Standen bei der Bilanzpressekonferenz von Hochland, die erneut online stattfand, Rede und Antwort: (v.l.) Hubert Staub, Peter Stahl und Thomas Brunner. Alle hatten einen negativen Corona-Test und konnten daher ohne Maske agieren.
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Standen bei der Bilanzpressekonferenz von Hochland, die erneut online stattfand, Rede und Antwort: (v.l.) Hubert Staub, Peter Stahl und Thomas Brunner. Alle hatten einen negativen Corona-Test und konnten daher ohne Maske agieren.

Käsewerk in Schongau

Hochland investiert in die Zukunft der Werke

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Zu Beginn der Corona-Krise hatte man bei Hochland erwartet, dass es einen gedrückten Geschäftsverlauf geben werde, stattdessen kann man einen Rekordumsatz für 2020 vermelden. In Schongau gab es statt Kurzarbeit sogar Sonderschichten. Der Milchpreis bleibt bei 36 Cent.

Nach wie vor ist die Firma Hochland ein unabhängiges Familienunternehmen – und möchte es auch bleiben. Dies betonte Hubert Staub (kaufmännisches Ressort, Qualitätsmanagement) eingangs der Bilanzpressekonferenz. 20 Standorte in acht Ländern auf drei Kontinenten, zwei Produktionsstätten für vegane Produkte – über 5500 Mitarbeiter sind für die Hochlandgruppe tätig (280 Mitarbeiter kamen 2020 hinzu), davon 2096 in Deutschland. 600 Mitarbeiter arbeiten im Werk Schongau, neben Heimenkirch der zweite große deutsche Standort für die Käseproduktion.

Das Thema Nachhaltigkeit hat man weiter im Blick, „und wenn wir von ,unseren Bauern’ sprechen, dann meinen wir vor allem die rund 1000 Bauern, die das Schongauer Werk mit Milch beliefern“, so Staub. Seit 1. Juli 2020 dürfen Landwirte keine Futtermittel mehr aus Übersee verwenden, nur noch aus Europa. Schon seit 2019 sollen keine Totalherbizide mehr auf die Wiesen ausgebracht werden. Futtermittel ohne Gentechnik werden in den drei Ländern Deutschland, Polen und Frankreich eingesetzt. Auch beziehen die Werke entweder zu 100 Prozent Ökostrom oder haben ein eigenes BHKW bzw. eine PV-Anlage.

Das siebte Jahr in Folge den Käseabsatz gesteigert

Hochland konnte das siebte Jahr in Folge den Käseabsatz steigern, dieses Mal um 4,3 Prozent auf 394.000 Tonnen gruppenweit. Deutlich zugelegt hat man beim Markengeschäft – plus 12 Prozent. Stark gelitten hat der Food Service (weiterverarbeitende Industrie, System-Gastronomie) durch die Lockdowns der Restaurants, dieser Bereich ging um 12 Prozent zurück. Die steigende Nachfrage im Lebensmittelhandel half, diese Absatzrückgänge zu kompensieren. Den größten Anstieg gab es beim Weißkäse. Und Hochland setzt auch weiter auf vegane Produkte, „Simply V“ habe sich gut entwickelt. Das zweite Start-up „Beetgold“ hat einen Preis gewonnen für das beste Produkt im vegetarischen Bereich.

Umsatzplus nicht ganz so viel, was mit der Rubel-Abwertung begründet wird

Der Umsatz folgt dagegen nicht ganz dem Absatz (nur ein Plus von 2,2 Prozent). Die Unterschiede erklärte Staub vor allem mit der Rubel-Abwertung. Etwa ein Drittel des Umsatzes wird in Deutschland erwirtschaftet, ein Drittel in Europa, ein Drittel im Rest der Welt. 140 Millionen Euro wurden 2020 für Investitionen freigegeben. In Schongau wird ein Hochregallager gebaut und derzeit alles für die Produktionsverlagerung von Gervais Hüttenkäse vorbereitet (wir berichteten). „Die Werke sollen fit gemacht werden für die Zukunft“, so Staub.

In der Fragerunde der Pressekonferenz standen auch Peter Stahl (Vorstandsvorsitzender, Ressorts Produktion und Technik, Einkauf) sowie Thomas Brunner (Marketing und Vertrieb, Produktentwicklung) Rede und Antwort. Der Standort Schongau sei 2020 hervorragend ausgelastet gewesen. Auch hier habe es zwar weniger Absatz im Food-Service-Bereich/Gastronomie gegeben, was aber durch den Handel ausgeglichen wurde. Wegen der erhöhten Nachfrage beim Weißkäse musste auch samstags produziert werden, teilweise sonntags, also Sonderschichten statt Kurzarbeit. Kurzarbeit sei bei Hochland lediglich im Außendienst notwendig, aktuell bei Natec, der Maschinenbautochter.

Profitieren die Milchlieferanten vom guten Ergebnis?

Profitieren von den guten Zahlen auch die Milchlieferanten? Der Rohmilchpreis bleibt voraussichtlich gleich. „Wir stehen in Schongau ganz vorne bei den Auszahlern, und durch Markenprodukte, die eine höhere Wertschöpfung erzielen, profitieren auch die Landwirte“, hieß es. Es sei wieder eine Gewinnbeteiligung ausgezahlt worden, die ähnlich berechnet wird wie die Gewinnbeteiligung für die Belegschaft. Aktuell liege der Milchpreis für die Vertragslandwirte bei 36 Cent.

Die Kritik der Milchbauern Ende 2020 mit Protesten am Schongauer Werk habe eher etwas mit der Rolle Stahls als Vorsitzender des Milchindustrieverbandes zu tun, als mit zu geringen Preisen. Laut BDM seien alle Milchpreise unter 40 Cent defizitär für die Landwirte, aber die Milch werde dennoch nicht weniger. Die Unterschiede in den Betriebskosten auf den einzelnen Höfen sei immens, der eine Landwirt käme mit den Milchpreisen zurecht, der andere eben nicht, so Stahl.

Firma will auch in die Gesundheit der Mitarbeiter investieren

Investieren will die Firma auch weiter in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in Heimenkirch und Schongau: Sobald dies möglich ist, sollen die Betriebsärzte das Impfen übernehmen. Man bereite sich bereits organisatorisch darauf vor. Bis dahin können sich die Mitarbeiter testen lassen, es gibt eigene Testcontainer vor Ort. Die „Werbelüge“ Freilaufkühe wird nicht weiterverwendet. Nach der Verleihung des „Goldenen Windbeutels“ 2020 durch Foodwatch für den Hochlandkäse „Grünländer“ habe man den Terminus gestrichen, der Begriff könne irreführend sein, wenn man nicht so genau hinsieht.

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