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Mit selbst gebastelten Schildern protestierten am Marienplatz nicht nur Schongauer Bürger gegen die ungeliebte Strabs.

Demonstration am Marienplatz

Friedlicher Protest gegen ungeliebte Strabs

Ihre Botschaft war eindeutig: Die Bürger Schongaus stehen gemeinsam auf gegen die Strabs und tun dies persönlich kund. Rund 500 Personen hatten sich dazu am Samstag auf dem Marienplatz eingefunden, um friedlich, aber mit Nachdruck zu demonstrieren.

Schongau – Eine solche Demonstration des Bürgerwillens hat die Stadt Schongau lange nicht mehr gesehen. Zuletzt waren die Bauern vor einigen Jahren für einen fairen Milchpreis auf die Straße gegangen. Jetzt aber hatten sich Personen allen Alters, politischer Couleur und Schichten eingefunden, auch solche, die noch nie auf einer Demonstration waren und sich dies auch nicht hätten träumen lassen. Sie protestierten mit Reden, Trillerpfeifen, Plakaten – und Gesang: „Der Pleitegeier wird bald fliegen, er zieht in unsre Häuser ein, nur dass wir einen Haushalt kriegen, nach vorne sauber, weiß und rein“, zur Melodie „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“.

Waren es zu Beginn der Veranstaltung rund 300 Bürger, so wuchs deren Anzahl während der genehmigten Stunde auf knapp über 500 an. Auch aus anderen Teilen des Landkreises waren besorgte Bürger angereist. Manch Teilnehmer nahm sogar die weite Reise aus dem Landkreis Dachau auf sich.

Auch Helga Lang (76) aus Altenstadt hatte sich am Samstag unter die Protestierenden gemischt. Ihre Familie ist aktuell von der Straßenausbaubeitragssatzung betroffen, durch eine Straßensanierung steht für sie jetzt ein fünfstelliger Betrag im Raum. „Wo soll denn das herkommen?“, fragte sie.

Deutliche Worte fanden diejenigen, die zum Mikrofon griffen, Organisatoren wie auch einzelne Bürger. Die „Strabs“ bedrohe Bürgerexistenzen, kleine Betriebe oder Bauernhöfe gleichermaßen. Und nicht zuletzt ältere Menschen, „die ihr Leben lang gearbeitet, ihr Haus über viele Jahre abbezahlt hätten, nun von 1000 Euro – wenn überhaupt – Rente leben“, sagte der Schongauer Max Anderl. „Deren Lebensleistung wird geradezu verhöhnt.“ Schongau sei jetzt „das ,kleine gallische Dorf’, und ich hoffe, dass viele andere folgen“.

Andere Sprecher bezeichneten die „Strabs“ einhellig als „unsozial und ungerecht“, auch von „kalter Enteignung“ war die Rede. „Ich darf nicht entscheiden, wer an meinem Haus vorbeifährt, soll aber die Straße bezahlen“, sagte eine Bürgerin. In großen Städten wie München sei die Strabs abgeschafft worden. Auch Berlin halte die Abgabe für „Abzocke, die wir unseren Bürgern nicht zumuten können“, so Rosmarie Brosig aus Gilching, ehrenamtlich tätig für die Allianz gegen die Strabs, und fügte an, „dieses Ungetüm ist eine Frechheit“.

Organisatoren um Petra Anderl (Mitte) und Susanne Becker (hinten rechts)

Der Protest richtete sich zunächst in Richtung Bürgermeister Falk Sluyterman. Dieser habe aufgrund der 2000 gesammelten Unterschriften Probleme, sagte Peter Haggenmiller, trotzdem müsse er sich nicht gleich an die „Landkreis-Mama“ (Landrätin Jochner-Weiß) wenden. Man lehne Einmischung von denjenigen ab, die „erpresserische Vorgaben zur Strabs gemacht haben“. Wer erwarte, dass die Landrätin ein „Nachlassgebet“ spreche, werde wohl enttäuscht.

Schongau: Bürger protestieren gegen Straßenausbausatzung

Generell erging der Aufruf, bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr nur für jene ein Kreuz zu machen, die gegen die Strabs gestimmt haben. Man plane zudem eine weitere Demonstration vor der Staatskanzlei in München, denn „gemeinsam sind wir stark“, so Brosig. Die große Resonanz in Schongau habe ihr Mut gemacht, weiter gegen die Strabs zu kämpfen.

Von allen Seiten wurde das Engagement der beiden Initiatorinnen Susanne Becker und Petra Anderl gelobt, die sich durchwegs positiv über die Veranstaltung äußerten. Irmgard Schreiber-Buhl von der Alternativen Liste Schongau verwies auf die außerordentliche Bürgerversammlung am 6. November im Jakob-Pfeiffer-Haus und rief die Bürger auf, den Saal zu füllen.

Myrjam C. Trunk

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