Selbst im vergangenen Jahr waren die Obstpressen trotz Corona-Pandemie im Einsatz. Die Aufnahm entstand damals in Hohenpeißenberg.
+
Selbst im vergangenen Jahr waren die Obstpressen trotz Corona-Pandemie im Einsatz. Die Aufnahme entstand damals in Hohenpeißenberg.

Start der Obstpressen-Saison

Frischer Saft aus heimischen Gärten - heuer erwartet man geringe Erträge

Hagel, Sturm und große Wassermassen haben in diesem Jahr den Obstbäumen in der Region heftig zugesetzt. Kein Wunder also, dass die Erwartung bei den Inhabern von Obstpressen für die nun startende Presssaison recht niedrig ist.

Landkreis – In Weilheim nimmt die Obstpresse des Obst- und Gartenvereins an diesem Samstag ihre Arbeit auf. Mit Prognosen über die zu erwartende Erntemenge hält man sich beim Verein aber noch zurück. Anders sieht es bei Richard Socher aus Peiting aus, der mit Blick auf die diesjährige Obstlage ein klares Bild vor Augen hat. Wobei dieses durchgehend trüb erscheint, da er aufgrund der vielen Unwetterlagen in den vergangenen Monaten von einer deutlich schwächeren Ernte als in den Vorjahren ausgeht. „Ich denke, dass fast 90 Prozent der gewöhlichen Ausbeute verhagelt und verfault ist“, so seine Annahme.

Auch Sabine Birk aus Bernbeuren hat für die anstehende Saison eine pessimistischere Erwartungshaltung als in den Jahren zuvor. „Nicht zuletzt der viele Wind hat dem Obst sehr zugesetzt“, schildert die Organisatorin des Obstpressens in der Bernbeurer Auerberghalle. Bei ihr habe bis dato lediglich eine Person für die Pressung angefragt. „Vor Anfang September wird es bei uns nicht losgehen“, so Birk weiter.

Bäume litten unter den Unwettern

Die Steingadener Obstpresse von Roberta Leimbach, die sich über ein Lieferantengebiet vom österreichischen Reutte in Tirol bis Garmisch-Partenkirchen erfreut, geht dieses Jahr ebenfalls nicht von einem übermäßig hohen Ertrag aus. In guten Jahren habe man gut und gern an die 100 000 Liter produzieren können. Zwar kämen auch schwächere Jahre, wie beispielsweise 2017 mit 20 000 Litern, immer wieder vor. Dieses Jahr wäre man allerdings sogar mit weniger als dieser Literzahl sehr zufrieden, sagt Leimbach.

Neben der ohnehin schon schwierigen Obstlage können aber auch andere Gründe das Pressen erschweren. So musste sich die Obstpress-Familie Bauer aus Peißenberg in den vergangenen Tagen mit technischen Problemen herumschlagen. Die betagte Pressmaschine streikte, was aufgrund der Tatsache, dass für das gute Stück keine Ersatzteile mehr produziert werden, sehr problematisch war. Nachdem das Problem allerdings rasch in Eigenregie gelöst werden konnte, steht dem Pressstart am kommenden Montag nun nichts mehr im Wege.

Das Pressen lohnt sich eigentlich erst ab 500 Kilogramm pro Tag

Auch in Hohenpeißenberg rechnet man mit deutlich weniger Früchten als in Vorjahren. „Wenn ich an die überragende Ernte 2018 zurückdenke, gehe ich dieses Jahr davon aus, dass es deutlich weniger Äpfel sein werden“, so Mitorganisatorin Gerlinde Rasch. Eigentlich lohne sich das Pressen erst ab 500 Kilogramm pro Presstag, wodurch man schon Überlegungen angestellt habe, sich heuer mit den Bauers aus Peißenberg zusammenzutun.

Bei der im Penzberger Raum sehr beliebten Obstpresse in Antdorf sind solche Überlegungen nicht notwendig, denn bei der dort pressenden Mosterei Schweyer ging es bereits in der vergangenen Woche wieder los. Anders als andernorts, hat man bei den Schweyers sogar noch die Hoffnung auf eine „zumindest durchschnittliche Saison“, so Inhaber Josef Schweyer.

Gleichwohl ist sich auch der Antdorfer Betrieb mit seiner Vorhersage in keinster Weise sicher und beobachtet mit großer Sorge, „dass die Obstbäume dieses Jahr von der Witterung ganz schön in Mitleidenschaft gezogen wurden.“ Trotz trüber Aussichten freuen sich alle Obstpressanbieter über ihre zahleichen Besucher, die eigenes Obst zum Pressen vorbeibringen und einen aromatischen Saft zurückerhalten. Jeder mit einer eigenen Note. Tobias Merk

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare