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Kerstin und Dennis aus München sind das erste Mal auf dem Gelände des Bike-Parks in Schongau.

Bike-Park in Schongau kommt gut an

Wenn Liebe durch die Pedale geht

Ende September 2016 wurde der Bike Park an der Schärflshalde feierlich eröffnet. Von den einen herbeigesehnt, von anderen argwöhnisch beäugt. Bis zur Winterpause wurde auf dem Parcours so manche heiße Runde gedreht. Hält die Begeisterung nach der Winterpause an, oder ist sie längst wieder verflogen? Wir haben einen Nachmittag vor Ort verbracht.

Schongau – „Jetzt hoffe ich, dass der Bike-Park gut angenommen wird“, sagte am Eröffnungstag vor acht Monaten Bürgermeister Falk Sluyterman, bevor er mit einigen Stadträten das rote Startlinienband durchschnitt. Danach wurden alle Erwartungen übertroffen, der Bike-Park wurde zur Pilgerstätte für die Pedalritter. Doch dann kam die Winterpause, die Tore wurden geschlossen. Jetzt wurde die große Eingangstüre wieder geöffnet.

„Gott sei Dank“, so der Kommentar von Stefanie, einer jungen Mutter aus Schongau, die es sich mit ihrer Schwägerin Lena auf einer der rustikalen Holzbänke gemütlich gemacht hat. Beide Frauen habe diesen Logenplatz eingenommen, um die Fahrkünste von den Sprösslingen Maximilian (8) und Luis (6) zu verfolgen. Die beiden Jungs konnten es gar nicht erwarten, wieder auf die Strecken zu gehen. Die Piste bestens präpariert und gepflegt, warme Temperaturen, Sonnenschein pur. Die Jungs in ihrem Element. Mutter Stefanie und Tante Lena ebenfalls, denn hier kann in aller Ruhe Gesprächsstoff abgearbeitet werden.

Dazugesellt hat sich jetzt Leonhard (9) aus Hohenfurch. Er ist mit Mutter Angie nach Schongau geradelt, verbringt dort auf dem Bike-Park fast vier Stunden und radelt nach heiß gedrehten Runden wieder in die Schönachgemeinde zurück. Respekt und Hut ab! Und ein Dank an Mutter Angie. Sie beschreibt den Bike-Park als Zauberwort. Will sie ihrem Leonhard eine Freude machen, muss sie nur die Schärflshalde ins Spiel bringen. Dann ist er sofort Feuer und Flamme.

Moritz darf vier Tage Ferien bei Oma & Opa in Peiting verbringen, um auf den Strecken einen Film zu drehen.

Ein Ferienwunsch geht für Moritz (13) aus München in Erfüllung. Er darf vier Tage bei seinen Großeltern in Peiting verbringen, um täglich auf dem Bike-Park in Schongau zu trainieren. Moritz ist begeisterter Mountainbike- Fahrer, alleine seine Ausrüstung spricht Bände. „Leider haben wir in München keine vergleichbare Anlage“, erzählt der junge Sportler. Nur in Allach ist eine kleine Anlage. Aber das hier in Schongau ist Mekka. Großvater Ingbert hält derweil die kleine Pausenstärkung für Moritz bereit. Butterkekse & Lemon-Sport sollen seinen Enkelsohn in den verdienten Pausen wieder aufmöbeln.

„Das hier läuft alles so super unbürokratisch. Man kommt her und fährt einfach“, bemerkt Ingbert. Moritz genehmigt sich jetzt eine Pause. Er will an diesem Nachmittag alle Trails abfahren. Mehrmals. Moritz hat an seinem Lenker eine kleine Kamera angebracht, um die Fahrten zu filmen. Sein Ziel in den vier Tagen ist es, einen kleinen Film zu drehen, um ihn dann ins Internet zu stellen. „Alles, was ich bisher auf YouTube gesehen habe, hat mich nicht vom Hocker gerissen“, erzählt er. Deshalb will er es verbessern.

Dann kann ihn auch seine Oma bewundern, die er absichtlich zuhause gelassen hat. „Oma würde einen Satz Eier legen, wenn sie mich so fahren sehen würde“, erzählt Moritz. Nimmt einen kräftigen Schluck aus der Flasche und ab Richtung Cross Country Strecke.

„Wenn ich nochmals 15 wäre, würde das hier mein neues Zuhause werden“, erzählt mit voller Begeisterung Dennis (40). Der sportliche Mann ist an diesem Tag mit Freundin Kerstin (26) extra aus München angereist, um im Bike-Park an der Schärflshalde zu trainieren. Dennis hat in den Mountainbike-News auf der Onlineseite einen Bericht über Schongau gelesen. „Ganz klar, dass ich mir selbst ein Bild von der Anlage machen wollte“, erzählt er. Also auf nach Schongau. Der Tag geradezu ist ideal.

Mit im Schlepptau Freundin Kerstin. „Die Liebe muss durch die Pedale gehen“, könnte man bei den beiden sagen. Denn Dennis filmt viele Passagen, die Kerstin abradelt. Gibt ihr immer wieder Ratschläge und bespricht mit ihr die Filmstücke auf dem Handy. Kerstin dankt es mit hochrotem Kopf und gelegentlichem Nicken. Bemerkenswert. Die beiden fahren selbst alle Passagen von ganz unten wieder nach oben.

„Es ist traurig, dass man über 90 Kilometer fahren muss, um so eine Anlage in diesem Top-Zustand zu finden“, bemerkt Dennis in einer Verschnaufpause. Er urteilt weiter, dass dieser Park super gepflegt und vor allem für jeden etwas dabei ist. „Dieser Sport ist immer mehr im Kommen, deshalb hat Schongau damit den richtigen Riecher gehabt. Bei uns in München wäre diese Anlage übervoll“, so seine abschießende Bemerkung.

Hans-Helmut Herold

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