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Franz Xaver Epp: Ein vergessener Schongauer Gelehrter

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Experimente wie mit dieser Kleist’schen Flasche machte Epp bei öffentlichen Vorlesungen in München.
Experimente wie mit dieser Kleist’schen Flasche machte Epp bei öffentlichen Vorlesungen in München. © Winkler

Der Schongauer Franz Xaver Epp (1733 bis 1789) war Geistlicher und Physiker. Verschiedene Erfindungen und Entwicklungen gehen auf den vielseitig begabten Schongauer zurück. Mit Leben und Werk von Franz Xaver Epp befasst sich Peter Winkler im neuen „Welf“ des Historischen Vereins Schongau.

Schongau – Franz Xaver Epp kam 1733 als Sohn des Schongauer Kantors Bernard Epp und dessen zweiter Frau in der Kirchgasse zur Welt. Über seine Jugend weiß man wenig. Auch über sein späteres Leben konnte nur aus sehr verstreuten Nachrichten etwas mehr Licht in sein Leben gebracht werden.

Der kleine Franz Xaver scheint ein aufgewecktes Kind mit einer ausgeprägten musikalischen Begabung gewesen zu sein. Das war wohl der Anlass, dass er mit 13 Jahren zu den Jesuiten nach München gegeben wurde, um dort eine gründliche Schulbildung zu erhalten. Im „Domus Gregoriana“ konnte er kostenfrei wohnen.

Er war auch Sänger und Komponist

Die Jesuiten nahmen nur begabte Schüler auf. Wer die Versetzung nicht schaffte, wurde vom Gymnasium verwiesen. Die Jesuiten führten auch regelmäßig mehrteilige Passionen, Litaneien, Andachten und Melodramen auf, und in den Textheften dazu findet man Epp regelmäßig als Sänger.

Die Musikbegabung und kostenfreie Bildung könnten also seine Eltern veranlasst haben, das Münchner Jesuitengymnasium zu wählen, vielleicht in der Hoffnung, dass der Sohn Kantor wie sein Vater werden würde. In einer Biographie wurde festgehalten, dass sein Ohr von schlechter Musik so sehr beleidigt war, dass er später Kirchenämter ablehnte, bei denen er gezwungen gewesen wäre, Musikdarbietungen beizuwohnen.

Nach dem Studium Physik gelehrt

Nach Beendigung des Gymnasiums trat Epp in den Jesuitenorden ein, absolvierte von 1755 bis 1757 ein Physikstudium an der Universität Ingolstadt und wurde dann als Lehrer eingesetzt. Bei den Jesuiten war es üblich, dass das Lehrpersonal häufig wechselte. So war Epp ein Jahr in der Schweiz im Gymnasium Luzern beschäftigt und danach in Rottenburg bei Tübingen. Ab 1763 studierte er Theologie an der Universität Freiburg. Anschließend lehrte er Physik an der Jesuitenuniversität in Dillingen.

An diesem Landhaus auf dem Gasteig brachte Franz Xaver Epp 1776 den ersten Blitzableiter in Bayern an. 
An diesem Landhaus auf dem Gasteig brachte Franz Xaver Epp 1776 den ersten Blitzableiter in Bayern an.  © Winkler

Dort wäre er sicher gern geblieben, doch bekamen die Jesuiten mehr und mehr Gegenwind. Der Orden hatte praktisch das Bildungsmonopol und setzte das Lehrpersonal nach eigenen Vorstellungen ein. Dies missbehagte der Staatsverwaltung, die mehr Einfluss auf das Bildungswesen anstrebte. So wurden Quoten für ausländische Lehrer vorgegeben, und da das zum Bistum Augsburg gehörende Dillingen Ausland war, musste Epp Ende 1769 nach München zurückkehren, um am Lyzeum als Professor der Physik zu unterrichten.

