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Ehrenamtliche Helfer der Schongauer Tafel bei der Essensausgabe: Von links Dieter Wagner, Wolfgang Baier, Heidi Ostler und Erika Gruber. 

Hilfe für Bedürftige gefragter denn je

Schongauer Tafel bleibt wichtige Anlaufstelle

Als Gemeinschaftsinitiative von Herzogsägmühle und der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Schongau ist die Schongauer Tafel im Jahr 2005 gegründet worden. Seitdem versorgt sie bedürftige Menschen mit Lebensmitteln. Auch im Jahr 2017 war die Tafel eine wichtige Anlaufstelle.

Schongau – Jeden Donnerstag verkauft die Schongauer Tafel Lebensmittel gegen den symbolischen Betrag von einem Euro an Bedürftige. Die Zahl der Einkaufsberechtigten hat im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen, sagt Sandra Dannat von der Herzogsägmühle. Ihr sei aufgefallen, dass vor allem immer mehr ältere Personen zur Tafel kommen, die nur eine kleine Rente erhalten. „Diese Entwicklung ist leider zu beobachten“, meint Dannat.

Insgesamt 229 Ausweise wurden im Jahr 2017 ausgestellt, neun mehr als noch im Jahr 2016. Versorgt wurden damit 569 Personen, denn oft handelt es sich um Familien, für die zwar nur ein Ausweis ausgestellt wird, aber mehrere Personen versorgt werden, erklärt Dannat. Insgesamt 126 Kinder, darunter 100 unter 14 Jahren, bekamen von der Tafel Lebensmittel. Mit insgesamt 153 bedürftigen Eltern, machten Familien so einen Großteil der zu Versorgenden aus.

Berechtigt wären eigentlich noch mehr Personen, ist sich Sandra Dannat sicher: „Allerdings spielt Scham oft eine Rolle, das Angebot der Tafel nicht zu nutzen. Gerade in einer kleinen Stadt wie Schongau ist das oft schwierig.“ Sie geht weiterhin davon aus, dass viele auch gar nicht über die Arbeit der Tafel Bescheid wissen oder ihnen nicht bewusst ist, dass sie berechtigt sind, das Angebot zu nutzen.

Um zu überprüfen, wer bei der Tafel einkaufen darf, sieht sich Dannat zusammen mit einer Kollegin zum Beispiel Nachweise vom Jobcenter oder Rentenbelege an. Dannat sieht die Tafel zusammen mit der Wärmestube auch als Anlaufstelle: „Dort findet man Ansprechpartner, die einem in Notsituationen weiterhelfen und zusammen mit den Betroffenen überlegen, welche Formen der Unterstützung möglich sind und ob weitere Fördergelder beantragt werden können.“

Durchschnittlich 90 Personen kauften im Jahr 2017 jede Woche bei der Tafel ein. Damit sich nicht alle gleichzeitig anstellen und es zu Gedränge kommt, wird jede Woche durch ein Losverfahren festgelegt, in welcher Reihenfolge die Kunden bedient werden, weiß Dannat. Dass nicht alle Ausweisträger jede Woche vorbeikommen erklärt sie so, dass viele versuchen, sich trotz niedrigem Einkommen so weit wie möglich selbst zu versorgen und nur bei Bedarf auf das Angebot der Tafel zurückgreifen. Außerdem wären einige der Kunden erwerbstätig oder hätten aus anderen Gründen am Ausgabetag nicht immer Zeit.

Weil in den vergangenen Jahren auch immer mehr Flüchtlinge auf die Tafel zukamen, entwickelten die Verantwortlichen im Jahr 2016 eine neue Regelung, die es der Tafel ermöglicht, auch sie mit zu versorgen. Insgesamt 18 Ausweise wurden an die Helferkreise verteilt. „Diese haben eine bessere Übersicht und können die Ausweise jede Woche anderen Personen geben“, erklärt Dannat. Dieses System hat sich bewährt und wurde deshalb auch 2017 fortgeführt. So wäre sichergestellt, dass die Tafel im Rahmen ihrer Kapazitäten alle versorgen kann.

Die Tafel ist bei ihrer Tätigkeit auf die Mitarbeit ehrenamtlicher Helfer angewiesen. Circa 50 Ehrenamtliche haben sich im Jahr 2017 bei der Schongauer Tafel engagiert. „Sie stemmen das Ganze“, bedankt sich Sandra Dannat bei den Ehrenamtlichen, die sich in unterschiedlichen Arbeitsfeldern miteinbringen. „Das geht vom Einsammeln der gespendeten Ware, übers Putzen und Sortieren bis hin zur Lebensmittelausgabe“, erzählt Dannat. Jeder könne sich nach eigenen Möglichkeiten einbringen.

Die Kosten der Tafel belaufen sich zurzeit auf circa 15 000 Euro. Neben Lebensmittelspenden, die die Tafel vor allem von Lebensmittelläden, Bäckereien und Supermärkten im Schongauer Land erhält, benötigt sie deshalb auch finanzielle Unterstützung, um die laufenden Kosten für Miete, Energie und Transport decken zu können, weiß Dannat.

Die Tafel befindet sich in der Dominikus-Zimmermann-Straße 1 in Schongau. Sie ist unter der Telefonnummer 08861/20444 zu erreichen. Wer sich als Kunde registrieren oder sich ehrenamtlich bei der Tafel engagieren will, kann sich gerne melden.

Spenden für die Tafel werden von der Herzogsägmühle angenommen und bedarfsgerecht verwendet. Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE42 7002 0500 0004 8192 00, BIC BFSWDE33MUE.

Elena Siegl

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