Die freiberuflichen Hebammen am Schongauer Krankenhaus bekommen finanzielle Unterstützung.
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Die freiberuflichen Hebammen am Schongauer Krankenhaus bekommen finanzielle Unterstützung.

Schongauer Geburtenstation soll am 1. Dezember wieder öffnen

Hebammen werden finanziell unterstützt

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Dem Landkreis und der Krankenhaus GmbH ist die Geburtshilfe in Schongau lieb und teuer. Ab dem 1. Dezember sollen werdende Mütter wieder unter größtmöglichen Schutz in der Lechstadt ihre Kinder zur Welt bringen. Den Hebammen kommen die Verantwortlichen bis dahin weit entgegen – aus gutem Grund.

Schongau – Die Ungewissheit werdender Mütter im Landreis, wo sie ihr Kind zur Welt bringen, soll möglichst bald ein Ende haben. Bekanntlich musste die Geburtshilfe im Schongauer Krankenhaus nach dem Corona-Ausbruch in der Klinik im Oktober geschlossen werden. Die Hochschwangeren werden seitdem gebeten, zur Geburt in das Kooperationskrankenhaus nach Garmisch zu fahren. Viele entbinden aber auch in Starnberg, Landsberg oder Kaufbeuren.

„Es kann Wochen dauern, es kann durchaus auch Monate dauern, bis wir die Geburtenstation in Schongau wieder öffnen können“, bedauerte Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Ende Oktober im Kreistag.

Hebammen könnten abgeworben werden

Neben der großen Verunsicherung der Mütter brachte Kreisrat Hans Schütz (Grüne/Peiting) im Kreistag noch ein weiteres großes Problem aufs Tableau, dem sich am vergangenen Freitag auch der Aufsichtsrat der GmbH durchaus bewusst war. Schütz hatte darauf hingewiesen, wie gefragt Hebammen seien. Und er sah die Gefahr, „dass wir, wenn wir die Geburtenstation in Schongau wieder öffnen könnten, diese nicht öffnen können, weil unsere Hebammen abgeworben wurden“.

Die Geburtenstation am Schongauer Krankenhaus soll zum 1. Dezember wieder geöffnet werden.

Die Gefahr ist jetzt gebannt: „Wir unterstützen die Hebammen finanziell“, erklärte Landrätin Andrea Jochner-Weiß nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag. Die Entschädigung werde rückwirkend und unbürokratisch erfolgen, ergänzte Lippmann. Die Hilfen richten sich nach den Zahlen der Geburten des Vorjahres. Ihr Honorar für die ausgefallenen Entbindungen bekommen die Hebammen erstattet.

In Absprache mit LGL und Gesundheitsamt

Die Mütter und ihre Babys sollen in der Klinik nach der geplanten Wiedereröffnung am 1. Dezember ganz besonderen Schutz erhalten. Wie berichtet, wird derzeit noch in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und dem Gesundheitsamt in Weilheim an einem extra Hygienekonzept für die Pandemiezeit gearbeitet.

Die Federführung haben darin die Ärzte, Hygieniker und die Hebammen. „Durch die dann zu erfolgende fachliche Empfehlung des LGL und der Aufhebung des Aufnahmestopps wird der Start für die Schongauer Geburtshilfe möglich sein“, blickt Lippmann voraus.

„Normale“ Patienten kommen nach Weilheim

Das Schongauer Krankenhaus wird nach Angaben des Geschäftsführers in zwei streng voneinander getrennte Bereiche geteilt. In „Schongau 1“ sollen zunächst auch weiterhin ausschließlich Covid-19-Patienten aufgenommen werden. „Schongau 2“ wird der Geburtshilfe vorbehalten bleiben. Jede Frau erhält ein Einzelzimmer. „Und auch ein eigenes OP-Team soll für die werdenden Mamas bereitstehen“, erläutert Lippmann. Für beide Bereiche des Krankenhauses werden getrennte Zugänge eingerichtet. Und natürlich werde es keinen Austausch des Personals zwischen den beiden Abteilungen geben.

Zurzeit gilt für das Schongauer Krankenhaus noch ein Aufnahmestopp für Patienten, die nicht an Corona erkrankt sind. Sie kommen nach Weilheim. Ziel müsse es aber sein, auch in Schongau „so schnell wie möglich wieder in den normalen Krankenhaus-Betrieb zu kommen“, meint der Geschäftsführer. Dass die Klinik in Weilheim die Fälle aus Schongau alle übernehmen und an sieben Tagen rund um die Uhr im Regelbetrieb arbeiten kann, ist laut Lippmann auch der Pflegeoffensive zu verdanken, die die GmbH in den vergangenen 18 Monaten gefahren sei.

Schritt für Schritt auch andere Abteilungen

Ziel sei es, in Schongau nach der Geburtshilfe Schritt für Schritt auch die weiteren Abteilungen wieder für neue Patienten öffnen zu können. Als nächstes „können wir uns die Innere Medizin gut vorstellen“, sagt Lippmann.

Zunächst gilt in Schongau neben der Bewältigung der Corona-Pandemie aber die volle Konzentration der Geburtshilfe, ihren Ärzten, Pflegekräften und den Hebammen: Das Team müsse gehalten und unter allen Umständen verhindert werden, „dass es auseinanderbricht“, sind sich Jochner-Weiß und Lippmann einig. „Wir sind dankbar, dass der Aufsichtsrat so vorbehaltlos unserer Idee gefolgt ist“, sagt die Landrätin zu dem Schulterschluss mit den Hebammen. Mit ihren 600 Entbindungen pro Jahr spiele die Geburtshilfe in Schongau „eine ganz wichtige Rolle“, fügt Jochner-Weiß hinzu. Die Landrätin ist sich der hohen Erwartungshaltung im Landkreis bewusst: „Die Mütter sollen in einer Umgebung sein, wo sie sich sicher fühlen und uns vertrauen können“, so Jochner-Weiß am vergangenen Freitag.

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