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Nicht mehr ganz so optimistisch sieht man im Oberland in die Zukunft

IHK: Herbstumfrage im Oberland

Konjunkturflaute erfasst den Landkreis

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Der Konjunkturabschwung macht vor dem Landkreis nicht Halt: „Der Optimismus der Wirtschaft ist verflogen“, warnt die IHK. Das zeigt die Herbstumfrage bei den Unternehmen im Oberland.

Landkreis – Deutschlands Konjunkturmotor stottert. Auch im Landkreis. Dies war beim ersten IHK-Wirtschaftsempfang in Weilheim von Prof. Clemens Fuest zu hören: Der Chef des ifo-Instituts sprach vom „Patient Wirtschaft“. Zwar erwartet der Experte keine gravierende Konjunkturdelle. Aber: „Es geht mit ein bisschen Gerumpel weiter.“ Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern bekam es bei ihrer Herbstumfrage bestätigt: Die Erwartungshaltung ihres Klientels, 9025 Unternehmen im Landkreis sind Mitglied, hat sich verschlechtert. „Der Optimismus der Unternehmen lässt zusehends nach. Die konjunkturellen Alarmzeichen aus der Industrie greifen immer mehr auf andere Branchen über“, so Reinhold Krämmel, Sprecher des IHK-Forums für die Region Oberland. „Der Abschwung zeichnet sich bereits ab“, ergänzt Jens Wucherpfennig, Leiter der Geschäftsstelle in Weilheim.

Betriebe im Tourismus sind noch zufrieden

Befragt wurden Firmen im Landkreis sowie in Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Garmisch-Partenkirchen. Während die Betriebe – gerade im Tourismus – mit ihrer Geschäftslage noch zufriedener sind als im Frühjahr, fallen die Prognosen für die kommenden zwölf Monate deutlich schlechter aus. Aktuell rechnen laut IHK nur 14 Prozent der Befragten mit einer Geschäftsbelebung, zuletzt waren es 33 Prozent.

„Derzeit machen der Wirtschaft mehrere, vor allem außenpolitische, Störfaktoren zu schaffen“, sagt Weilheims IHK-Leiter Wucherpfennig über Handelskonflikte, „die Querelen um den Brexit“, einen rückläufigen Welthandel und strukturelle Probleme im Fahrzeugbau. Gerade die Krise der Automobilbranche wirke sich auf heimische Betriebe aus. „Unseren Zulieferern in der Region bläst natürlich ein spürbar kühlerer Wind ins Gesicht, da gibt es keine Ausnahme“, sagt Wucherpfennig. „Vor allem, wenn sie Partner im Antriebsbereich sind.“ Für diese Firmen gelte auch, dass sie sich auf neue Trends wie Elektromobilität sowie autonomes Fahren einstellen müssen.

Flaute wahrscheinlich zuerst bei den Zulieferern

Wucherpfennig geht davon aus, dass zuerst die Zulieferer der verarbeitenden Industrie die Flaute abbekommen. Auch Transport- und Logistikunternehmen geraten ins Visier. „Momentan ist der Handel damit noch nicht konfrontiert“ – weil wegen der guten Beschäftigungslage und hohen Einkommen der private Konsum in einer „komfortablen Situation“ sei.

„Alle Unternehmen werden vorsichtiger“, stellt der Weilheimer Manager Dietmar Ahl fest. Der Geschäftsführer des metallverarbeitenden Mittelständlers Bechtold ist Vorsitzender des Unternehmerkreises Oberland/Region Weilheim mit circa 60 Mitgliedsbetrieben und rund 6500 Mitarbeitern. Derzeit würden Lagerbestände abgebaut, was die Zulieferer spüren: „Es wird später und in kleineren Mengen bestellt.“ Von einer Krise will der Manager allerdings nicht sprechen. „Panikmache ist nicht angesagt“, betont Ahl. Er spricht aber bei der Nachfrage von einer „Eintrübung“ – die laut IHK-Umfrage fast jedes zweite Unternehmen als ein Risiko betrachtet. Die Entwicklung spürt Ahls Betrieb Bechtold mit über 100 Mitarbeitern und rund 16 Millionen Euro Jahresumsatz: „Wir sind mit Entscheidungen sehr vorsichtig.“ Zwar habe man noch nichts verloren, die Kunden seien jedoch zurückhaltender geworden.

Gedämpfte Geschäftserwartung

Die gedämpfte Geschäftserwartung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus. „Es ist davon auszugehen, dass die Unternehmen ihre Personalplanung herunterfahren werden“, erwartet IHK-Mann Wucherpfennig. Weil mittelfristig Dienstleister und der Handel die Flaute spüren werden, „müssen wir mit einer Art Dominoeffekt rechnen“. Im Oktober lag die Arbeitslosenquote im Landkreis bei nur 1,9 Prozent. „Nach wie vor zeigt sich unser Arbeitsmarkt aufnahmefähig“, bilanzierte Michael Schankweiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weilheim, zufrieden. Doch das dürfte sich ändern. Die Arbeitgeber meldeten der Behörde schon jetzt weniger neue Stellen, der Bestand schrumpfte. Nur noch elf Prozent der Unternehmen möchten zusätzliches Personal einstellen, heißt es bei der IHK. „15 Prozent will hingegen Stellen streichen.“

Die Kammer schlägt Alarm: „Unsere Wirtschaft braucht jetzt dringend Investitionsanreize“, fordert Forums-Sprecher Krämmel. Er zählt bessere Abschreibungsregelungen, niedrigere Steuersätze und Strompreise sowie mehr Digitalisierung auf.


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