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So wurde im Mai in Weilheim demonstriert - am Freitag ist es dort wieder soweit.

Warum gibt es hier keine Demos?

„Friday for Future“ auf Schongauerisch

„Alle fürs Klima“ – nur nicht in Schongau? Während am morgigen Freitag wieder weltweit tausende Schüler unter diesem Motto auf die Straßen gehen, bleibt es in der Lechstadt erneut ruhig. Woran liegt’s? Wir begaben uns auf Spurensuche.

Schongau – Morgen ist es wieder soweit. Es ist Freitag. Aber kein gewöhnlicher. Es ist Freitag „for Future“. Egal ob im fernen New York oder im hiesigen Weilheim – auch dieses Mal werden wieder hunderte Demonstranten die Straßen säumen, um, bewaffnet mit bunten Schildern und Bannern für eine bessere Umwelt zu protestieren. Wie Greta Thunberg eben.

Wer nun aber meint, auch in Schongau auf eine solche Menge euphorisierter Schüler zu treffen, schlägt fehl. „Nichts derartiges“ sei geplant, heißt es aus dem Schongauer Rathaus, wo eine solche öffentliche Protestaktion vorab angemeldet werden müsste. Es wird wohl also erneut ruhig auf dem Schongauer Marienplatz bleiben. Woran liegt das?

Für Renate Müller von der Alternativen Liste Schongau lässt sich dafür nicht so leicht eine sinnige Erklärung finden. „Vielleicht müsste man mal bei den jungen Leuten nachhaken“, schlägt die Politikerin vor. Deren Bereitschaft, Demonstrationen wie in Weilheim und Penzberg auf die Beine zu stellen, habe sie in Schongau nicht ausmachen können. „Sehr schade“ sei das laut Müller, denn schließlich „brauchen wir Bürgerbewegungen wie diese, um etwas zu verändern“.

Angst vor Verweisen?

Dass die überschaubare Begeisterung vieler Schongauer Schüler möglicherweise auf die „Verweis-Gefahr“ zurückzuführen ist, sieht Müller durchaus kritisch. Ständig sei nur von Sanktionen für die dem Unterricht ferngebliebenen Protest-Schülern die Rede. Dabei gehe es nach der Ansicht der Politikerin doch viel mehr darum, das brisante Thema Umwelt durch „kreative Lösungen“ in den Schulalltag zu integrieren. Ohne Protestmärsche, ohne Unterrichtsausfall.

Diese Meinung teilen auch die Schulen Schongaus – auf andere Art und Weise versucht man hier, „Fridays for Future“ zu veranstalten.

Wie Armin Eder, Schulleiter der Pfaffenwinkel-Realschule, berichtet, seien es die Schüler selbst, die sich nicht an den Protestaktionen beteiligen möchten. Für ihn sind die weltweiten Protestwellen daher „eher Stadtprobleme“. Nähere man sich München an, treffe man immer häufiger auf Schulen, die aufgrund von „Fridays for Future“ an Freitagen unter massivem Unterrichtsausfall zu leiden haben. Im Schongauer Raum sei man laut Eder da „viel konservativer“ eingestellt. So hielten auch die meisten seiner Schüler das plakative Fordern der Aktivisten „für absoluten Quatsch“.

Lieber vor Ort etwas in Bewegung setzen

Einzelfälle von Schülern, die mit von den Eltern unterzeichneten Entschuldigungen dennoch die Proteste in Weilheim oder Penzberg besuchen, gebe es schon. Der größte Teil der Realschüler aber wolle viel lieber „vor Ort“, auch an den Schulen, etwas in Bewegung setzen.

Und Eder tut dem gleich. So hat der Schulleiter in der jüngeren Vergangenheit Projekte wie „plastikfreie Wochen“ oder eine Grünanlage mitsamt Bienenhotel im Pausenhof seiner Schule initiiert. „Man kann das Ganze eben auch so lösen“, findet er.

Dass nicht nur die Realschule „kreative Lösungen“ parat hat, zeigt sich ein paar Meter weiter. Dort, am Welfen-Gymnasium Schongau, hat man nämlich auch einen Weg gefunden, den „Friday for Future“ auf seine Weise abzuhalten. So erläutert Direktor Bernhard O´Connor, dass mehrere von den Schülern geplante Aktionen zum Thema Umwelt für den Freitagmorgen vorgesehen seien. O´Connor spricht dabei von „einem Idealfall“. Die Schüler hätten selbst Vorschläge eingebracht, um die Hintergründe der Proteste zu thematisieren, ohne dabei den Unterricht zu beeinträchtigen. „Erfreulich“, so geht es nach Schulleiter O´Connor doch um die Botschaft und nicht um einen unterrichtsfreien Freitagvormittag. Was die Gymnasiasten nun aber genau am Freitag vorhaben, lässt O´Connor größteils noch offen. „Sie planen auf jeden Fall eine Überraschung“.

Max Edinger

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