Dieses Bild wird derzeit in der Ausstellung im Stadtmuseum gezeigt. Bisher war unbekannt, wer das Ehepaar ist, das in den 30er-Jahren in Schongau aufgenommen wurde.

Foto mit unbekannten Personen im Stadtmuseum

Das Bilder-Rätsel ist gelöst

  • schließen

Bei der Ausstellung im Schongauer Museum zum Stadtmauerumfeld wird das Foto eines Ehepaars gezeigt, von dem der Historische Verein nicht wusste, wer darauf zu sehen ist. Jetzt ist das Rätsel gelöst.

Schongau – Als Paul Keller vergangene Woche wie immer morgens die Zeitung las, stutzte er plötzlich: „Schau mal, Martha, das sind sie doch!“, rief er seiner Frau zu und deutete auf ein kleines Schwarz-Weiß-Bild auf der ersten Lokalseite. Seine Großeltern Josef und Karoline waren darauf abgebildet, mit dem Hinweis, dass das Foto in der derzeit laufenden Stadtmuseums-Ausstellung gezeigt wird und nicht bekannt ist, um wen es sich handelt.

Das bislang unbekannte Ehepaar heißt Josef und Karoline Keller. Dieses Bild hängt im Haus von Paul Keller, dem Enkel von Josef, und seiner Frau Martha.

Gleich darauf hat sich Martha Keller (59) in der SN-Redaktion gemeldet und als „Beweis“ ein Foto mitgebracht. Dass es sich um die Großmutter handelt, ist auf den ersten Blick klar. Der Großvater ist etwas schwerer zu identifizieren, denn auf dem Bild aus dem Museum hat er den Hut tief ins Gesicht gezogen. Doch der markante Bart verrät ihn, „und die Pfeife auch“, sagt Paul Keller.

Der 80-Jährige wohnt noch im selben Haus in der Christophstraße, in dem auch seine Großeltern schon gewohnt haben. „Das Haus geht zurück bis ins 15. Jahrhundert und ist eines der ältesten Häuser Schongaus“, sagt Paul Keller stolz. Gekauft hat es sein Uropa Jakob im Jahr 1875, wie Paul Kellers Sohn Thomas vor einiger Zeit bei einer aufwändigen Ahnenforschung herausgefunden hat. Der Uropa, ein Landwirt, hatte die letzte Semer-Tochter geheiratet und noch am heutigen Lindenplatz gewohnt, was damals noch am Winkel hieß. Der Hausname „Winkelbauer“ zog mit ins neue Haus in der Christophstraße, das vorher „beim Färberthoma“ hieß – und wie gebräuchlich diese Hausnamen waren, zeigt die Tatsache, dass Paul Keller als Kind nur „Winkelbauer-Sohn“ genannt wurde.

Zu dem Foto kann Keller auch einiges Wissen beisteuern. „Das ist am Frauentor aufgenommen worden, bestimmt von Paul Bromberger“, sagt Keller – Bromberger hatte seit Ende der 1920er-Jahre in unzähligen Fotos die Zeitgeschichte des Schongauer Lands dokumentiert, was bereits vergangenes Jahr in einer Ausstellung im Stadtmuseum gewürdigt worden war. Auf dem betreffenden Bild waren Kellers Großeltern unterwegs zum Mähen, sagt der 80-Jährige. Fünf Milchkühe hatte der Großvater im Stall an der Christophstraße, das Futter holte er sich am Hang vom Sonnengraben, der der Heiliggeistspital-Stiftung gehört habe und eine Streuobstwiese gewesen sei. „Auch ich war da als Kind oft dabei“, sagt Keller.

Paul Keller vor seinem Haus, das heute eine Schreinerei ist und früher zur Großvaters Zeiten einen kleinen Bauernhof mit fünf Milchkühen beherbergte, wie das Gemälde aus den 30er-Jahren zeigt. Sogar den Baum links gab es damals schon.

Leider hat er nicht mehr viele Erinnerungen an seine Großeltern, sagt Keller. Sein Sohn Thomas hat nur herausgefunden, dass Karoline bereits zwei Kinder mit in die Ehe brachte und zuvor Magd in der Niederwies war. „Als Großvater Josef 1941 gestorben ist, war ich vier Jahre alt, meine Oma starb drei Jahre später“, sagt Paul Keller. „Ich weiß nur noch, dass es bei ihrer Beerdigung im Februar bitter kalt war.“ Bis zuletzt wohnten die Großeltern in dem Haus an der Christophstraße, in dem Paul Kellers Vater 1935 eine Schreinerei einrichtete.

Heute erinnern dort nur noch einige Bilder und Urkunden an die Vorfahren. Eine hat der Großvater 1907 zum Entlass aus der Feuerwehr nach 15 Jahren Dienst bekommen, eine andere belegt den Kauf eines Stücks Stadtmauer von 1910, unterschrieben vom damaligen Bürgermeister Georg Schaegger. Und jetzt das neue Foto, das auch den Kellers bisher nicht bekannt war. Der 80-Jährige wundert sich, dass sonst niemand seine Großeltern in den SN erkannt hat. „Aber in den letzten beiden Jahren sind viele Zeitzeugen gestorben“, sagt er. Umso wichtiger, dass diese Erinnerungen bewahrt werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Leiter ragt von Lkw-Ladefläche in Gegenfahrbahn: Unfall
Weil er seine Leiter auf der Ladefläche nicht ordentlich gesichert hat, hat ein 44-jähriger Lkw-Fahrer in Peiting einen Unfall verursacht.
Leiter ragt von Lkw-Ladefläche in Gegenfahrbahn: Unfall
Umfahrung wird im Dezember eröffnet
Endlich ist es soweit: Die Umfahrung Hohenpeißenberg  wird im Dezember freigegeben. Ursprünglich war  2013 Termin.
Umfahrung wird im Dezember eröffnet
Schongauer dankt Feuerwehr, denn „ich habe in die Hölle geschaut“
„Als ich die Treppe raufkam, habe ich in die Hölle geschaut.“ Noch zwei Tage nach dem Brand in seiner Schongauer Wohnung ist Robert Fremmer ganz schockiert. Und …
Schongauer dankt Feuerwehr, denn „ich habe in die Hölle geschaut“
Neuer Standort fürs Rotter Ärztehaus gefunden
Bekommt Rott ein neues Ärztehaus, und wenn ja, wo soll es hinkommen? Darüber wird in der Lechrain-Gemeinde schon seit einigen Monaten diskutiert.
Neuer Standort fürs Rotter Ärztehaus gefunden

Kommentare