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Fortbildung in Schongau: Dr. Raoul Pangentna (2.v.l.) bildet sich im Krankenhaus unter anderem bei (v.l.) Dr. Wolfgang Wistuba, Dr. Michael Platz, Dr. Wilhelm Fischer und Dr. Andreas Eder weiter. Rechts ist Dr. Soeren Gatz von der Hilfsorganisation zu sehen. 

Fortbildung am Krankenhaus

Arzt aus Kamerun lernt in Schongau Neues

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Zwei Wochen verbrachte der kameruner Arzt Dr. Raoul Pangentna zur Fortbildung im Schongauer Krankenhaus. Er stellte fest, wie sich die Gesundheitssysteme unterscheiden.

Schongau – Eine Mischung aus Deutsch, Englisch und Französisch war in den vergangenen zwei Wochen im Fachbereich der Inneren Medizin im Schongauer Krankenhaus zu hören. Im Rahmen einer Fortbildung hospitierte dort der kameruner Arzt Dr. Raoul Pangentna.

Den Kontakt hatte Dr. Soeren Gatz hergestellt. „Ich bin ein bisschen Schongauer“, sagt er. Mehrere Jahre war er als Oberarzt im hiesigen Krankenhaus tätig. Später wechselte er nach Landsberg, wo er mit einigen Kollegen das sogenannte „Medical Network Cameroon“ gründete: ein internationales Netzwerk zwischen medizinischen Einrichtungen in Kamerun und europäischen Hilfsorganisationen.

„Ziel der Initiative ist es, mehr Menschen in Afrika den Zugang zu grundlegenden, und qualitativ gesicherten Gesundheitsdiensten zu ermöglichen“, erklärt Dr. Gatz. Unter anderem soll die medizinische Ausstattung erweitert werden, das heißt Medikamente und medizinisches Equipment nach Kamerun gebracht werden. An vorderster Stelle stehe laut Gatz aber die Aus- und Weiterbildung der kameruner Kollegen. Zum einen bieten deutsche Ärzte dort Fortbildungen an, die kameruner Ärzte sollen die neuesten medizinischen Techniken aber auch direkt in Deutschland kennenlernen, um diese dann selbst an ihre Kollegen weiterzugeben.

Diese Möglichkeit hat nun Dr. Raoul Pangentna wahrgenommen. Das Schongauer Krankenhaus eignet sich bestens für seine Hospitanz, findet Dr. Gatz. Dieser Meinung ist auch der ärztliche Direktor des Krankenhauses Dr. Wilhelm Fischer: „Wir können eine breite Basis anbieten, aber auch spezielle Verfahren werden bei uns durchgeführt.“

Während Ärzte in Deutschland auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert sind, ist Dr. Raoul Pangentna in der kameruner Stadt Foumban für sehr viele Bereiche zuständig. Da komme es vor, dass er erst einen Leistenbruch operiert und gleich danach bei der Geburt eines Babys hilft und den Kaiserschnitt macht. Sein besonderes Interesse gilt der Inneren Medizin, sagt er, weshalb er auch in diesem Fachbereich hospitierte. Für zwei Wochen begleitete er den Schongauer Oberarzt der Klinik für Innere Medizin Dr. Wolfgang Wistuba.

Besonders begeistert zeigte sich Pangentna darüber, bei der Umsetzung von medizinischen Techniken dabeizusein, von denen er davor nur in Büchern gelesen hatte. Zum Beispiel bei einer Endoskopie durch die Nase oder sogenannten ERCPs – Bauchspeicheldrüsen- und Gallengangspiegelungen.

Nicht nur die Techniken unterscheiden sich, wie Pangentna feststellt: „In Kamerun ist kaum jemand krankenversichert. Jeder Arztbesuch muss bezahlt werden.“ Vorsorgeuntersuchungen gibt es in seiner Heimat deshalb nicht. Die Menschen würden nur in absoluten Notfällen zum Arzt gehen. „Viele Krankheiten befinden sich da bereits in Spätstadien, die man so in Deutschland nicht sieht“, weiß auch Dr. Gatz.

Auch außerhalb des Krankenhauses hat Pangentna im Schongauer Land viel erlebt. Gleich am Anfang hat er seinen Kollegen Dr. Soeren Gast zu einer goldenen Hochzeit in die Wieskirche begleitet und dort spontan im Chor mitgesungen. Außerdem waren sie zusammen in einer Kletterhalle und in den Bergen. Die Seilbahnfahrt hinunter fand Pangentna aber ziemlich abenteuerlich und war heilfroh, als er wieder unten ankam. Und sogar schwimmen hat er während seines kurzen Aufenthalts gelernt. „Die Leute waren sehr gastfreundlich. Mir hat es hier gut gefallen“, sagt Pangentna. Er hofft, im kommenden Jahr noch einmal für eine Fortbildung nach Schongau kommen zu dürfen.

Und er hat große Pläne: Pangentna möchte gerne eine feste Partnerschaft mit dem Krankenhaus aufbauen – seine Kollegen aus Kamerun sollen das deutsche System selbst kennenlernen, und anders herum, auch Schongauer Ärzte nach Foumban kommen. Das Interesse an einer Zusammenarbeit scheint auch auf Schongauer Seite da zu sein. Viele Ärzte kamen in ihrer Mittagspause zum Pressegespräch dazu und hörten gespannt den Schilderungen von Dr. Pangentna und Dr. Gatz über Kamerun zu.

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