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Gruppenfoto in den schönsten und kostbarsten Gewändern: Der Tross Swartzensteyn sind (oben von links) Manuel Zuleger, Monika Summer, Armin Groß, Melanie Blanz sowie Roland und Hildegard Tischer.

Lagerleben auf dem Schongauer Sommer

So authentisch wie möglich

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Ihre schönsten Gewänder legt die Truppe von Tross Swartzensteyn für das Gruppenbild an. Selbst der Kelch am Gürtel darf nicht fehlen, und der Buggy des künftigen Knappen wird noch rasch hinters Zelt geschoben. Erstmals lagerte eine Historische Renaissance-Gruppe für zehn Tage am Historischen Markt.

Schongau In den Jahren von 1459 bis 1519 lebte Kaiser Maximilian I.: Der Habsburger ist auch der Lehensherr von Trosshauptmann Arminius von Swartzensteyn, mit bürgerlichem Namen Armin Groß. Der 39-jährige Kaufbeurer befehligt den Tross Swartzensteyn, die Versorgungstruppe mit Köchen, Bäckern, Schmieden, Wagnern, Metzgern, Landwirten, Huren, Mägden und Knechten.

So groß ist der Tross noch nicht, aber immerhin hat sich eine siebenköpfigen Stammtruppe während des Schongauer Sommers auf einem Seitenstreifen hinterhalb der Buden und Tische eingerichtet – so authentisch wie möglich, aber mit allen nötigen und möglichen Annehmlichkeiten – schließlich hat man sich Urlaub genommen.

Bei den Temperaturen der vergangenen Tage griff Gräfin von Herilescella, die Frau des Trosshauptmanns, dann doch zum leichteren Gewand. Monika Summer (42) hat ihre gesamte Garderobe dabei, und die kann sich sehen lassen. Nach alten Schnittmustern aus der Renaissance-Zeit fertigen die beiden ihre Kleider für die großen Auftritte bei Historischen Märkten oder Umzügen, da wird weder am Stoff noch an Zeit gespart.

Schon im Kindergarten mit Virus infiziert

250 bis 300 Euro stecken schon allein nur im Material für ein Kleid, dicker, schwerer Samt mit etwas leichteren Unterstoffen, dazu 40 bis 50 Meter Goldborten – da kommt schon einiges zusammen. „Wenn man das schneidern lässt, müsste man 2500 bis 3000 Euro hinlegen“, so die Kaufbeurer Lehrerin. Sie hat mittlerweile so viel Erfahrung gesammelt, dass sie sich an ganz schwere Schnitte heranwagt.

Das Barett von Groß zieren verschiedene Broschen mit edlen Steinen, und auch die Bundhaube darf nicht fehlen, Hitze hin oder her. „Schließlich war damals eine kleine Eiszeit mit 16 Grad im Sommer.“ Da stört das bisschen Regen, das abends den Markt etwas leerer fegt, nicht. Im Gegenteil – die Zeltwände werden rasch abgestützt, das Leder der Stühle trockengewischt.

Platz ist im Lager genug. Neben dem Schauzelt mit Wohn- und Schlafzelt steht das Gesinde- und Materialzelt, auf der anderen Seite das Küchenzelt. Für die Ausstattung wird auf Mittelalter-Märkten gestöbert und im Internet. „Wir sind eigentlich das ganze Jahr über am Planen und Verbessern, immer in Gedanken dabei“, so Groß über ihre Leidenschaft.

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder von Tross Swartzensteyn, auch die Eltern Hildegard und Roland Tischer. Die Liebe, in diese alten Gewänder zu schlüpfen, lag damit schon in der Wiege – schließlich ist man mit dem Tänzelfest aufgewachsen, das älteste historische Kinderfest in Bayern.

Die Renaissance - so authentisch wie möglich

Die Epoche Renaissance haben sich die Kaufbeurer ausgesucht, weil nur ganz wenige historische Gruppen diese Zeit darstellen. „Es war der Weg aus der Dunkelheit, der Aufbruch in die Neuzeit“, so Groß. Gutenberg, da Vinci, Kopernikus – seiner Zeit war man damals weit voraus.

Und die Liebe steckt im Detail: Gegessen wird mit Hornlöffeln oder massivem Eisenbesteck, wobei statt Gabeln, damals Werkzeug des Teufels, lieber ein Pfriem verwendet wird, mit dem das Fleisch wunderbar aufgespießt werden kann. Getrunken wird aus Ton- oder Holzbechern, auch aus Kupfer- und Zinn-Kelchen, jedoch keinesfalls aus einem Trinkhorn. „Das ist ein Mythos, Trinkhörner wurden rein zu rituellen Zwecken verwendet“, ärgert er sich mit Blick auf so manchen Marktbesucher. „Das Bier aus einem Trinkhorn schmeckt spätestens nach zehn Minuten nach altem Zehennagel.“

Beim Lagerleben auf dem Historischen Markt in Schongau wird über offenem Feuer gekocht. In den Topf kommen nur Zutaten, die es damals auch wirklich in der Region gegeben hat.

Umso besser schmeckt das, was über dem offenen Feuer gekocht wird, ungewöhnlicher Weise vom Trosshauptmann persönlich, er ist auch hauptberuflich leidenschaftlicher Koch. In den Topf kommen nur Zutaten, die es damals auch wirklich in der Region gegeben hat – Eintöpfe und Gulasch (natürlich ohne Paprika), Knödel mit Bayrisch-Kraut, sämtliche Getreidesorten oder Wurzelgemüse. Gewürzt wird nur mit Kräutern. Salz war unerschwinglich und wurde höchstens zum Pökeln verwendet. Am besten schmeckt der erste Satz vor jedem Kochrezept: „Man gieße den Wein zuerst in den Koch.“

So geht‘s nach dem Schongauer Sommer weiter

Nach dem Markt ist vor dem Markt – am kommenden Montag geht es für alle zurück nach Kaufbeuren. Der gesamte Inhalt des vollgestopften Lieferwagens muss dann ins Lager – bis auf die neuen Ideen, die wollen umgesetzt werden. Spätestens bis zum nächsten Schongauer Sommer.

Auch eine andere Gruppe hatte viel Spaß auf dem Historischen Markt. Sie hat ihren Stammtisch spontan auf den Historischen Markt verlegt. Aber es gab auch Ärger. Die großen Schirme durften heuer nicht aufgestellt werden und vereinzelt gab es Beschwerden über Lärm.

Elke Robert

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