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Nahmen an der Mieterqualifizierung in Schongau teil (von links): Sharif Abdikarim, Malang Shah Behbode, Yazdan Shirzad, Tafesu Kanko, Salaad Hassan und Said Muhammed Hashi präsentieren Vorder- und Rückseite der Wohlfühlkarte im Original und als vergrößerte Kopie sowie das Arbeitsheft des Neusässer Konzepts „Fit für die eigene Wohnung“, mit dem sie sich die Grundlagen für ein erfolgreiches Mietverhältnis erarbeitet haben.

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Mieterführerschein für Flüchtlinge

Wieso ist es in Deutschland so wichtig, den Müll zu trennen? Worauf muss man beim Abschließen eines Mietvertrages achten? Diese und andere Fragen wurden im Rahmen des „Mieterführerscheins für Geflüchtete“, den Asylhelfer und Ausländerbehörde anbieten, behandelt. An fünf Abenden wurden in Schongau Themen rund ums Mieten und Wohnen besprochen.

Schongau Wohnungen im Landkreis sind rar gesät und erfreuen sich deshalb großer Nachfrage – auch bei Geflüchteten. Es gibt aber auch Wohnungen, die über Jahre hinweg leer stehen. Offensichtlich fürchten die Vermieter, dass die Wohnungen nicht pfleglich behandelt werden und vermieten daher lieber gar nicht. Wenn jemand als Flüchtling anerkannt wurde, dann wird er in den Gemeinschaftsunterkünften nur noch geduldet. Ab diesem Zeitpunkt ist es vorgesehen, dass er sich auf dem freien Wohnungsmarkt zurechtfindet.

Das ist jedoch nicht so leicht: Geflüchtete werden als zukünftige Mieter oft außen vorgelassen, wissen die Asylhelfer von „Asyl im Oberland“. Viele Vermieter befürchten Verständigungsprobleme und fehlendes Wissen über den Umgang mit einer Wohnung in Deutschland. Tatsächlich fehlt es oft auch am Grundlagenwissen, denn im Ausland gelten andere Bedingungen als in Deutschland: „In vielen Ländern der Erde, wie zum Beispiel in Syrien, gibt es gar keinen Schimmel, weil die Luftfeuchtigkeit dort so niedrig ist“, erklärt Jost Herrmann vom Asylhelferkreis. Kein Wunder also, dass neu Ankommende sich erst einmal mit solchen Gegebenheiten vertraut machen müssen und Vermieter die Sicherheit brauchen, dass die Mieter um den richtigen Umgang mit ihrer Wohnung Bescheid wissen.

In Zusammenarbeit der Ehrenamtskoordination Asyl und dem Ausländeramt des Landkreises entstand daher die Idee, durch eine Schulung für Geflüchtete Sicherheit auf beiden Seiten zu schaffen. Die Grundlage hierfür bildet ein bereits verfasstes Konzept vom Neusässer Unterstützerkreis zur Mieterqualifizierung in Deutschland.

Nach reger Teilnahme an den ersten beiden Kursen in Peiting und Peißenberg fand in den Monaten März und April nunmehr bereits der dritte Durchlauf, diesmal im „Haus4You“ in Schongau, mit über 25 Geflüchteten statt. In fünf Einheiten wurden die Themenbereiche Kontakt mit dem Vermieter, das deutsche Mülltrennungssystem, energiesparendes Wohnen und Sauberkeit behandelt. Im Kurs gab es für die Teilnehmer die Möglichkeit, ein persönliches Mieterportfolio zu erstellen. Es enthält einen kurzen persönlichen Lebenslauf sowie ein persönliches Anschreiben und soll dem Vermieter als zusätzliche Information dienen.

 Zum Abschluss des Kurses erhielten alle Teilnehmer den „Mieterführerschein“, ein Zertifikat, welches vor allem bei möglichen Vermietern als Nachweis über die gewonnenen Erkenntnisse dienen soll. Darüber hinaus erhielten alle Teilnehmenden eine „Wohlfühlkarte“. Diese zeigt an, wie hoch Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sind und wann gelüftet werden muss. Das Konzept des Mieterführerscheins zeigt Wirkung: In Planung ist nun auch ein Kurs für interessierte Einheimische.

von Helmut Bernhardt

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