Das fortschrittlichste Gebiet war zu dieser Zeit die Elektrizitätslehre, die Epp sich angeeignet hatte und worüber er ein Buch in Latein schrieb. Als er 1773 die Druckerlaubnis erhalten hatte, wurde der Orden aufgehoben. Mit dem Buch zog er die Aufmerksamkeit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften auf sich, die ihn ein Jahr später als Mitglied aufnahm.

Öffentliche Vorlesung mit Experimenten

Er übernahm zugleich die öffentlichen Vorlesungen der Akademie über Experimentalphysik, die wöchentlich gehalten wurden und von jedermann besucht werden konnten. Zur Optik, Mechanik, Hydraulik und natürlich zur Elektrizität wurden dort Versuche vorgeführt, die sich auch Handwerksburschen kaum entgehen ließen.

Die Akademie verfügte über eine reiche Instrumentensammlung, und es dürfte Epp große Freude bereitet haben, Wissen anhand geeigneter Experimente zu vermitteln. Als Peter von Osterwald, Direktor des kurfürstlichen Geistlichen Rats (Kultusminister) und Direktor der physikalischen Klasse der Akademie, auf dem Gasteig ein Landhaus erbaute, bekam Epp Gelegenheit, den ersten Blitzableiter in Bayern zu setzen. Dort sollte der Nutzen einer fortschrittlichen Physik gegen im Volk tief verwurzelte Bräuche wie Gewitterläuten und Gewitterschießen als Selbsthilfe gegen Naturgewalten demonstriert werden.

Das ist das Siegel der Urkunde, mit der Epp im Jahre 1773 zum Doktor ernannt wurde. 
Das ist das Siegel der Urkunde, mit der Epp im Jahre 1773 zum Doktor ernannt wurde.  © Winkler

Die mit der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 verbundene Dramatik lässt sich heute in ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit kaum ermessen. Der Orden war plötzlich entmachtet, besaß aber noch viel Einfluss.

Ein Schlaglicht auf diese Situation werfen zwei Massenveranstaltungen an der Universität Ingolstadt, wo im Abstand von zwei Wochen 46 Exjesuiten zu Bakkalaureaten, Lizentiaten und Doktoren befördert wurden, unter denen sich auch Epp befand.

Er wechselt zur Theologie

Die Exjesuiten befürchten, dass die Aufklärer jetzt weltliche Professoren ernennen würden, und durch die Titelverleihungen versprachen sie sich bessere Chancen für ihre späteren Karrieren.

Epp blieb Physikprofessor am Lyzeum München, der Bildungsstätte für Geistliche. Wenn der Lehrberuf wohl eine seiner Stärken war, hatte er auch eine empfindliche Schwäche. So tat er sich schwer, ein von ihm verlangtes Geräteinventar für die staatliche Güterverwaltung aufzustellen. Er behauptete sogar, es abgegeben zu haben, wo es dann „verschlampt“ worden sei.

Das brachte die staatliche Güterverwaltung in Harnisch, und ihm wurde sogar eine Gehaltsverweigerung angedroht, wenn er der Pflicht nicht nachkäme. Die Akademie hat möglicherweise geholfen, die Wogen zu glätten, doch sah sie sich selbst später gezwungen, ihn zu drängen, ein Inventar der Instrumente der akademischen Sammlung zusammenzustellen.

Nach partieller Sonnenfinsternis eine populärwissenschaftliche Schrift

Diese Schwäche dürfte ihm geschadet haben. Denn während er bei einer ersten Schulreform noch unangefochten seine Stelle behalten konnte, musste er bei einer zweiten Schulreform 1778 die Physik abgeben und ab jetzt Theologie lehren. Epp nahm jedoch die Verpflichtung ernst, als Akademiemitglied möglichst jedes Jahr eine gelehrte Arbeit zum Druck zu geben.

Als 1778 in München eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen war, verfasste Epp eine populärwissenschaftliche Schrift, um anhand einer Grafik zu belegen, dass es sich um einen natürlichen Vorgang und nicht um eine Gottesstrafe für die sündigen Menschen handelte. Hier war er ganz Aufklärer.

