Im Innenhof des Heiliggeist-Spitals erklärte Stadtführerin Renate Zöpf (links) den Teilnehmern der neuen Stadtführung unter anderem den Hintergrund der 63 Rosenstöcke, die dort gepflanzt wurden.
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Im Innenhof des Heiliggeist-Spitals erklärte Stadtführerin Renate Zöpf (links) den Teilnehmern der neuen Stadtführung unter anderem den Hintergrund der 63 Rosenstöcke, die dort gepflanzt wurden.

Neue Stadtführung in Schongau

„Henker – Heiler – Hexen“

Mit dem spannenden Titel „Henker – Heiler – Hexen“ wird derzeit eine neue Erlebnisführung in Schongau angeboten. Die Stadtführerinnen Kornelia Funke, Renate Zöpf, Susanne Siegl und Giesela Sporer stellen zusammen mit Kräuterfrau Ursula eine interessante Tour durch Schongau zusammen, die sich von der ursprünglichen Stadtführung unterscheidet.

Schongau – Die Schongauer Stadtführerinnen beziehen sich bei der neuen Stadtführung speziell auf den berühmten Henker von Schongau, auf die Heilkunst einer Anzahl von Frauen im 16. Jahrhundert, die dann als „die Hexen von Schongau“ hingerichtet wurden – und auf die Kräuterheilkunde allgemein im Mittelalter. Die Führung passt perfekt zu Schongau und seiner Geschichte.

Bekannt geworden ist der Henker von Schongau vor allem durch die mehrbändige Sage über „Die Henkerstochter“ des Schongauer Autors Oliver Pötzsch, der ein Nachfolger des Scharfrichters ist. Und so fließt in diese kurzweilige eineinhalbstündige Führung natürlich auch die Geschichte des Henkers mit ein.

Henker mussten auch den Müll aufsammeln

„So viele Hinrichtungen im Jahr gab es gar nicht, dass er davon leben konnte“, erklärte Renate Zöpf den 25 Besuchern bei der Premiere der neuen Stadtführung. Sie beschrieb die vielen weiteren Aufgaben des Henkers, der wegen seines anrüchigen, ehrlosen Berufs außerhalb der Stadt wohnen musste.

Kräuterfrau Ursula Engelwurz hat im Kasselturm ihre „historische Apotheke“. 

Der Henker hatte demnach zum Beispiel die Aufgabe, den Müll in der Stadt zu beseitigen, tote Tiere zu entsorgen und auch Selbstmörder zu verbrennen, da diese nicht in geheiligtem Boden begraben werden durften. Aber er kannte sich auch hervorragend in der Heilkunde aus. Denn ein geschwächter Gefangener musste paradoxerweise, bevor er hingerichtet wurde, zunächst gesund gepflegt werden.

Zum Henker gingen die Bürger gerne, aber heimlich, um sich Arzneien und diverse Heilmittel zu besorgen. Auch den heilkundigen Frauen, die man aufsuchte, als im Jahr 1589 eine kleine Eiszeit im Land herrschte, das Vieh starb und die Ernte verdorrte, vertraute das Volk zunächst, bis man diesen 63 „Hexen“ die Schuld an dem ganzen Desasters gab und sie nach dem berühmten Schongauer Hexenprozess hinrichtete.

Vom Klostergarten in den Kasselturm

Im Heiliggeist-Spital-Klostergarten wies Stadtführerin Zöpf auf die 63 Rosenstöcke hin, die, mit Namensschildern versehen, als Denkmal für die unschuldigen Frauen gepflanzt wurden. Dort wartete auch Ursula Engelwurz auf die Führungs-Teilnehmer, die eigentlich gar nicht Engelwurz heißt.

Sie ist Wildkräuterführerin und brachte einen großen Kräuterbuschen mit, den sie zum Fest Mariae Himmelfahrt gebunden hatte.

„Nein, ich sammel meine Kräuter nicht zu einer bestimmten Zeit oder bei Vollmond“, beantwortete sie die Frage einer Besucherin. Engelwurz geht hinaus in die Natur nach Gefühl, dann ist es für sie die richtige Zeit. Rupft sie eine Pflanze aus, legt sie als Dank ein Haar von sich in die Erde.

„Historische Apotheke“

Derzeit stellt ihr die Stadt Schongau den Kasselturm zur Verfügung. Und der war dann auch ein Ziel dieser Führung. Der markante Turm an der südöstlichen Ecke der Stadtmauer erhielt seinen Namen, als er im 19. Jahrhundert in den Besitz des Kasselbräu kam. Dort hat Kräuterfrau Ursula, eine gebürtige Schongauerin, auf den drei kleinen Ebenen des Turms ihre Kräuterstube aufgebaut. Gesammelte Wildkräuter hängen an der Decke, Tinkturen, Öle und Salben stehen auf Tischen.

Ursula erklärt dazu Wissenswertes über das Räuchern von Kräutern. Eine Ansammlung alter Bücher über Kräuterkunde findet man, und in einer Vitrine liegen eine Alraune und ein altes Pendel ihres Großvaters. „Das Ganze ist meine historische Apotheke“, sagte sie stolz.

Weitere Führungen gibt es am kommenden Samstag, 29. August, Freitag, 11. September und Samstag, 19. September, jeweils um 17 Uhr. Anmeldungen nimmt die Tourist Information Schongau unter Tel. 08861/214-181 und touristinfo@schongau.de entgegen.

Regina Wahl-Geiger

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