens in der Stadtpfarrkirche hingegen wurde von dem Weilheimer Franz Xaver Schmädl nach einem Entwurf von Franz Ignaz Günther gefertigt, da kam Wassermann nicht zum Zuge.

Im Jahrbuch des Historischen Vereins „Der Welf“ von 2019 ist das Barockgemälde bereits kurz vorgestellt worden, das im Zuge der Säkularisation 1804 in Privatbesitz gelangt sein könnte. Wo das Gemälde einst seinen Platz hatte oder wer es in Auftrag gab, ist nicht bekannt.

Gemälde ist in keinem sonderlich guten Zustand

Zu sehen war das Bild in Schongau übrigens bisher nicht, es lagert im Museumsdepot in der Christophstraße. Den Grund kennt Schmidbauer: Das Ölgemälde ist in keinem sonderlich guten Zustand und müsste dringend gereinigt werden. „Es wurde totrestauriert“, formuliert es der Kreisheimatpfleger. So hatte man vermutlich in den 60er Jahren die Leinwand auf eine Holzspanplatte aufgebracht, der Leim beschädigte die Leinwand. „Das muss sich ein Fachmann anschauen“, so Schmidbauer. Auch hat das Altarbild keinen Rahmen, es muss aus diesem herausgeschnitten worden sein.

Dass der Wassermann-Beitrag erst jetzt gezeigt wurde, ohne Hinweis darauf, dass es sich um eine ältere Aufzeichnung handelte, sorgte in Schongau für Verwirrung. „Die Beratung fand bei der Aufzeichnung in Nymphenburg statt, die im März 2019 war“, erklärt Florian Maurice vom Bayerischen Rundfunk.

In der Regel seien die Zuschauer der Sendung mit dem Ablauf vertraut, dass dreimal im Jahr eine dreitägige Aufzeichnung stattfindet, aus denen dann die Sendungen der Folgezeit gestaltet würden. Diesmal lagen eben eineinhalb Jahre zwischen Beratung und Ausstrahlung.

Auch interessant:

Hilfe für Kinder in den ärmsten Ländern der Welt: Welfen-Gymnasium hält „Mary’s Meals“ die Treue

Schongau und Peiting machen gemeinsame Sache: Endlich einheitliches Ticketsystem im Bus

Mehr Aktuelles aus der Region lesen Sie hier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare