Nur geladene Gäste durften ins Ballenhaus: Bürgermeister Falk Sluyterman (stehend) fühlt sich gut informiert. Grünenkreisrat Hans Schütz (li.) sparte nicht mit Kritik an dem Vorhaben
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Nur geladene Gäste durften ins Ballenhaus: Bürgermeister Falk Sluyterman (stehend) fühlt sich gut informiert. Grünenkreisrat Hans Schütz (li.) sparte nicht mit Kritik an dem Vorhaben

Infoveranstaltung des Heizkraftwerks Altenstadt

Siegfried Schuster: „Ich werde die Anlage nicht ruinieren“

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Politiker aus Stadt und Landkreis sowie ein paar Bürger aus Schongau West bekamen am Donnerstag erstmals aus erster Hand Informationen zu den Erweiterungsplänen des Heizkraftwerks (HKW) in Altenstadt. Auch der schärfste Gegner des Vorhabens, darin Ersatzbrennstoffe (ESB) zu verfeuern, durfte mitreden.

Schongau – Während draußen vor dem Ballenhaus die Demonstranten noch trommelten und pfiffen, durfte ihr Sprachrohr Hans Schütz auf den Besucherplätzen im Saal Platz nehmen. Der Grünen-Kreisrat zählte überraschend zu den geladenen Gästen der geschlossenen Infoveranstaltung. Unter anderen folgten auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß sowie Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende der umliegenden Gemeinden der Einladung. Sie wurden nicht nur über die Pläne informiert, sondern durften auch Fragen an Kraftwerkschef Siegfried Schuster und dessen Experten stellen.

Die Regierung von Oberbayern könnte demnächst grünes Licht geben

Erwartungsgemäß beließ es Hans Schütz nicht bei Fragen. Er griff Schuster ein ums anderen Mal an: „Halbwahrheiten“, das Werfen von „Nebelkerzen und „Verschleierungstaktik“ warf er dem Kraftwerksbetreiber vor. Schuster will bekanntlich in Zukunft in seiner Anlage nicht mehr nur Holz, sondern zusätzlich sogenannte Ersatzbrennstoffe verheizen (EBS), um vorrangig Strom zu gewinnen. Das nichtöffentliche Genehmigungsverfahren dazu läuft, die Regierung von Oberbayern könnte demnächst grünes Licht geben.

Besucher sind sich einig: Juristisch nichts auszusetzen, aber es fehlt die Transparenz

Dass an dem Verfahren aus juristischer Sicht nichts auszusetzen ist, darüber herrschte im Ballenhaussaal weitestgehend Einigkeit. „Aber die Leute interessiert nicht, ob Sie juristisch Recht haben, sie wollen Transparenz“, wandt sich der Peitinger SPD-Gemeinderat Herbert Salzmann an Siegfried Schuster. „Das haben Sie verfehlt“, warf er dem HKW-Chef vor. „Die Bürger glauben Ihnen nicht mehr.“

Redete dem Firmenchef ins Gewissen: Peitings SPD-Gemeinderat Herber Salzmann fehlte die Transparenz.

Thomas Elste (Grüne Peiting) wollte von Schuster wissen, ob er sich eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts vorstellen könnte; ähnlich wie es auch bei UPM geschehen war. Die Schongauer Papierfabrik verfeuert bekanntlich ebenfalls Ersatzbrennstoffe, die aus dem Müll in Erbenschwang aussortiert werden.

Genehmigungsantrag wird im Internet veröffentlicht

„Es ist doch Stand der Technik“, sagte Schuster dazu. Zwei Jahre sei an dem Genehmigungsverfahren gearbeitet worden. Es sei vom Gesetzgeber geprüft worden, „und es ist nicht im geheimem Kämmerchen gemacht worden“, betonte Schuster. In den kommenden Wochen soll der Genehmigungs-Antrag jetzt auch im Internet veröffentlichen, hieß es bei der Infoveranstaltung.

Weniger Lkw als vorher

Kornelia Funke (CSU Schongau) wollte wissen, wie viele Lkw mit ESB in Zukunft zu erwarten sind. „107 weniger als mit Holz“, erläuterte der Physiker Bernd Zellermann mit Blick auf den höheren Brennwert der Stoffe. Der Physiker hatte bereits im Juli dem Altenstadter Gemeinderat versichert, dass bei der Verbrennung der EBS alle Grenzwerte eingehalten würden. Die Räte stimmten dem Vorhaben mit knapper Mehrheit zu.

Schütz: Müll, der zu Brennstoff verarbeitet wird

Hans Schütz ließ nicht locker. „Es handelt sich um Müll, der zu Brennstoff verarbeitet wird“, schimpfte er einmal mehr. Und von den Ersatzbrennstoffen gebe es hochwertige und minderwertige, gab er zu Bedenken.

Heizkraftwerks-Chef Siegfried Schuster wehrte sich vor allem gegen die Angriffe von Hans Schütz.

Schuster ließ das nicht auf sich sitzen. Er versicherte, dass in Altenstadt keine gefährlichen Abfälle angenommen würden. „Die Anlage gehört mir, und ich werde nichts tun, um die sie zu ruinieren“, machte er klar. Sie sei keine Müllverbrennungsanlage, „dann wäre sie in einem halbem Jahr Schrott“.

Wegen Hygienevorschriften: Veranstaltung wird nach eineinhalb Stunden beendet

Ohne Corona wäre es wohl eine längerer Abend geworden. Wegen der Hygienevorschriften mussten die Diskussion nach eineinhalb Stunden abgebrochen werden und die Besucher den Saal verlassen. Während Kornelia Funke über das Gehörte zunächst eine Nacht schlafen wollte, fühlte sich Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman gut informiert. Es wäre aber toller gewesen, es der ganzen Bevölkerung vorzustellen, meinte er. Das hätte zu mehr Befriedung geführt. Ob die Stadt Schongau gegen die zu erwartende Genehmigung der Betriebserweiterung Klage einreichen wird, ließ der Bürgermeister offen: „Das entscheidet der Stadtrat.“

Bürger fühlen sich hinters Licht geführt

„Herr Schuster führt uns hinters Licht, Müllverbrennung wollen wir nicht“, hallte es schon vor der Infoveranstaltung über den Marienplatz in Schongau. Rund 60 Demonstranten machten ihrem Unmut darüber Luft, dass in dem einstigen Biomasse-Heizkraftwerk in Altenstadt in Zukunft auch Ersatzbrennstoffe (ESB) verfeuert werden sollen.

Bevor die geladenen Gäste bei der Infoveranstaltung im Ballenhaus Platz nehmen durften, demonstrierten die Gegner der Erweiterung des Heizkraftwerkes auf dem Marienplatz gegen die Pläne.

Die eigens gegründete Aktionsgemeinschaft bemängelte, dass Ersatzbrennstoffe vor allem Kunststoffe seien, die aus Erdöl gewonnen würden. „Der damit erzeugte Strom kommt damit auch aus fossilen Brennstoffen und widerspricht unseren Klimazielen.“ Kritisiert wurde zudem die fehlende Kraft-Wärme-Kopplung der Anlage. „70 Prozent der eingesetzten Energie gehen als Abwärme verloren.“

Renate Müller von der Umweltinitiative Pfaffenwinkel forderte den Kraftwerkschef auf, den Erweiterungsantrag zurückzuziehen: „Kehren Sie zurück zur Biomasse!“

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