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Menschen statt Autos: Die Bahnhofstraße gehörte gestern Nachmittag nur den Demonstranten, die für den Klimaschutz skandierten.

Fridays for Future

Der Klima-Protest erreicht Schongau

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Die Fridays for Future-Bewegung ist in Schongau angekommen. Trotz des schlechten Wetters wurden heute 260 Teilnehmer gezählt, die über die Bahnhofstraße in die Altstadt zogen. Der Verkehr stand still.

Schongau – Es ist kalt, windig und zunächst auch ziemlich nass. Härter hätten sich die Organisatoren die äußeren Bedingungen für ihre erste Klima-Demo in Schongau nicht ausmalen können. Doch die Demonstranten sind da; 260 an der Zahl: „Damit ich auch in Zukunft friere, wenn ich im Winter demonstriere“, steht auf dem Schild, das ein junger Mann tapfer in die Höhe reckt. Gleich neben einer jungen Frau, die auf ihrem Pappdeckel nicht ganz jugendfrei skandiert: „Fuck me, not the world!“.

Es wird viel mit englischen Worten um sich geworfen bei der ersten Fridays for Future-Demonstration in Schongau. So viel, dass es dem ein oder anderen Einheimische fast ein bisschen zu englisch wird. Schülerin und Mitorganisatorin Natalia Gantner hat ein Einsehen. Mit dem Megafon peitscht sie die Menge am Volksfestplatz ein, diesmal auf deutsch: „Ich sag’ Kohle, ihr sagt Stopp“, ruft sie. Die Jugendlichen und Erwachsenen wiederholen es brav. Auch Mitglieder des Arbeitskreises Fuchstalbahn, der Gemeinwohlökonomie und der Organisation „Scientist for Future“ stimmen kraftvoll mit ein: „Klima, Klima, Schutz, Schutz, Schutz!“, hallt es über den Volksfestplatz.

Um 14.30 Uhr setzt sich der Demonstrations-Zug in Bewegung. Über die Bahnhofstraße, am Münztor vorbei bis zur Spinne führt der Weg. Von dort geht es durchs Maxtor in die Altstadt. Polizei und Technisches Hilfswerk stoppen die Autos. Die Bahnhofstraße gehört in diesen Minuten nur den Demonstranten. Diesmal ist es nicht die Baustelle am Mühlkanal, die für Staus sorgt, sondern der Klimaschutz. Das Mitleid der Demonstranten mit den Wartenden hält sich in Grenzen: „Das ist schon mal was wert“, sagt Renate Müller mit Blick auf den Stau. „In dem hat man Zeit zum Nachdenken“, fügt die in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel aktive Schongauerin hinzu.

1. Klima-Demo in Schongau - die Bilder

An den Straßenrändern und hinter den Fenstern beobachten Passanten und Anwohner mit ungläubigen Blicken den bunten Zug, der sich langsam in Richtung Altstadt bewegt. So etwas gab es in Schongau lange nicht. Und für den Klimaschutz wohl noch nie. „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, ruft die Menge dann auf der Münzstraße kurz vor dem Rathaus. Die Transparente schnellen im Takt in die Höhe und wieder herunter.

Demonstranten fordern Reaktivierung der Fuchstalbahn

Am Marienplatz belassen es die Organisatoren dann nicht mehr bei Parolen. In Ansprachen erläutern die Schüler ausführlich, was ihrer Ansicht nach alles für den Klimaschutz getan werden könnte. „Es kann auch in Schongau nicht einfach weitergehen wie bisher, wir brauchen einen Neustart“, skandiert Sonja Mogk. Eine Mitgliedschaft im Klimabündnis sei denkbar, meint sie, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs dringend notwendig. „Und dazu gehört auf jeden Fall die Reaktivierung der Fuchstalbahn“, so die Schülerin des Welfengymnasiums unter großem Beifall.

Super, „wenn Leute Veganer sind“

Kollegin Natalia Gantner erklärt, dass es super sei, „wenn Leute Veganer sind“. Und sie bittet die Zuhörer zum Verzicht auf Plastik. Seinen Käse könne man doch auch mit der Brotbox kaufen. Und sie fordert, das Autofahren zu reduzieren. „Ich weiß, dass kein Bus nach Birkland fährt, aber man kann sich mit anderen Leuten zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen.“

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Am 29. November startet das nächste Großereignis von „Fridays for Future“.In über 500 Orten allein in Deutschland soll für das Klima gestreikt werden.

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