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Die bekannte Südfassade des Münzgebäudes

Ein Blick in die Geschichte des Münzgebäudes

Folter und Mord statt Münzprägung

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Schongauer Historiker sind sich einig: Dass im Münzgebäude jemals Münzen geprägt worden sind, diese Info geht auf eine Jahrhunderte alte Mär zurück, die sich hartnäckig hält. Tatsache ist: In dem historisch bedeutsamen Gebäude wurde gefoltert und gemordet. Im Rahmen der Sanierung soll nun mit viel Fingerspitzengefühl die Baugeschichte des Gemäuers greifbar werden.

Schongau Viele Jahre war im Münzgebäude in der Altstadt die Polizeiinspektion Schongau zuhause, zuletzt hatte die CSU Schongau dort Fraktionssitzungen und Bürgersprechstunden abgehalten – jetzt soll ein „Amt für Senioren“ einziehen. Erste Planungen für die Sanierung waren Ende Februar bereits vorgestellt worden und sollen in dieser Woche im Stadtrat im Detail erläutert werden – samt Kostenplanung (Sitzung am Dienstag, 12. Juni, ab 19.30 Uhr).

Den Wehrturm auf der Nordseite zeigt Robert Thomas

Nach dem Vorentwurf des Architekten Benedikt Sunder-Plassmann kommt der Historie des Gebäudes bei der Sanierung eine besondere Stellung zu. Besonders der ehemalige Wehrturm soll wieder hervorgehoben werden, wie Robert Thomas vom Städtischen Bauamt bei einer Ortsbegehung erläutert, und zwar mittels eines Oberlichts im Obergeschoss, denn die Krone des Wehrturms ist noch sichtbar. „Sie soll im Innenraum dargestellt und damit aufgewertet werden“, betont Thomas. An der Nordfassade ist der Wehrturm noch als Mauervorsprung erkennbar, die Fensteröffnungen kamen erst später hinzu.

Der Wehrturm stammt ursprünglich aus der ersten Bauphase im 13./14. Jahrhundert und wurde aus Tuffstein erbaut. Franz Grundner vom Schongauer Stadtarchiv schätzt, dass der Turm in etwa zur Stadtgründung entstand, also 1220/1230. „Der Torturm ist urkundlich belegt als Münzmeistertor“, so Grundner. Dass im sogenannten Münz- und Eisenamtshaus jemals Münzen geprägt worden sind, lässt sich historisch aber nicht belegen. „Das ist ein Märchen aus dem 19. Jahrhundert, das sich hartnäckig gehalten hat“, so Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer. „Sicher ist nur, dass Münzmeister Schmid-Kemlin in der Anfangszeit im Turm gewohnt hat“, ergänzt der Historiker. Dies ist urkundlich erstmals 1331 erwähnt. Die Schongauer Münzen – die ältesten von 1191 – sind demnach offensichtlich anderswo geprägt worden. Das Schmid-Kemlins-Tor wurde im 16./17. Jahrhundert zugemauert.

Nach den Plänen von Leonhard Gießl wurde im 18. Jahrhundert der Gefängnisbau über dem älteren Kern des Gebäudes errichtet

Aus dem anfänglichen Wehrturm entwickelte sich nach und nach eine Fronfeste, die mehrfach baulich verändert wurde. Die größte Baumaßnahme erfolgte nach Plänen von Leonhard Gießl aus dem Jahr 1768 bis in das Jahr 1773 hinein. Aus dieser Bauphase ist noch viel erhalten, wie Grundner bestätigt: Nach einer dendrochronologischen Untersuchung stammt das Holz des heutigen Dachstuhls aus dem Jahr 1769. Errichtet wurde ein großer Gefängnisbau direkt über dem historischen Kern mit Gefängnis im alten Turm, dessen dicke Mauern im Plan noch gut sichtbar sind. Zusätzliche Zellen sind als „Neue Keuchn“ eingezeichnet, im Obergeschoss ist auch ein Verhörraum dargestellt, eine „Torturstubn“.

Dass es in den Amtsräumen gar nicht zimperlich zuging, weiß Helmut Schmidbauer: „Im Haus wurde gefoltert, vor dem Tor im Katzenweiher die jungen Frauen ertränkt – wenn ich an das Münzgebäude denke, fallen mir sofort die armen Opfer ein, deren Schreie man weit gehört haben muss.“ Zumindest eine Hinrichtung mit Feuer lässt sich vom Datum her genau belegen: Zwei Männer kamen auf diese Weise am 19. März 1593 zum Ende der Hexenprozesse zu Tode.

Das Münzgebäude war bis Ende des 19. Jahrhunderts Gerichtsdienerwohnung mit Gefängnis, blieb in staatlicher Hand, bis es 1939 von NS-Bürgermeister Georg Sponsel gekauft wurde, der sich dort auch häuslich einrichtete. Seit der Nachkriegszeit ist das Gebäude im Eigentum der Stadt, bis 2008 wurde es von der Polizeiinspektion Schongau genutzt, Mieter für das künftige „Amt für Senioren“ ist das Landratsamt.

Der Wehrgang an der Ostseite des Gebäudes

Kleinere bauliche Veränderungen sollen auch jetzt wieder erfolgen, etwa wird der südliche Eingang in Richtung Osten verschoben. Weitere Besonderheit: Der alte Wehrgang soll zugänglich gemacht werden, zu dem man früher mittels einer steilen Stiege gelangte. Schmidbauer ist begeistert: „Es ist eine tolle Sache, dass dieses Haus wieder eine Zukunft bekommt, eine Zukunft aus der Vergangenheit heraus, was Schongau ein Stück Identität gibt.“

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