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Ein Reh im Schnee: was findet es zu fressen?

Jagdbehörde lässt Ausnahmen zu

Fütterungs-Verbot: Jäger laufen Sturm

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Weilheim-Schongau – Das Verbot der Rehwild-Fütterung im Landkreis Weilheim-Schongau hat bei Jägern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Untere Jagdbehörde am Landratsamt bleibt trotz Protesten dabei, dass es derzeit keine generelle Notzeit für Rehwild gibt – lässt aber Ausnahmen zu.

Seit Wochen Dauerforst, zum Teil ein halber Meter Schnee auf gefrorenem Boden – da hat der Artikel in der Wochenend-Ausgabe zum Fütterungs-Verbot bei den verärgerten Jägern eingeschlagen wie ein Fuchs im Hühnerstall. „Unsinn und Förderung des Wildverbisses“, „zeugt nicht von Sachkenntnis“ und „kann so nicht hingenommen werden“ lauten Äußerungen in mehreren Leserbriefen , die die Heimatzeitung erreichten und auch von Tierschützern kommen.

Vor zwei Jahren Richtlinie erlassen

Das Thema ist seit Jahren emotional aufgeladen. Bis auf die Höhe des Abschusses gibt es keine andere Frage mit so viel Konfliktpotenzial. Vor zwei Jahren schien das Thema vom Tisch, nachdem sich die Untere Jagdbehörde mit den beiden Jagdverbänden sowie den Grundstücksbesitzern auf eine Richtlinie geeinigt hatte. Demzufolge wurde klar geregelt, dass eine Fütterung außerhalb der Notzeit missbräuchlich sei und außerdem kein Kraftfutter ausgelegt werden darf, sondern nur beispielsweise Grassilage, Heu oder Grummet.

Seitdem sind die Beschwerden zurückgegangen, was aber auch daran liegen dürfte, dass die vergangenen beiden Winter den Namen nicht verdient hatten. Jetzt, mit dem kältesten Januar seit Jahren, würden viele Jäger gerne füttern, dürfen aber offiziell nicht, wie sich der Peitinger Revierjäger Heinz Rätsch beschwerte.

Walter Heußler, Jäger aus Penzberg, Vize-Vorsitzender des Bunds Bayerischer Jagdaufseher und auch im Jagdbeirat des Landkreises, hält es grundsätzlich für problematisch, wenn Landkreise pauschal für ihre Gebiete eine Notzeit ausrufen oder ein Fütterungsverbot aussprechen. Seiner Ansicht nach sollte das eine Entscheidung des jeweiligen Jägers sein. „Wann und in welchen Revieren eine Notzeit für das Wild gegeben ist, muss eine sachkundige Einzelfallentscheidung der zuständigen Revierinhaber vor Ort bleiben“, sagte Heußler am Montag.

Eigentlich sei das heimische Wild relativ gut an die winterlichen Verhältnisse angepasst. Es habe eigene Strategien. Wildtiere würden ihre Körpertemperatur senken, lassen sich einschneien, beschränken ihre Bewegungen auf das Nötigste und zehren von ihren Fett- und Energiereserven, zählt Heußler auf. Genauso hatte Helmut Stork, Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt, argumentiert, als er Rätsch die Fütterung untersagte.

Manche Jäger füttern trotz Strafandrohung

Heußler betont allerdings, dass Menschen die Rehe in Not bringen – wegen des Wintersporttourismus kämen die Tiere nicht mehr zur Ruhe. Auf solche Fälle hat Stork gestern aufgrund der vielen Proteste reagiert und nach Rücksprache mit dem Jagdbeirat des Landkreises festgelegt, dass es in einzelnen Revieren aufgrund von massiven Störungen des Wildes „z. B. durch Erholungssuchende, freilaufende Hunde oder Wintersporttourismus“ zu einer Notsituation kommen könne, die mit verstärkter Nahrungsaufnahme und auch bei angepassten Wildbeständen mit Verbiss an Forstpflanzen einhergehe. „Somit besteht in diesen Fällen gegen eine Ausbringung von artgerechter Fütterung keine Bedenken“, teilte Stork mit. Die Fütterung diene der Vermeidung von Verbissschäden.

Trotzdem besteht er darauf, dass es in der momentanen Situation keine generelle Notzeit für Rehwild im Landkreis gebe. „Wenn ich eine Notzeit ausrufe, müssen alle Jäger füttern“, begründet Stork – auch die, die eigentlich nicht wollen. Deshalb glaubt er, mit den Ausnahmen in „begründeten Einzelfällen“ der Situation angemessen zu begegnen.

Doch viele Jäger haben bereits selbst Fakten geschaffen. „Natürlich füttern wir Grummet und Grassilage, egal was das Landratsamt sagt“, betont ein Waidmann, der seinen Namen verständlicherweise nicht nennen will. Bei der momentanen Lage komme man gar nicht daran vorbei, ohne einen massiven Verbiss junger Bäume hinnehmen zu müssen. „Ansonsten ist im Sommer das Geschrei beim Landratsamt wieder groß“, schimpft er.

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