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Weil es an Personal fehlt: Schongauer Hort kann keine neuen Kinder mehr aufnehmen

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Von: Elena Siegl

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Eine professionelle Kinderbetreuung wünschen sich viele Eltern. Doch in den Randzeiten wird es schwierig: Mit Blick auf den Erziehermangel setzen Kitas ihr knappes Personal lieber in den Kernzeiten ein.
Viele Eltern sind auf die Fremdbetreuung ihrer Kinder angewiesen. © Beispielfoto: Uwe Anspach/DPA

Eltern, die ihre Kinder eigentlich ab September im Hort betreuen lassen wollten, haben von den Clara-Fey-Tagesstätten Absagen bekommen. Die Einrichtungsleiterin bedauert das, doch vor allem im Hortbereich gestalte sich die Suche nach Personal schwierig. Man habe nichts unversucht gelassen.

Schongau – „Ich hätte den Familien gerne etwas anderes gesagt“, betont Caroline Albrecht, Leiterin der Clara-Fey-Tagesstätten in Schongau. Doch ihr blieb keine andere Wahl, als den Eltern, die ihre Kinder ab September im integrativen Hort betreuen lassen wollten, abzusagen. Wegen des großen Fachkräftemangels, speziell im Hortbereich, könne man leider „derzeit keine neuen Kinder aufnehmen“, hieß es in der Nachricht. Zehn Kinder sind betroffen, ein elftes konnte mittlerweile in der Ganztagsschule untergebracht werden. Bei zwei Kindern könnte es sein, dass sie durch die Kündigung einer anderen Familie in den Hort nachrücken können, sagt Albrecht auf Nachfrage.

Viele Eltern auf Fremdbetreuung angewiesen

Eine Familie hatte sich an die Heimatzeitung gewandt, um auf die schwierige Betreuungssituation in Schongau aufmerksam zu machen. Das Kind der Familie sollte im September eigentlich in die Schule kommen, nach der Absage des Horts habe man mit dem Kindergarten eine Lösung gefunden, dass es noch ein Jahr die Vorschulgruppe besuchen kann. Weil die Mutter im Marie-Eberth-Altenheim in Schongau arbeite und der Vater eine Ausbildung mache, seien sie auf eine Fremdbetreuung fürs Kind angewiesen, erklärt eine Flüchtlingshelferin aus Schongau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, in Vertretung für die Familie. Dass ein Elternteil daheim bleibt, sei aus finanziellen Gründen nicht möglich, sagt sie. So gehe es wohl vielen jungen Familien. Zwar habe man statt des Horts auch eine Mittagsbetreuung in Erwägung gezogen, doch die Betreuungszeiten seien zu kurz.

Die Schuld an der derzeitigen Situation sieht die Familie ausdrücklich nicht bei den Clara-Fey-Tagesstätten, die als einzige Einrichtung in Schongau überhaupt Hortplätze anbietet – „sie sind dort selber sehr verzweifelt“. Aber man erhoffe sich eine Verbesserung der Lage, indem man darauf aufmerksam mache.

Personalsituation seit vielen Jahren angespannt

Viele Eltern würden trotz allem mit Verständnis reagieren, sagt Albrecht. „Die Personalsituation ist seit Jahren in vielen Einrichtungen angespannt.“ Besonders aber im Hortbereich. Woran das liege, sei schwer zu sagen. Zum einen sei das Berufsbild aus finanziellen Gründen wenig attraktiv. Deswegen gebe es auch kaum Männer – „obwohl es gerade im Hort doch sehr wünschenswert wäre“.

Zum anderen würden die Arbeitszeiten abschrecken. Die Mitarbeitenden seien in der Regel Frauen, oft mit eigenen, kleinen Kindern. Sie würden es freilich bevorzugen, vormittags in der Kita zu arbeiten – wo auch großer Bedarf herrscht – statt bis abends im Hort.

Tatsächlich habe man alles versucht, um Personal zu finden: „Anzeigen in Printmedien, Aufrufe im Internet, Social-Media-Postings – von Facebook über Instagram bis hin zum WhatsApp-Status“, zählt Albrecht unter anderem auf. Zwei Kolleginnen gestalteten ein Banner, das sie am Zaun der Tagesstätte aufhängten. Dadurch habe man sogar eine neue Kollegin für die Krippe gefunden. In Sachen Hort verliefen bislang alle Bemühungen ohne Erfolg.

Man will auch nicht alle Bewerber einfach übernehmen

Auf Zwang jeden Bewerber anstellen, mag man in der Tagesstätte auch nicht. Der Bewerber müsse qualifiziert sein, der Umgang mit den Kindern und dem Team müsse passen, darauf achtet Albrecht trotz allem.

Der Träger – die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg – sei bei allen Entscheidungen mit an Bord. Obwohl die Tagesstätte keine städtische Einrichtung ist, stehe man auch mit dem Rathaus in engem Kontakt. Auch dort bedauert man, dass Familien Absagen für den Hort bekamen. Der Elternbeirat habe sich auch schon erkundigt, ob er etwas tun könnte, so Albrecht. Doch alle Möglichkeiten seien ausgeschöpft. Man könne leider keine Fachkräfte aus dem Hut zaubern. Die Hoffnung, gute Mitarbeitende zu finden, hat sie dennoch nicht aufgegeben.

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