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Ein Überblick, wo die weltweit rund 6800 Hoerbiger-Mitarbeiter arbeiten. Deutschland ist noch vorne.

Ziele bis 2020 vorgestellt

Hoerbiger plant das „Super-Wachstum“

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Eine massive Wachstumsstrategie verfolgt der Hoerbiger-Konzern. Bis zum Jahr 2020 soll der Umsatz um satte 45 Prozent auf dann 1,5 Milliarden Euro steigen, so das ehrgeizige Ziel. An den Standorten Schongau und Penzberg sollen bis zu diesem Zeitpunkt 120 neue Stellen geschaffen werden.

Schongau – Zuletzt war der Umsatz von Hoerbiger stabil: Von 1,05 Milliarden Euro im Jahr 2013 ging es über 1,09 und 1,12 Milliarden in den Folgejahren leicht nach oben, ehe 2016 wieder ein Rückgang auf 1,07 Milliarden folgte. „Wachstum war nicht unser oberstes Ziel“, sagt Thomas Englmann, Leiter des Bereichs Antriebstechnik (neu: Drive Technology) und Mitglied der Konzernleitung. Damit soll jetzt Schluss sein: „Die positive Botschaft: Wir starten ein Super-Wachstum und brauchen dafür zusätzliche Mitarbeiter.“ Die Rendite sei dabei nachrangig, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Bei den sogenannten Synchronisierungen im Autogetriebe, der hochwertigen Verbindung zwischen Motor und Reifen, ist Hoerbiger nach eigenen Angaben Weltmarktführer. „Diese Synchronisierungen sind wichtig für den Komfort beim Fahren und schnelles Schalten“, erklärt Englmann. Und weil der mittlerweile weltweit größte Markt in China boomt ohne Ende, ist Englmann optimistisch, die Ziele für 2020 zu erreichen. Dank eines Joint Ventures in Shanghai habe Hoerbiger seinen Marktzugang vor Ort erheblich verbessert, so Englmann. „Das hat uns einen großen Schub gegeben und war ein Meilenstein. Damit haben wir verstärkt Projekte gewonnen.“

Thomas Englmann, Leiter Hoerbiger Antriebstechnik.

Vom berühmten Wissens-Transfer der Chinesen hat der Hoerbiger-Bereichsleiter keine Angst. „Wenn man alles allein im stillen Kämmerlein macht, hat man keinen Erfolg.“ Da habe sich die weltweite Entwicklung geändert, es gehe nur zusammen. Aber bei dem Joint Venture in China behalte jeder der beiden Partner seine eigenen Werke, beruhigt Englmann. „Die letzten und wichtigsten Technologieschritte des Produkts bleiben in unserer Hand.“

Bereits in drei Jahren werde das chinesische Werk das größte im Hoerbiger-Konzern sein. Doch das sei kein Nachteil für die heimische Region, im Gegenteil: „Zum einen haben wir das Know how hier, zum anderen ist die Nachfrage in China so groß, dass wir die Teile dafür auch hier produzieren müssen, weil wir in China gar nicht so schnell wachsen können.“ Außerdem seien die Produktionskosten gar nicht mehr so unterschiedlich wie früher, weil die in China stark gestiegen seien. Weilheim-Schongau sei mit mehr als 1500 der weltweit 6800 Mitarbeiter der größte und wichtigste Standort in Deutschland und werde das auch bleiben. „Nirgendwo sonst haben wir alle Unternehmens- und Geschäftsbereiche an einem Ort zentriert wie hier“, so Englmann.

Das zeige sich auch in den Investitionen in Schongau. Für den Anbau an die bestehende Stanzhalle im Werk 1 an der Bernbeurer Straße sowie den Neubau einer Produktionshalle seien seit 2016 bis ins nächste Jahr rund 30 Millionen Euro eingeplant. Die Halle ist bereits fertig, jetzt sollen nach und nach die Maschinen in Betrieb genommen werden. „Unser Teile-Output soll sich um über 50 Prozent steigern“, kündigte Englmann an.

Dafür werden rund 120 Mitarbeiter benötigt – auch in Penzberg, wo laut Englmann ebenfalls noch Kapazitäten frei sind. Doch qualifizierte Kräfte sind rar, selbst bei den Auszubildenden – Hoerbiger hat derzeit rund 100 Lehrlinge – spürt das Unternehmen den Kampf um die Köpfe. Zum Teil kommen die Mitarbeiter von weit her (siehe Kasten). Um die bereits jetzt bestehende Aufgabenlast zu bewältigen, müsse beispielsweise im Antriebstechnik-Werk an der Martina-Hoerbiger-Straße derzeit sieben Tage die Woche gearbeitet werden. „Das ist kein Spaß“, weiß Englmann und bedankt sich für die Flexibilität, um die derzeit anfallenden Projekte zu bewältigen. Dafür habe man mit dem Betriebsrat auch eine Erfolgsprämie ausgehandelt. „Es ist ein Geben und Nehmen“, so Englmann.

Das Thema Elektromobilität hat Hoerbiger fest im Auge, versichert Englmann. „Natürlich fragen wir uns, ob ab 2030, was eine gewisse Schlüsselzahl ist, unsere Produkte noch gebraucht werden.“ Doch man habe bereits ein Projektteam gebildet, das sich mit diesen Fragen befasse und bereits Kupplungssysteme fertige. Aber er ist sich sicher, dass man das derzeitige Geschäft noch 20 bis 30 Jahre betreiben werde.

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