Neues Protest-Banner: Im Rahmen einer vom Landratsamt genehmigten Versammlung haben sich am Wochenende Vertreter der Aktionsgemeinschaft gegen die Müllverbrennungsanlage Altenstadt am westlichen Stadtrand von Schongau getroffen. Im Namen der Aktionsgemeinschaft wiederholten die Sprecher Sorgen und Befürchtungen bezüglich der negativen Auswirkungen der geplanten Änderungen beim Heizkraftwerk (HKW).
+
Neues Protest-Banner: Im Rahmen einer vom Landratsamt genehmigten Versammlung haben sich am Wochenende Vertreter der Aktionsgemeinschaft gegen die Müllverbrennungsanlage Altenstadt am westlichen Stadtrand von Schongau getroffen. Im Namen der Aktionsgemeinschaft wiederholten die Sprecher Sorgen und Befürchtungen bezüglich der negativen Auswirkungen der geplanten Änderungen beim Heizkraftwerk (HKW).

Regierung nimmt Stellung zu Heizkraftwerks-Erweiterung

Aktionsgemeinschaft will Präsentation prüfen, doch der Experte rückt seine Expertise nicht heraus

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
    schließen

Mit einem neuen Protestbanner mahnt die „Aktionsgemeinschaft gegen die Müllverbrennung Altenstadt“ erneut eindringlich vor den Erweiterungsplänen des Kraftwerksbetreibers Siegfried Schuster. Die Regierung von Oberbayern hat weniger Probleme damit. Präsidentin Maria Els spricht von „plausiblen“ technischen Maßnahmen.

Schongau/Altenstadt – Zwar steht eine Entscheidung im Genehmigungsverfahren zum Verfeuern sogenannter Ersatzbrennstoffe in Altenstadt weiterhin aus. Ein Brief von Regierungspräsidentin Maria Els an Schongaus Umweltreferentin Bettina Buresch lässt aber erahnen, wohin die Reise gehen könnte: Die Regierungspräsidentin kann Argumente nicht gelten lassen, die die Gegner Kraftwerks-Betreiber Siegfried Schuster an den Kopf werfen. Darunter zum Beispiel das Streben nach mehr Rendite auf Kosten von Mensch und Umwelt. Betriebswirtschaftliche Entscheidungen des Anlagenbetreibers könnten in dem Verfahren nicht überprüft werden, schreibt Els Umweltreferentin Buresch. Die Stadträtin, die auch eine Online-Petition initiierte, hatte der Regierungspräsidentin zuvor die Sorgen der Schongauer geschildert.

Regierungspräsidentin sieht keine großen Änderungen

Bekanntlich weht der Westwind die Abluft des Altenstadter Kraftwerks in die Stadt. „Die Bürger leiden schon jetzt unter den Immissionen mehrere industrieller Betriebe, die in der Hauptwindrichtung angesiedelt sind. Die Folgen der Nutzungsänderung lassen sich nicht absehen, auf jeden Fall aber nichts Gutes erwarten“, hatte die Stadträtin der Regierungspräsidentin geschrieben. Els zeigt durchaus Verständnis für die Befürchtungen. Sie macht aber klar: „An der bisherigen Einstufung als Anlage zur Verwertung fester Abfälle mit brennbaren Bestandteilen durch thermische Verfahren ändert sich durch das beantragte Änderungsvorhaben nichts.“ Eine Genehmigung sei zu erteilen, wenn die gesetzlichen Genehmigungsvoraussetzungen vorlägen, argumentiert die Regierungspräsidentin.

Vorgesehene technische Maßnahmen seien „plausibel“

Und daran lässt Els kaum Zweifel aufkommen: Die Vorprüfung der Antragsunterlagen habe ergeben, dass erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen nicht zu erwarten seien, schreibt Els. Aus dem Antrag ergebe sich, dass die bisher genehmigten Werte zur Luftreinhaltung und zum Lärmschutz auch weiter eingehalten werden sollen. Die vorgesehenen technischen Maßnahmen seien „plausibel“.

Ersatzbrennstoffe „nicht beliebiger Haus- oder Gewerbemüll“

Daneben erläutert die Regierungspräsidentin, dass unter „Ersatzbrennstoffen“ nicht beliebiger Haus- oder Gewerbemüll zu verstehen sei, „sondern eine Abfallfraktion, die zur Erreichung bestimmter Eigenschaften heizwertreich, aufbereitet und gütegesichert ist“. Wie mehrfach berichtet, sieht die Aktionsgemeinschaft das Verfeuern der Ersatzbrennstoffe dagegen sehr kritisch. Bislang wird in dem Kraftwerk in Altenstadt Holz und Altholz verbrannt und damit Strom gewonnen.

Bürger können sich im Internet ein Bild machen

In ihrem Brief an Buresch verweist die Regierungspräsidentin zudem darauf, dass sich die Bürger im Internet ein umfassendes Bild von den geplanten Änderungen machen können. Bekanntlich hat Siegfried Schuster mittlerweile einen großen Teil der Antragsunterlagen auf der Homepage des Heizkraftwerks veröffentlicht.

Folien der von Infoveranstaltung sind nicht im Netz veröffentlicht

Schmerzlich vermisst werden dort von Seiten der Aktionsgemeinschaft allerdings die Folien, die der Experte Bernd Zellermann im Oktober bei der Infoveranstaltung geladenen Gästen im Ballenhaus präsentiert hatte. „Die dort vorgetragenen zweifelhaften Schadstoffberechnungen können nicht auf ihre Aussagekraft hin überprüft werden“, moniert die Aktionsgemeinschaft, der sich neben der Umweltinitiative Pfaffenwinkel zahlreiche Parteien und Gruppierungen im Landkreis angeschlossen haben. Man habe die Folien bis heute nicht zur Einsicht erhalten, heißt es.

Physiker pocht auf sein „geistiges Eigentum“

Und die Aktionsgemeinschaft wird weiter darauf warten müssen. Denn der Diplom-Physiker und -Umweltwissenschaftler Zellermann gibt sie nicht heraus. „Das ist mein geistiges Eigentum, Ende“, macht er auf SN-Anfrage klar. Der Experte verwehrt sich auch dagegen, Zusagen auf Herausgabe gemacht zu haben: „Das ist eine glatte Lüge.“ Er verweist auf die Infoveranstaltung im Oktober: „Das ist wie in der Schule, es gibt einen Vortrag und man kann Fragen stellen.“ Eine nachträgliche Prüfung durch die Aktionsgemeinschaft lehnt Zellermann ab. „Wer soll das prüfen, Herr Schütz?“, fragt der Physiker mit Blick auf einen der schärfsten Gegner, den Peitinger Hans Schütz. Zellermann: „Es gibt jemanden, der so etwas professionell macht, und das ist die Regierung von Oberbayern.“

Mehr Aktuelles aus der Region lesen Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare