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Ist bald Vergangenheit: Das markante Haindl-Haus an der Peitinger Straße soll in zwei Wochen ebenso abgerissen werden wie der grüne Block links daneben. Beide Häuser stehen seit längerem leer.

Entkernung läuft bereits

Haindl-Häuser: Abriss beginnt

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Seit Februar ist klar, dass die Haindl-Häuser an der Peitinger Straße in Schongau nicht denkmalschutzwürdig sind. Jetzt macht UPM Nägel mit Köpfen: Bereits gestern startete die Entkernung von zwei Häusern, in zwei Wochen sollen sie abgerissen werden.

Schongau – In die zum Teil heiße Debatte, ob die ab 1913 erbauten Haindl-Häuser unter Denkmalschutz gestellt werden sollen, hatte sich UPM-Werkleiter Wolfgang Ohnesorg bewusst herausgehalten. Doch im Hintergrund hatte er die Entscheidung, auf die das Unternehmen keinen Einfluss hatte, natürlich aufmerksam verfolgt. Als im Februar die SN das Votum „kein Denkmalschutz“ vermeldeten, war die Erleichterung groß. Nachdem die schriftliche Bestätigung des Landesamtes vorlag, wollte der finnische Papierhersteller, der Haindl im Jahr 2001 übernommen hatte, keine Zeit mehr verlieren: Ohnesorg suchte das Gespräch mit Stadt und Staatlichem Bauamt, wie es an der Peitinger Straße weitergeht.

Denn alle Parteien haben in dem Bereich große Pläne. Das Staatliche Bauamt, das für den Straßenunterhalt zuständig ist, wird dieses und nächstes Jahr die Kanalbrücke am Ortseingang neu bauen, in der Folge soll die gesamte Straße erneuert werden. Auch die komplizierte Einfahrt zur Papierfabrik steht oben auf der Agenda, ebenso wie bei der Stadt. Die hat sich zudem fest vorgenommen, die Situation für Radler zu verbessern.

Doch bisher wurde nur ins Blaue geplant, weil für alle Lösungen zusätzlicher Platz benötigt wird. Den gibt es nur, wenn zumindest das erste und markanteste Haindl-Haus nahe der Fabrik-Einfahrt abgerissen wird. Nach der Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege wagt sich UPM nun aus der Deckung: „Wir nehmen die Überlegungen des Staatlichen Bauamts und ein bestehendes Verkehrsgutachten der Stadt zum Anlass, eine für alle Seiten optimale Alternative zu erarbeiten“, sagt Ohnesorg.

Ohnesorgs Vorschlag: Die beiden ersten Häuser, das Villa-ähnliche Gebäude und der grün gestrichene Block, werden abgerissen. Beide Häuser stehen seit langem komplett leer und sind aufgrund von Sicherungsmaßnahmen mit einem Bauzaun gesichert. „Speziell bei starkem Wind ist die Gefahr herabfallender Dachplatten gegeben“, so Ohnesorg. Um die Sicherheit von Anwohnern und Fußgängern zu gewährleisten, habe sich UPM entschlossen, beide Häuser abzureißen.

Der Werkleiter weiß, dass er damit bei vielen, die die markante Ortseinfahrt und auch die Häuser selbst für eine Besonderheit halten, einen Aufschrei provozieren wird. „Aber wir müssen das Geld, das uns für Investitionen zur Verfügung steht, sinnvoll ausgeben und können damit keine leerstehenden Gebäude sanieren“, wirbt er um Verständnis. Zumal UPM auch eine gute Nachricht für die Stadt hat (siehe Kasten).

Mit der Entscheidung, zwei Häuser abzureißen, kann im Staatlichen Bauamt nun völlig anders geplant werden. „Wir haben bereits ein Ingenieurbüro beauftragt“, sagt Andreas Lenker vom Bauamt. Man werde versuchen, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Ziel sei es, im nächsten Jahr, wenn die Kanalbrücke neu gebaut wird, den Bereich bereits so herzustellen, wie er künftig ausschauen soll. „Wie schnell das dann umgesetzt werden kann, hängt sicher auch von den finanziellen Mitteln ab, die uns zur Verfügung stehen“, so Lenker.

Die bisherige Planung sieht als Möglichkeiten einen Kreisverkehr oder eine separate Abbiegespur mit Ampel vor. Derzeit schaut alles nach einer Ampellösung aus, weil sie auch für Radler und Fußgänger sicherer ist. UPM will die künftige Einfahrt so weit wie möglich Richtung Osten schieben, um bei der Zufahrt möglicherweise eine neue digitale Waage einzurichten statt der zwei, die es bisher im Werk verteilt gibt. „Wir haben natürlich Interessen, wie wir unsere Logistik verbessern können, aber das ist noch alles offen“, so Ohnesorg. Am Abriss der beiden Häuser ist aber nicht zu rütteln, der ist die Basis für alle weiteren Planungen. „Seit gestern werden die beiden Häuser entkernt, in rund zwei Wochen beginnt der Abriss“, sagte Ohnesorg.

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