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Rettungs-Übung in schwierigem Gelände: Die drei Retter des Roten Kreuzes sind durch Matthias Müller in das Steilgelände oberhalb von UPM am Schloßberg zum Verletzten gelotst worden, der in der Zwischenzeit von Markus Schwarz betreut worden ist. Nach der medizinischen  Erstversorgung wird die Bergwacht alarmiert, die den Verletzten aus dem unwegsamen Gelände zum Rettungswagen bringt.

Hinweisschilder und Rettungskette Forst

Schnelle Hilfe bei Unfall im Wald

Bei jedem Unfall ist schnelle Hilfe Trumpf. Sie kann in manchen Fällen lebensrettend sein. Was aber, wenn der Unfall mitten im Wald passiert, wo die Orientierung der Helfer meist schwierig ist? Eine gemeinsame Rettungsübung von Forstarbeitern der Stadt Schongau und Rettern des BRK in unwegsamen Gelände beeindruckt und bringt neue Erkenntnisse.

Schongau – Das händische Aufarbeiten von Sturmholz gehört zu den gefährlichsten Arbeiten im Wald. Übereinander gestürzte Baumstämme stehen unter enormer Spannung. Wurzelstöcke können zur Falle werden. Eine kleine Unaufmerksamkeit kann Gesundheit oder gar Leben kosten.

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Unfall, kann es um wertvolle Sekunden gehen. Doch was tun, wenn man sich in fremden und vor allem auch abgelegenen Waldstücken befindet? Dann stellt sich die Orientierung für Helfer und Rettungskräfte als sehr schwierig dar.

Über solche Rettungstreffpunkt-Tafeln (links) kann man die Retter an den richtigen Ort lotsen.

Um die Rettungskräfte ohne Zeitverzögerung zum Verletzten zu führen, hat die Bayerische Forstverwaltung eine landesweite Rettungskette Forst eingerichtet. Kern dieses Rettungssystems sind fest installierte und mit einer vierstelligen Ziffer gekennzeichnete Treffpunkte an günstig gelegenen Standorten (wir haben berichtet). Diese sollen einsehbar an Waldrändern oder Wegkreuzungen liegen und vor allem zu jeder Jahreszeit vom Rettungswagen befahrbar sein. Beim Absetzen eines Notrufs braucht dann nur die Nummer des nächsten Treffpunkts genannt werden.

Im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es mittlerweile 140 solcher Rettungstreffpunkte. Dieses Rettungssystem ist den Waldarbeitern der Stadt Schongau bekannt. Doch wie verhalten sie sich, wenn es zu einem Unfall kommt? Dieser Frage wollten Anton Specht, Schutzwaldsanierer und Beauftragter Rettungskette im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sowie Schongaus Förster Klaus Thien nachgehen. Dazu haben sie eine Übung ausgearbeitet, bei der nur der „Verletzte“ in die Lage eingeweiht war. Für alle anderen Personen war die Übung „freilaufend“.

Der Übungsablauf: Früher Nachmittag, die Waldarbeiter Matthias Müller, Markus Schwarz und Martin Schrödl arbeiten oberhalb von UPM Richtung Schloßberg im Steilgelände. Während Schwarz und Müller mit der Seilwinde hantieren, legt sich Schrödl etwas abseits unter einen Baumstamm. Mit schnellen Handgriffen hat er zwei einlaminierte Fotos mit Verletzungsmustern an Hand und Bein angebracht. Dann ein Aufschrei, und Schrödl stöhnt vor Schmerz.

Das war’s. Jetzt ist die Reaktion seiner Mitarbeiter gefragt: Müller bemerkt den liegenden Schrödl und erkennt anhand der Fotos, dass dieser sich einen Unterschenkelbruch sowie eine offene Handverletzung zugezogen hat. Müller ruft Schwarz herbei, beide legen dem Verletzten Druckverbände an. Das Verbandmaterial tragen die Waldarbeiter immer am Mann.

Um 13.45 Uhr setzt Müller den Notruf ab. Dabei nennt er die Nummer des am nächsten gelegenen Rettungstreffpunkts. Es ist die 2077 an der Wegegabel UPM und Auffahrt zum Schloßberg. Jetzt kommt der Höllenritt für Matthias Müller: Während Schwarz bei dem Verletzten bleibt, steigt Müller in Windeseile den Steilhang in dem schwierigen Gelände nach oben, wo die Arbeiter ihr Fahrzeug stehen haben. Mit diesem fährt er bis zum Rettungstreffpunkt.

Nur acht Minuten nach der Alarmierung öffnet er das Werktor, um dem Rettungswagen freie Zufahrt zu gewährleisten. Dieser trifft vier Minuten später ein. Erneute sechs Minuten vergehen, bis der Rettungswagen nach oben gefahren ist und die drei Retter durch einen kraftaufwendigen Abstieg beim Verletzten sind. Nicht zu vergessen, dass zwei Rucksäcke und ein EKG-Gerät mit zum Verletzten getragen werden müssen.

Um 14.13 Uhr, also genau 28 Minuten nach Alarmierung, ist bei dem Verletzten der erste Zugang gelegt. Die alarmierte Bergwacht muss jetzt die Rettung aus dem extrem schwierigen Gelände vornehmen.

„Es hat auf alle Fälle etwas gebracht“, so die einhellige Meinung der städtischen Waldarbeiter und der Rettungskräfte nach dem Einsatz. Anton Specht zeigt sich ebenfalls zufrieden über die schnelle Reaktion der Arbeiter. Dabei vergisst er nicht zu erwähnen, dass diese Rettungstreffpunkte natürlich auch von Wanderern, Sportlern und Erholungssuchenden benutzt werden sollen.

Darüber hinaus gibt es eine kostenlose App „Hilfe im Wald“. Mit dieser kann der nächste Rettungstreffpunkt ermittelt werden. Ebenso kann man sich auf der Internetseite www.rettungskette-forst.deüber die Standorte informieren. Und für Schongaus Stadtförster Klaus Thien ist die positiv gelaufene Übung einmal mehr eine Bestätigung dafür, immer wieder regelmäßig mit seinen Arbeitern an Erste-Hilfe-Kursen teilzunehmen.

Hans-Helmut Herold

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