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Rebell in der DDR: Rainer Eppelmann wollte weder in die FDJ noch in die NVA.

Rainer Eppelmann blickt auf SED-Diktatur zurück

Flammendes Bekenntnis zur Demokratie

Ein Stück deutsche Geschichte und ein flammendes Bekenntnis zur Demokratie erwartete die Besucher des VHS-Vortrags mit Rainer Eppelmann im Ballenhaus. Der ehemalige evangelische Pfarrer in der DDR widersetzte sich seinerzeit dem System und landete im Gefängnis.

Schongau Der ehemalige Minister für Abrüstung und Verteidigung und Bundestagsabgeordnete ist seit 1998 ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Rainer Eppelmann weiß, wovon er spricht. Weil er nicht der SED-Jugendorganisation FDJ beitreten wollte, durfte er in der DDR keine höhere Schule besuchen und arbeitete anfangs als Maurer auf dem Bau. Weil er den bewaffneten Wehrdienst in der NVA ebenfalls verweigerte, wanderte er für acht Monate ins Gefängnis.

„Ich bin im Knast erwachsen geworden“, blickt er auf ein Alter zurück, das junge Bundesbürger heute vorwiegend mit anderem verbringen, als politischen Aktivitäten. Und das alles, ohne ständig ihre Freiheit bedroht zu sehen. Ein Leben mit der Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte. Laut Rainer Eppelmann, der das Pech hatte, in eine Diktatur hineingeboren zu werden, ist das eines der höchsten Güter.

Bildhaft schildert er eine Zeit, in der man nicht offen reden konnte, in der manchmal der beste Freund als Spitzel private Äußerungen weitergab. In der Demonstrationen mit dem Einsatz von Panzern blutig beendet wurden, in der Menschen plötzlich im Gefängnis landeten oder außer Landes verwiesen wurden und ihre Familien in einer ungewissen Zukunft zurücklassen mussten. Eine Zeit, die 1989 durch einen friedlichen Aufstand und politische Entwicklungen ein jähes Ende fand und die vielen längst nicht mehr präsent ist.

Das ist der Grund für den 74-Jährigen, mit Vorträgen, die er auch in Schulen hält, an diese Zeit zu erinnern und sich für die Demokratie einzusetzen. „Sie haben uns 40 Jahre Demokratie voraus“, wandte er sich an die rund 100 Besucher. Die Menschen aus der ehemaligen „Ostzone“, müssten erst einmal lernen, was es heißt, frei wählen zu dürfen. Und mit dieser Freiheit verantwortlich umzugehen.

Rainer Eppelmann, der sich in der DDR, in der ihm als einziger Ausweg aus dem Arbeiter-Dasein das Studium der Theologie offenstand, innerhalb der evangelischen Kirche gewisse Freiheiten nahm, setzt sich auch heute noch vehement für Frieden und Abrüstung ein. Zusammen mit dem Dissidenten Robert Havemann verabschiedete er 1982 den so genannten „Berliner Apell“, der unter dem Motto „Friedenschaffen ohne Waffen“ in der Frankfurter Rundschau abgedruckt wurde und Eppelmann beinahe wieder ins Gefängnis gebracht hätte. Dies konnte durch Intervention der Kirche, die sich zuvor geweigert hatte, den Apell zu verbreiten, verhindert werden. Diese Schrift ist auch Bürgermeister Falk Sluyterman noch lebhaft in Erinnerung, der sich im Rahmen seiner Abiturprüfung damit auseinandersetzen musste, wie er bei der Begrüßung verriet. Deshalb ließ er es sich auch nicht nehmen, an dem Vortrag, zu dem die VHS geladen hatte, teilzunehmen. Ebenso wie fast der gesamte Stadtrat und Altlandrat Manfred Blaschke, die gebannt Eppelmanns ausschweifenden Schilderungen lauschten. „Treten Sie auch weiterhin für Ihre Demokratie ein!“, gab dieser den Besuchern, die mit einem kleinen Umtrunk verabschiedet wurden, mit auf den Weg. Erst kürzlich habe er zu seiner Frau gesagt: „Mein größter Wunsch ist es, 93 Jahre alt werden. Dann habe ich ein Jahr länger in einer Demokratie gelebt, als in einer Diktatur.“

Ursula Fröhlich

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