Auch in Reichling hatten die Feuerteufel rund um Weihnachten 2019 zugeschlagen.
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Auch in Reichling hatten die Feuerteufel rund um Weihnachten 2019 zugeschlagen.

Prozess vor dem Landgericht Augsburg

Nach Serie von Stadelbränden: Jetzt ist das Urteil gegen die beiden Täter gefallen

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Vor gut einem Jahr hielt eine ganze Serie an Feuern die Landkreise Landsberg und Weilheim-Schongau in Atem. Am heutigen Montag ist vor dem Augsburger Landgericht das Urteil gegen die beiden Täter gefallen.

Update vom 25. Januar, 20 Uhr: Landkreis/Augsburg - Er genoss den Nervenkitzel und empfand Glücksgefühle, wenn die Flammen loderten. Der zweite Prozesstag gegen die beiden Feuerteufel vom Lechrain ließ erahnen, was den 25-jährigen Haupttäter motiviert hatte, als er gemeinsam mit seinem 26-jährigen Kumpel vergangenen Winter Feldstadel, Holzlager, Müllcontainer und Teile eines ehemaligen Weilheimer Sägewerks in Brand steckte. Nun ist das Urteil gegen die beiden gefallen: Der 25-jährige Soldat muss für drei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Sein ehemaliger Schulfreund erhielt wegen Beihilfe eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Wie die Polizei den beiden aus dem Landkreis Landsberg stammenden Männern auf die Spur kam, berichtete der Ermittlungsleiter der Kripo Fürstenfeldbruck. Die Auswertung von Funkzellen führte die Beamten nach den ersten Bränden zu dem 25-Jährigen. Und da dieser häufig seinen Kumpel besuchte, geriet auch der ins Visier der Ermittler.

An den beiden Tagen vor der Festnahme im Januar 2020 fuhr der 25-Jährige offenbar unwissentlich mit einem polizeilichen GPS-Sender durch die Gegend. So konnte sein BMW an der letzten Brandstelle geortet und die Täter kurz darauf gestellt werden. Das Navi des 25-Jährigen tat ein übriges, ihn zu überführen. Die Auswertung ergab, dass das Auto vor, während oder nach den Bränden immer in der Nähe der Brandorte gewesen war. Der 25-Jährige legte bei der Polizei sofort ein Geständnis ab und sprach offenbar auch vom „Verlangen“, einen Brand zu legen, und vom anschließenden Belohnungsgefühl.

Sein Kumpel hingegen will lediglich aus Freundschaft mitgemacht haben. Der 26-Jährige habe aufgrund zahlreicher Schulwechsel nicht die Chance gehabt, stabile Beziehungen aufzubauen, führte sein Verteidiger Stefan Mittelbach aus. Als er dann endlich einen Freund gefunden hatte, habe er diesen „wertvollen Kontakt“ nicht aufgeben wollen.

Staatsanwalt Gregor Hohenadl hätte den mehrfach Vorbestraften gern hinter Gitter geschickt: „Er hat ein Drogenproblem. Er hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keinen Beruf, keine feste soziale Bindung und keinen Tagesrhythmus.“ Das Gericht schloss sich jedoch der Sicht der Verteidigung an. „Psychische Beihilfe ist fast die geringste Beihilfe, die man leisten kann“, so der Vorsitzende Richter Christian Grimmeisen. Beide Angeklagte hätten außerdem durch ihre Geständnisse das Verfahren erheblich beschleunigt. So konnte auf umfangreiche Zeugenvernehmungen verzichtet werden – was umso mehr wert war, als die Verhandlung wegen der nötigen Lüftungspausen alle 19 Minuten unterbrochen werden musste.

Hinzu kam die lange Dauer der Untersuchungshaft. Beide Angeklagten sitzen bereits seit einem Jahr im Gefängnis – unter Corona-Bedingungen, die Verteidiger Mittelbach mit Isolationshaft verglich. Sein Mandant habe „wirklich richtig gelitten“. Auch dem 25-jährigen Haupttäter wird die U-Haft auf die Strafe angerechnet. Positiv wertete das Gericht in seinem Fall, dass er 4000 Euro an Schadenswiedergutmachung gezahlt hat. Bei einer Schadenshöhe von knapp einer Million Euro war das für den Staatsanwalt zwar „ein Tropfen auf den heißen Stein“, doch der gute Wille zähle.

Die Bewährungszeit für den 26-Jährigen ist mit vier Jahren länger als üblich. Außerdem muss er aus einer anderen Verurteilung eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro zahlen, 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, künftig drogenfrei leben und eine ambulante Therapie machen. All das wird allerdings noch warten müssen. Wie der Staatsanwalt dem 26-Jährigen eröffnete, läuft wegen des Verdachts auf eine weitere Straftat bereits ein neues Verfahren gegen ihn. Er wurde gleich wieder in Haft genommen. Von Ulrike Osman

Update vom 25. Januar, 14 Uhr: Im Prozess gegen die beiden Brandstifter ist am heutigen Montag das Urteil vor dem Augsburger Landgericht gefallen. Der Haupttäter, ein 25-jähriger Soldat aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, muss für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Der mitangeklagte 26-Jährige aus dem Landkreis Landsberg bekam zwei Jahre auf Bewährung. Ein ausführlicher Bericht folgt.

Erstmeldung vom 14. Januar: Landkreis – In den frühen Morgenstunden des 29. Dezember 2019 gingen das Lager und die Fahrzeughalle am östlichen Weilheimer Ortsrand in Flammen auf. Auch eine PV-Anlage auf dem Dach der Halle wurde zerstört. Insgesamt entstand allein bei diesem Feuer ein Sachschaden von 500 000 Euro.

Serie nahm in Landsberg ihren Anfang und dauerte 17 Tage

Es war der traurige Höhepunkt einer Serie, die 17 Tage zuvor in der Max-Friesenegger-Straße in Landsberg begonnen hatte. In der Nacht des 12. Dezember brannte dort ein Altpapiercontainer, angezündet offenbar von einem heute 25-jährigen Soldaten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Er räumte vor dem Landgericht Augsburg ein, als Haupttäter für alle zwölf angeklagten Brände verantwortlich zu sein. Der zweite Angeklagte, ein 26-jähriger Arbeitsloser aus dem südlichen Landkreis Landsberg, will bei der ersten Tat zwar anwesend, davon aber völlig überrascht gewesen sein.

Auch PV-Anlage wurde Raub der Flammen

Doch schon beim zweiten Feuer habe er mitgeholfen, gab er über seinen Verteidiger zu. Diesmal loderte eine Mülltonne neben der Sporthalle in Fuchstal-Asch, auch ein Fahrradständer wurde zerstört. Am nächsten Tag brannte in Rott eine Feldscheune völlig aus. Die in dem Gebäude untergestellten Traktoren und eine PV-Anlagen wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. Sachschaden: 200 000 Euro.

Angeklagte legen Geständnisse ab

Glaubt man den Geständnissen der beiden Angeklagten, ging der 25-Jährige in den folgenden Tagen und Wochen einige Male allein auf Tour. Am 14. Dezember 2019 zündete er neben der Staatsstraße in Vilgertshofen einen Heuballen an. Da dieser jedoch feucht und schimmlig war, passierte nichts Schlimmeres. Stunden später entstanden 70 000 Euro Sachschaden, als eine Feldscheune in Leeder samt landwirtschaftlicher Geräte teilweise abbrannte. Am Tag vor Weihnachten schlugen die mutmaßlichen Feuerteufel erstmals im Landkreis Weilheim-Schongau zu. Ziel war eine Feldscheune in Wessobrunn. Da das Feuer jedoch rechtzeitig entdeckt und die brennenden Strohballen aus dem Gebäude geholt werden konnte, ging dieser Vorfall glimpflich ab.

Wenige Stunden zuvor war eine Feldscheune in Epfach in Flammen aufgegangen. Am zweiten Weihnachtstag folgten eine Holzscheune und landwirtschaftliche Geräte in Reichling, zuletzt ein Holzstadel in Issing und ein Brennholzlager in Unterdießen. Kurz danach wurden die Männer gefasst.

Angeklagter will nach der Haft im sozialen Bereich arbeiten

Die beiden kennen sich schon aus der Schule. Der Ältere hatte nach dem Hauptschulabschluss verschiedene Jobs, war eine Zeit lang bei der Bundeswehr und begann später eine Maurerlehre, aus der er wegen Unzuverlässigkeit hinausflog. Der Vater eines zweijährigen Kindes, zu dem er kaum Kontakt hat, war wegen seines Cannabiskonsums öfter unpünktlich zur Arbeit erschienen. Er wohnte zuletzt mit seiner Mutter bei den Großeltern. Der jüngere Angeklagte brach eine Lehre zum Berufskraftfahrer ab und wurde Zeitsoldat. Nach der zu erwartenden Haftstrafe will er aber eine Ausbildung im sozialen Bereich machen, wie er aussagte – zum Beispiel als Altenpfleger. Der Prozess wird fortgesetzt.

ULRIKE OSMAN

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