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Babys über Babys: 441 Kinder kamen bis gestern im Schongauer Krankenhaus auf die Welt. An einem Tag lagen 15 auf der wegen der Schließung in Weilheim erweiterten Station.

Nach Trennung von Chefärztin Dr. Solveig Groß

Geburtshilfe: Konzentration auf Schongau

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Die Krankenhaus GmbH setzt bei der Geburtshilfe vorerst nur noch auf den Standort Schongau – notgedrungen: Denn nach der Trennung von Chefärztin Dr. Solveig Groß wird die Geburtshilfe Weilheim auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. „Die volle Konzentration liegt jetzt auf Schongau“, sagte Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Lippmann.

Schongau – Mit betretenen Gesichtern traten Lippmann und Landrätin Andrea Jochner-Weiß am heutigen Donnerstag vor die Presse. Leider „keine guten Nachrichten“ müsse man verkünden, sagte Lippmann, und Jochner-Weiß gab zu, dieser Moment „gehört nicht zu den schönsten meines Lebens“. Der Grund: Die Geburtshilfe Weilheim bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen (siehe unten). Damit ist auch der Plan hinfällig, die Schongauer Geburtshilfe in die bestehende Weilheimer Hauptabteilung einzubinden – die existiert nach dem Groß-Weggang nicht mehr.

Um im Landkreis überhaupt noch eine Geburtsmöglichkeit anbieten zu können, werden nun alle Ressourcen auf den Standort Schongau konzentriert. „Im Laufe des nächsten Jahres soll dort eine Hauptabteilung entstehen“, sagte Lippmann. Denn die Zeit spielt nicht für Schongau: Dort wird noch nach dem Belegarzt-Modell gearbeitet, das wunderbar funktioniert. Allerdings hat Dr. Gerhard Schmidberger bereits vor Jahren angekündigt, sich zurückziehen zu wollen, und allein könnten die verbleibenden Ärzte Jürgen Karbach und Marlene Schweyer den Rund-um-die Uhr-Dienst nicht aufrechterhalten. Deshalb hofft Lippmann, dass das bestehende System mit den drei Belegärzten noch so lange weiterläuft, bis die Hauptabteilung in Schongau gegründet ist.

Das Problem: Um den Posten reißt sich niemand. „Es gibt hunderte Stellenangebote im Internet“, weiß Lippmann. Deshalb werde mit den bisherigen Ober- und Assistezärzten aus Weilheim sprechen, ob jemand nach Schongau wechseln will und sich auch vorstellen kann, den Chefarzt-Posten der Geburtshilfe zu übernehmen. Auch die Schongauer Belegärzte werden gefragt, sagte Lippmann. Ebenso werden die acht Beleghebammen eingebunden, „ohne die geht es nicht“. Schließlich müssten sie mit dem künftigen Chefarzt zurechtkommen.

Die Schongauer Geburtshilfe habe den Zuwachs, der durch die Schließung in Weilheim entstanden ist, laut Lippmann „sicher bewältigt“. Er gab aber zu, dass die Belastung groß ist. Wobei nur ein Drittel des Zuwachses von Müttern stammen, die sonst in der Kreisstadt entbunden hätten. Dank des guten Rufs der Schongauer Geburtshilfe kommen immer mehr werdende Eltern aus dem Landsberger und Allgäuer Raum.

Bisher gab es dieses Jahr bereits 441 Geburten in Schongau, weit mehr als im kompletten vergangenen Jahr. Zum Vergleich: In Weilheim waren es bis Anfang Oktober 190, rund 100 weniger als in den jahren zuvor. Zuletzt seien 15 Babys gleichzeitig auf der Schongauer Geburtsstation gelegen, das habe es noch nie gegeben, sagte Lippmann.

Trennung wegen „unterschiedlicher strategisch-medizinischer Ausrichtung“

„Sicherheit und Qualität für Mütter und Kinder müssen oberste Priorität haben“, sagte Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH – doch das wäre nicht gewährleistet gewesen, hätte die Geburtshilfe in Weilheim wie vorgesehen zum 1. Januar 2018 nach dreimonatiger Schließung wieder geöffnet. Denn die Krankenhaus GmbH und die Chefärztin der Hauptabteilung Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Solveig Groß, haben ihre Zusammenarbeit nach gut einem Jahr zum Jahresende beendet. 

Die Trennung geschehe wegen „unterschiedlicher strategisch-medizinischer Ausrichtung“, so Lippmann. Laut Ärztlichem Direktor Dr. Andreas Knez hat in den letzten Monaten die Akzeptanz für das Weilheimer Modell der Geburtshilfe gefehlt, das durch die Person der Chefärztin vertreten wurde. Die Frauenärzte hätten immer weniger Frauen zum Entbinden nach Weilheim geschickt. Mehrere Versuche, durch Gespräche etwas an der Situation zu ändern, seien gescheitert, so Knez. Zudem sei es zum 1. Januar nicht möglich gewesen, ein „stabiles, eingespieltes Hebammenteam“ auf die Beine zu stellen. 

Auch mit den Hebammen, die zum 1. Januar in Weilheim anfangen wollten, werde nach einer Lösung gesucht, einige sind schon wieder abgesprungen. Alles, was von der Hauptabteilung in Weilheim vorerst bleibt, ist eine Gynäkologie im Belegarztsystem. Alles, was darüber hinausgeht, spielt sich im Schongauer Krankenhaus ab – Geburten ebenso wie die Behandlung gynäkologischer Notfälle. 

Landrätin Andrea Jochner-Weiß sagte, dass sie alles daran setzen werde, dass es in Weilheim wieder eine Geburtshilfe gibt. Auch die Kreisgremien stünden voll dahinter. Die „vorübergehende Schließung der Weilheimer Geburtshilfe“ habe keine finanziellen Gründe. Der Landkreis lasse sich die Geburtshilfe auch künftig was kosten.

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