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Viele Argumente für die Fuchstalbahn: „Fahren wir los“

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Von: Elke Robert

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Auf Schongau kommen keine großen Kosten zu, machte Andreas Holzhey im Stadtrat deutlich.
Auf Schongau kommen keine großen Kosten zu, machte Andreas Holzhey im Stadtrat deutlich. © Hans-Helmut Herold

Nur gute Argumente für die Wiederbelebung der Fuchstalbahn hatte Verkehrsexperte Andreas Holzhey bei der Vorstellung seines Eckpunktepapiers im Stadtrat. „Die Fuchstalbahn soll als Chance betrachtet werden, nicht als Problem“, so das Fazit seines sachlichen Vortrags. Emotional wurde es in der Diskussion dennoch.

Schongau – Bei einem runden Tisch im Juli war das Eckpunktepapier zur Reaktivierung der Fuchstalbahn bereits unter anderem den Bürgermeisterkollegen der Anliegergemeinden sowie Vertretern der Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg vorgestellt worden. Es sei aber mehr als ein reines Eckpunktepapier, so Bürgermeister Falk Sluyterman. Es beinhalte fast 50 Seiten, die Antworten liefern, um Unsicherheiten zu beseitigen, was bei Wiederbelebung der Fahrtstrecke auf die einzelnen Gemeinden zukomme. Der gebürtige Schongauer Andreas Holzhey, Ingenieur für Verkehrswesen, stellte seine detaillierte Untersuchung nun dem Stadtrat vor.

Konkrete Kosten kann Holzhey keine nennen

Das Eckpunktepapier war mit Spannung erwartet worden. Kosten könne er keine nennen, und man werde auch nicht morgen ausschreiben können, schickte Holzhey voraus. Aber der Schongauer zeigte auf, dass es nur gute Gründe für die Fuchstalbahn gebe. In den vergangenen Jahren habe sich in der Region viel verändert – vor allem bei der Einwohnerentwicklung und der Zahl der Pendler – sowohl der Ein- als auch der Auspendler. Er schätzt, dass zwischen Schongau und Landsberg täglich 18 000 private Pkw unterwegs sind (letzte Zählung 2015: 16 000 Pkw). „Und was ist beim öffentlichen Nahverkehr passiert? Nichts.“ Die Fahrt wochentags mit Bus und Bahn von Schongau nach Augsburg dauert im Schnitt mehr als 2,5 Stunden, an Sonn- und Feiertagen gibt es keinerlei Busverbindungen.

Untersuchung gibt vielerlei Antworten

Vielerlei Antworten liefert die Untersuchung Holzheys. Die Bahntrasse sei in einem sehr guten Zustand – „die vorhandene Trasse kann unverändert für eine Reaktivierung genutzt werden“. Lediglich die Sicherungstechnik in den Bahnhöfen Landsberg und Schongau sei sehr veraltet. Diese müsse aber ganz unabhängig von einer Reaktivierung der Fuchstalbahn ohnehin erneuert werden, weshalb diese Kosten nicht der Reaktivierungsidee angelastet werden könnten. Irrelevant sei auch das Argument, dass mittlerweile alle Bahnhofsgebäude verkauft seien. „Die Bahnhofsgebäude braucht man nicht mehr“, so Holzhey, selbst Inhaber des Schongauer Bahnhofs. Interessanterweise sei der neue Schongauer Bahnsteig mit der Sanierung schon entsprechend für eine Verlängerung der Pfaffenwinkelbahn in Richtung Krankenhaus vorbereitet worden.

Fuchstalbahn nicht isoliert betrachten, sondern in Abstimmung mit der Region

Wichtig sei, die Fuchstalbahn nicht isoliert zu betrachten. „Es geht um die Verknüpfung mit den weitergehenden Strecken – im Idealfall in Abstimmung mit der Pfaffenwinkelbahn und der Lechfeldbahn.“ Dabei empfiehlt Holzhey: „Fahrzeit so schnell wie nötig, nicht so schnell wie möglich.“ Haltestellen könnten in seinen Augen sein: Landsberg Süd, Unterdießen, Asch-Leeder, Denklingen, Kinsau, Hohenfurch/Schwabniederhofen und Schongau Krankenhaus. Wenn der Zug an diesen sieben Standorte hält, könnte die Fahrtzeit bis Landsberg eine halbe Stunde betragen.

Das Eckpunktepapier als Argumentationsgrundlage: Falk Sluyterman hofft auf die gesamte Region.
Das Eckpunktepapier als Argumentationsgrundlage: Falk Sluyterman hofft auf die gesamte Region. © Hans-Helmut Herold

Der größte Kritikpunkt gerade der Anrainergemeinden seien bisher immer die Kosten für die Bahnübergänge gewesen. Holzhey machte deutlich: Die Kommunen müssen sich nach einer Gesetzesänderung nun nicht mehr an den Kosten beteiligen. „Als kommunale Aufgabe bleiben Park&Ride sowie Bike&Ride, was mit einem Regelsatz von 50 Prozent gefördert wird – ansonsten sehe ich keine großen Kosten auf die Stadt Schongau zukommen.“

Peiting und Altenstadt mit ins Boot nehmen

Holzhey plädierte dafür, dringend Peiting und Altenstadt mit ins Boot zu holen. „Es soll nicht jede Kommune für sich sehen, welche Vorteile man hat, sondern das gesamte Mittelzentrum.“ Der Verkehrsexperte sieht Möglichkeiten, die Region mit der Fuchstalbahn weiter touristisch zu erschließen. Alle sollten die Fuchstalbahn als Zukunftschance betrachten, nicht als Problem, damit jetzt keine falschen Beschlüsse z.B. beim Flächennutzungsplan gefasst würden – mit Sorge sehe er auf die Gemeinden im Norden Schongaus.

Holzhey macht sich mit seinem Eckpunktepapier verdient

Friedrich Zeller (SPD) kündigte an, dass Holzhey die Verdienstmedaille bekommen müsse, wenn die Fuchstalbahn fährt. „Unglaublich, wie Sie sich einsetzen.“ Sluyterman schloss die Mitglieder des Aktionskreises in diesen Dank mit ein. Auch der Bürgermeister betonte, dass das Ammer-Lech-Land an einem Strang ziehen müsse und bedauerte, dass sich Peiting mit Peter Ostenrieder vom runden Tisch verabschiedet habe. „Das Mittelzentrum muss mit einer Stimme sprechen“, forderte Winfried Schaur (UWV). Gregor Schuppe (ALS) warb dafür zuzugreifen, alles werde am Silbertablett serviert. Zeller: „Der Weg ist bereitet, fahren wir los, ich weiß nicht, worauf der Freistaat wartet.“

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