Doppelbarometer wurde kein Erfolg

Als 1780 die Akademie vom Kurfürsten aufgefordert wurde, ein meteorologisches Messnetz einzurichten, wurde Epp zum Leiter des Projekts ernannt. Er hielt dazu einen Vortrag und arbeitete eine Instruktion für die Wetterbeobachter aus. Überwiegend Klöster beteiligten sich an dem Messnetz.

Epp sammelte die Daten und stellte deren Ergebnisse in von der Akademie herausgegebenen Jahresberichten zusammen, deren erste acht Bände er selbst redigierte. Er erfand auch ein spezielles Doppelbarometer, das aber keine weite Verbreitung fand und eher zu Sondermessungen als zu Dauerbeobachtungen verwendet wurde.

Es folgt existenzbedrohende Umwälzung

Ein ungewöhnliches Ereignis war 1783 eingetreten: Nebelartiger Höhenrauch verschleierte die Sonne, sodass man zeitweise zur Mittagszeit ohne Blendung in sie hineinsehen konnte. Über die Ursache wurde lange gerätselt, und Epp hielt dazu im Jahr 1787 einen Vortrag, in dem er die in ganz Europa gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasste. Dabei erachtete er den in Island ausgebrochenen Vulkan Laki als wahrscheinliche Ursache, auch wenn sonst niemand sich vorstellen konnte, dass eine Verfrachtung der Asche über so große Entfernungen überhaupt möglich sei.

Im Jahr 1781 hatte Epp mit existenzbedrohenden Umwälzungen zu kämpfen. Kurfürst Karl Theodor gründete den Malteserorden bayerischer Zunge und beanspruchte dafür den bisher für das Schulwesen vorbehaltenen Jesuitenfonds. Jetzt stellten die Prälatenorden das Lehrpersonal, und alle Exjesuiten verloren ihre Stelle und Einkünfte, so auch Epp.

Er bemühte sich in der Folge um die Pfarrstelle der Spitalkirche Heilig Geist, da er den amtierenden kranken Pfarrer bereits unterstützt hatte. Es dauerte aber zwei Jahre, bis er die Stelle bekam, und er konnte sogar erreichen, zum Geistlichen Rat ohne Gehaltsanspruch ernannt zu werden. Da die regulären Einkünfte geringer als in anderen Pfarreien waren, erhielt er dazu ein Benefizium, um standesgemäß leben zu können.

Er stirbt mit nur 56 Jahren nach einem Schlaganfall

Das Priesteramt dürfte ihn sehr ausgefüllt haben. Am ersten Weihnachtstag im Jahr 1789 erlitt er beim Verlassen der Kirche jedoch einen Schlaganfall und starb, erst 56 Jahre alt. Seine anfangs erwähnte Musikbegabung schlug sich in Kompositionen nieder, von denen noch einige wenige als Abschriften und auch Originale erhalten sind. Von einer Litanei ist er als Komponist bekannt, die Noten selbst sind verloren. Bisher wussten nur einige Spezialisten von der Existenz dieser Werke.

Epp scheint eine Naturbegabung besessen zu haben, die seine Eltern wohl bestmöglich gefördert sehen wollten. Da aber Stellen für Hofkomponisten äußerst rar waren, wie man aus den vielen vergeblichen Bewerbungen von Mozart weiß, dürfte sich Epp entschieden haben, die Physik zu seiner Lebensgrundlage zu wählen. Seine Kompositionen sind in der Jugend entstanden und waren eher Gelegenheitsarbeiten.

Aus weit verstreuten Puzzlesteinen konnte das Lebensbild Franz Xaver Epps, dieses so vielseitig begabten Schongauers, zusammengesetzt werden, und vieles ließ sich dabei nur indirekt erschließen. Manche Quellen widersprechen sich sogar.

Weitere Details kann man im „Welf“ nachlesen, wobei hinzuzufügen ist, dass wenigstens fünf Schongauer zu seinen Schülern gehörten. Er war ein Anhänger der Aufklärung und sah seine Aufgabe in der Verbreitung des Wissens.

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