Die Hirschvogel-Führungsspitze (v.re.): Thomas Brücher (Geschäftsführer Vertrieb, Einkauf, Entwicklung), Frank Anisits (Geschäftsführer Produktion), Alfons Hätscher (Geschäftsführer Finanzen), Walter Pischel (Stiftungsvorsitzender) und Armin Maudrich (2. Vorsitzender).

Hirschvogel Schongau 

Milliarden-Hürde geknackt

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Der Diesel-Abgas-Skandal hat das Familienunternehmen Hirschvogel nicht tangiert, und auch politische Ankündigungen Trumps werfen bisher keine Schatten voraus. Die Nachrichten aus Denklingen sind, wie in den Jahren zuvor, positiv: Gute Marktentwicklung, die Milliardenmarke beim Umsatz geknackt, neue Investitionen – auch in Schongau.

Schongau 2016 war Jahr eins in der Zeitrechnung nach dem Diesel-Abgas-Skandal, geschadet hat er der Hirschvogel Automotive Group in keiner Weise. Im Gegenteil: Der Automobilzulieferer mit Stammsitz in Denklingen konnte den allgemeinen Rückenwind in der Automobilindustrie weiter nutzen und den Umsatz 2016 nochmals deutlich steigern. Dies wurde gestern im Jahrespressegespräch bekanntgegeben. Thomas Brücher, Geschäftsführer Vertrieb, Einkauf und Entwicklung, nannte für 2016 die Zahl 1,009 Milliarden Euro, womit der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent gestiegen sei.

Dieser Wachstum brachte auch einen Anstieg der Mitarbeiterzahlen mit sich, wie Alfons Hätscher (Geschäftsführer Finanzen) berichtete: Ende 2016 zählte man bereits über 4700 Mitarbeiter weltweit gegenüber 4400 im Vorjahr (jeweils in 100-Prozent- Stellen gerechnet). In Deutschland sind deutlich über 3400 Mitarbeiter in Vollzeit angestellt, davon zum Jahresende 2016 am Standort Denklingen knapp 2000 Mitarbeiter und am Standort Schongau knapp 800 Vollzeitstellen. Die weiteren deutschen Mitarbeiter haben ihre Aufgaben im thüringischen Marksuhl.

Investiert hatte man vor allem in Firmengebäude

Im Stammwerk Hirschvogel Umformtechnik in Denklingen ebenso wie in Schongau bei Hirschvogel Komponenten, wo erst 2015 die Halle 7 fertiggestellt wurde, Ende 2016 dann Halle 8. „Und der Platz geht uns aus“, verrät Frank Anisits, Geschäftsführer Produktion. Vermutlich kommt Hirschvogel bereits 2018 an die Kapazitätsgrenze. Anisits: „Eine Halle 9 zeichnet sich ab.“ Wie auf Nachfrage bestätigt wurde, gebe es bereits Gespräche mit der Stadt Schongau, eine Erweiterung am Standort Richtung Süden sei möglich. Der kurzfristige Ärger um erhöhte Gewerbesteuern, die die Stadt Schongau größtenteils wieder zurückgenommen hat, ist damit wohl auch vergessen. In Denklingen ging und geht der Ausbau von Halle 16 weiter. Diese Halle wird in der Firma als Meilenstein gesehen, zumal das Werk historisch gewachsen ist – 2018 feiert man 80-jähriges Jubiläum.

Absolut gesehen, ist der Wachstumsmarkt auch für die Denklinger Automobilzulieferer in China am größten. Man verzeichnet im derzeit 1. Quartal 2017 fast 50 Prozent mehr Umsatz als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Weiter modernisiert und ausgebaut werden soll auch das Werk in Ohio in den USA. Bereits im Mai sollen im neuen Werk in Querétaro/Mexiko die ersten Teile produziert werden.

„Hirschvogel investiert trotz Trump“, so Anisits. Ohnehin orientiere man sich an Kundenvereinbarungen, nicht an der Weltpolitik, so Thomas Brücher. Auswirkungen der neuen US-Politik befürchtet man auch deshalb nicht, weil die Werke in den jeweiligen Ländern eher lokal orientiert seien, also auch in Mexiko fast ausschließlich für den dortigen Markt produziert werde. Alfons Hätscher kündigte an, dass Hirschvogel 2017 weltweit einen insgesamt dreistelligen Millionen-Betrag investieren werde, die Hälfte davon in Deutschland.

Wachstum von zehn Prozent ist realistisch

Auch für das Jahr 2017 möchte die Geschäftsleitung des Familienunternehmens wieder eine Umsatzsteigerung vermelden können. Brücher hält ein Wachstum von zehn Prozent auf 1,1 Milliarden Euro für realistisch. „Vieles ist bereits in den Büchern.“ Weiterhin möchte man aber auch Kundenwünsche befriedigen sowie Techniktrends wie Leichtbau, Emissions- bzw. Verbrauchsreduzierung und, natürlich, E-Mobilität anschieben. Anisits: „Es ist unsere Strategie, auch in diesem Bereich die Nase vorn zu haben.“ Speziell in der neuen Schongauer Halle werden Projekte im Bereich E-Mobilität realisiert.

Etwa ein Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Hirschvogel außerhalb der Sparte Automobilindustrie, etwa in den Bereichen Land- und Baumaschinen oder Luft- und Raumfahrt. Auch wenn sich Hirschvogel breiter aufstelle, bleibe das Hauptaugenmerk jedoch beim Stammgeschäft. 

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