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Nicht mehr Geld von der Stadt. Von links Schriftführerin Kornelia Funke, kommissarischer Leiter Marcus Graf, Vorstand Erwin Krauthauf und Bürgermeister Falk Sluyterman.

Freunde der Musikschule Pfaffenwinkel

Ärger über Nachbargemeinden

Finanznöte und personelle Fragen waren das beherrschende Thema auf der Mitgliederversammlung der „Freunde der Musikschule Pfaffenwinkel“. Elisabeth Malzer wurde zur neuen zweiten Vorsitzenden gewählt.

Schongau „Das ist schade. Wenn ich nicht entlastet worden wäre, hätte ich jetzt gesagt: Auf Wiedersehen!“, meinte Erwin Krauthauf, Vorstand und Schatzmeister der Musikschule Pfaffenwinkel und des Vereins Freunde der Musikschule Pfaffenwinkel. Vier Anwesende hatten sich der Stimme enthalten, als es um die Entlastung des Vorstands ging.

Der Grund war die Entlassung von Musikschulleiterin Kristina Kuzminskaite. „Ich persönlich bedauere es, dass das Arbeitsverhältnis nicht auf bleibender Basis zustande gekommen ist“, betonte Fritz Holzhey. Als neue Leiterin war sie mit viel Vorschusslorbeeren bedacht worden und es herrschte rundum Zufriedenheit. „Die ist nun jäh abgebrochen“, so Holzhey, der aber auch die ungeheure Leistung von Erwin Krauthauf würdigte, die Musikschule mit nur einem Viertel der Kosten zu leiten als vorher die Stadt.

Dem schloss sich auch Bürgermeister Falk Sluyterman an: „Sie führen diese Einrichtung fast besser als die Stadt.“ Eine Absage erteilte er aber dem Wunsch eines Anwesenden, die Musikschule wieder unter städtische Obhut zu nehmen. Das sei finanziell nicht machbar. Immerhin will die Stadt, die sich 2017 mit 144 200 Euro am laufenden Betrieb der Musikschule beteiligte und bis 2022 einen jährlichen Zuschuss von 125 000 Euro zusicherte, im nächsten Jahr die Kosten für die notwendige Fassadenrenovierung übernehmen.

Dass das Musikschulkostenwunder von Schongau eine permanente Gratwanderung ist, gestützt von Zuschüssen und Spenden, unterdurchschnittlicher Bezahlung der 25 überwiegend Teilzeit-Lehrkräfte, einer Familie, die die Reinigung des Hauses übernommen hat und ehrenamtlichen Engagement, stellte Erwin Krauthauf klar. „Zurzeit ist ein Budgetausgleich nur mit Zuschüssen der Freunde der Musikschule und Sponsoren möglich. Deshalb haben wir einen Wachstumstopp beschlossen“, so Erwin Krauthauf.

Als besonders ärgerlich sieht er es an, dass die Nachbargemeinden, aus denen ein großer Teil (45 Prozent) der 700 Musikschüler kommt, sich bei der Kostenbeteiligung bis auf wenige Ausnahmen zurückhalten. Immerhin profitieren örtliche Kapellen von gut ausgebildetem Nachwuchs. Deshalb müssen Schüler aus Gemeinden, die nicht Mitglied im Förderverein sind, einen Aufschlag von 39 Prozent auf die Unterrichtsgebühren zahlen. Auch ein Vorstoß beim VBSM (Verband der Sing- und Musikschulen), um einen höheren Zuschuss als bisher 52 265 Euro zu erreichen, scheiterte.

Den größten Posten bei den Musikschulkosten machen die Personalkosten von 499 528 Euro für die Lehr- und zwei Teilzeit-Bürokräfte aus. Um den bis auf weiteres als kommissarischen Leiter eingesetzten Marcus Graf wegen Verwaltungsaufgaben zu entlasten, wurden ein Trompeten- und ein Fagottlehrer eingestellt.

Angesichts der Finanzlage fiel die Wahl von Elisabeth Malzer, die Dr. Elisabeth Wagner als zweite Vorsitzende ablöst, nicht weiter ins Gewicht. Der Wechsel war von Krauthauf angeregt worden, da sich Elisabeth Malzer sehr engagiert. Marcus Graf wollte zur aktuellen Lage der Musikschule nichts sagen. Dazu sei er zu kurz im Amt. „Es wäre ein Desaster und Fiasko, den Musikunterricht zu verhindern. Für eine glorreiche Zukunft unserer Kinder führt daran kein Weg vorbei“, sagte er. Um die Musikbegeisterung zu verdeutlichen, hatte er das Ensemble Brass&Drum eingeladen, das zur Eröffnung der Versammlung spielte.

Krauthauf, der am liebsten zurücktreten würde, wie er anklingen ließ, ist die Musikschule so wichtig, dass er selbst mit 81 Jahren seinen Posten weitermacht. „Wir wurschteln weiter!“, meinte er mit einer Prise Sarkasmus.

Ursula Fröhlich

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