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Ausgewählte Münzen aus dem Schatz sind im Glaskasten im Schongauer Stadtmuseum zu sehen.

Glaskasten im Stadtmuseum Schongau

Münzschatz im Schongauer Stadtmuseum

Der Internationale Museumstag stand, zumindest in Schongau, im Zeichen eines verschollenen Münzschatzes: Am vergangenen Sonntag hat das Stadtmuseum Schongau mit Franz Grundner den um 1350 verborgenen und 1923 wieder entdeckten Münzschatz mit 503 zarten Silbermünzen erstmals den Besuchern präsentiert.

Schongau – Im Sommer des Jahres 1923 sind im Stadl des ehemaligen Schongauer Schlosses Notwohnungen eingebaut worden. Beim Ausheben des Kellers stießen Arbeiter auf ein Tongefäß. Inhalt: ein Münzschatz mit 2000 bis 3000 geprägen Münzen. Die Arbeiter fackelten nicht lange, teilten den Schatz untereinander auf.

Damit ging dieser Schatz in Privatbesitz über und galt seither als verschollen. Erst im Jahr 2014 tauchte ein Teil des Münzschatzes mit 503 Exemplaren wieder auf und konnte aus dem Nachlass Steidele (das war das Bauunternehmen, das 1923 die Bauarbeiten durchgeführt hatte) erworben werden.

Mit 495 Exemplaren setzt sich die Münzmenge größtenteils aus dem Schwäbisch Haller Pfennig des 13. Und 14. Jahrhunderts zusammen, der wegen seines Münzbildes als Händlein-Heller bekannt geworden ist.

„Neben diesen Händleins finden sich auch zahlreiche Exemplare, für die sich kein gesicherter Präge- Ort angeben lässt“, erklärt Franz Grundner bei Eröffnung der Ausstellung. Anders liege der Fall bei den acht Geprägen des Fundrests, die nicht zu dieser Gruppe zählen. Dabei handelt es sich um einen Augsburger Hohlpfennig Bischofs Wolfhards (1288-1302) sowie um fünf Frankfurter Heller mit Krone und Wiederkreuz ab 1340 und zwei Heller aus Speyer mit großem „S“ auf der Vorder- und einer Domansicht auf der Rückseite.

Kennt den Münzschatz ganz genau: Franz Grundner vom Schongauer Stadtmuseum.

Die Datierung der Speyerer Heller und das Fehlen mit Buchstaben gekennzeichneter Händlein-Heller in der Münzmenge weisen auf eine ungefähre Verbergungszeit um 1350 hin. Franz Grundner folgert daraus, dass der Vergrabungsgrund mit der Ausbreitung der Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts und den damit einhergehenden Pogromen in Zusammenhang gebracht werden könnte.

Dahinter verberge sich die Hypothese, dass Pest und Pogrome zu einer Häufung von plötzlichen Todesfällen, Flucht, Vertreibung und Enteignung geführt haben. Gestützt wird diese These durch einen weiteren Münzschatz „Schongau II“ , der 1979 in der Münzstraße vor dem Anwesen Feiler gefunden worden ist – und dessen Verbergungszeit ebenfalls um 1350 datiert ist. Beide Fundorte, der Stadl des Schlosses und das Feiler-Anwesen, liegen lediglich gute 100 Meter auseinander.

Der Glaskasten Münzschatz „Schongau I“ wird noch bis zum 25. Juni im Schongauer Stadtmuseum ausgestellt.

Walter Kindlmann

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