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Ehrung bei den Imkern: Alexander Romm (2.v.l.) vom Ortsverband Peiting wurde bei der Frühjahrsversammlung für 15-jährige Mitgliedschaft mit der Ehrennadel in Bronze und Urkunde des Deutschen Imkerbundes ausgezeichnet. Mit auf dem Foto sind (Von links) Kreisvorsitzender Norbert Moser, Referent Donat Waltenberger und Ortsvorsitzender Wolfgang Turansky. 

Imker-Frühjahrsversammlung

Imker im Raum Schongau kämpfen weiter gegen Varroamilbe

Bei den Imkern im Landkreis steht der Kampf gegen die Varroamilbe heuer ganz im Vordergrund. Das wurde bei der Frühjahrsversammlung in Schwabbruck deutlich.

Schwabbruck – Im Kampf gegen die Varroamilbe ist es notwendig, dass alle Bienenvölker gleichzeitig flächendeckend behandelt werden, um eine Re-Invasion zu vermeiden. Experte Donat Waltenberger appellierte wie auch der Weilheim-Schongauer Kreisvorsitzende Norbert Moser an alle Imkerkollegen, auch wenn sie nicht in einem Verein organisiert sind, eng zusammenzuarbeiten.

Wichtig ist ebenso, dass leer stehende Bienenstöcke dicht gemacht werden. Nur so könne sicher gestellt werden, dass dort keine Schwärme einziehen, sich die Varroa explosionsartig vermehre und Nachbarvölker gefährdet werden.

Noch nie gesehene Bilder über das Leben der Varroamilbe zeigte den Anwesenden dann Donat Waltenberger in seinem Streifen „Varroa, die Bestie im Bienenvolk“. Die Makroaufnahmen machten deutlich, was man ohne Vergrößerung mit dem Auge nicht erkennen kann: Angefangen von der Vermehrung in den Brutzellen über das aggressive Verhalten gegenüber der Brut und den Jungbienen bis hin zur Verstümmelung, was zum Zusammenbruch der Bienenvölker führen kann.

Allein schon die Verkotung der Wabenzellen stellt eine starke Belastung dar. So bekamen bei der Frühjahrsversammlung der Imker im Kuhstall des Schäferwirts in Schwabbruck die über 100 Bienenzüchter wichtige Ratschläge und Beobachtungen zum Bienenvolk und über zwei Stunden einzigartige Bilder zu sehen.

Der heute 88-jährige frühere Kreisvorsitzende aus dem Unterallgäu ist ein quirliges Beispiel dafür, dass die Imkerei jung hält. Schon mit neun Jahren interessierte er sich für die Immen am Bienenstand bei seinem Lehrer, der dem wissbegierigen Buben das Rüstzeug mitgab. So stellte er schon 1947 seine ersten beiden eigenen Völker daheim auf und errichtete 1949 ein Haus für 24 Völker.

In den späteren Jahren betreute er neben seinem Beruf 134 Bienenvölker. In jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wie dem Nobelpreisträger Karl Ritter von Frisch und den Professoren Martin Lindauer und Karl Dauner betrieb Donat Waltenberger wertvolle Forschung. Seinen ersten Film drehte er 1960, und seit 1964 hat er seinen Lehr- und Versuchsbienenstand. Seine Filme hatten wesentlichen Anteil bei der Bekämpfung der bösartigen Faulbrut, der Wachsmotte und der Bienenlaus.

Schon Christoph Karl Sprengel, der Entdecker der Blütenbiologie, zählte die Bienen neben Pferd und Rind zu den drei wichtigsten Tieren.

Beeindruckend und interessant für die Obstbauern waren in Schwabbruck auch die Markoaufnahmen von der Bestäubung der Apfelblüten. Versuche in landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayern und der Schweiz haben unter Beweis gestellt, dass sich ohne Bestäubung nichts entwickle.

Für die Entwicklung der Bienen im Frühjahr sei das Pollenangebot von großer Bedeutung. Hochwertigen Pollen haben vor allem Krokusse, Märzenbecher und Winterlinge. Besonders wichtig für die Frühtracht sind die blühenden Weidekätzchen. Ebenso sollte am Bienenstand eine Tränke stehen.

Eindrucksvoll waren auch die Bilder, wie die Bienen mit eigenem Honig den trockenen Pollen der Windblütler wie Haselnuss klebrig machen und den Pollen von den Beinen ihrer Stockgenossinnen verzehren. Einzigartige Dokumente für die Erforschung der Bienen und ihre Verhaltensweise.

Ganz im Zeichen der Biene steht der weitere Jahresverlauf. So wartet der Schwäbische Imkertag am 10. Juni in Marktoberdorf mit interessanten Vorträgen unter dem Titel „Wie wird mein Garten ein Paradies für Bienen, Hummeln und Co.“. Es verwandeln ja gerade die bienenfreundlichen Saatmischungen, Bäume und Sträucher den Garten in ein Paradies und vermitteln das Gefühl von Heimat. Vielleicht wecken auch die Vorträge „Einfach imkern – extensive Bienenhaltung in der Praxis“ von Stefan Berg vom Fachzentrum Veitshöchheim oder „Wellness für den Imker“ von Fachberater Johann Fischer das Interesse an der Bienenzucht. 

Geplant ist vom Kreisverein Schongau eine Fahrt zur Landesanstalt für Bienenkunde nach Stuttgart-Hohenheim am 24. Juni. Anlässlich des Jubiläums 60 Jahre Imker-Votivkerze auf dem Hohen Peißenberg wird die Ambrosiusmesse am 9. Dezember wie im Jahre 1958 von der Blaskapelle Burggen feierlich umrahmt. 

Kreisvorsitzender Norbert Moser stellte bei der Versammlung in Schwabbruck erfreut fest, dass die 176 Mitglieder insgesamt 1456 Bienenvölker im Altlandkreis Schongau betreuen. Dankbar war man bei der Schongauer Tafel über die gespendeten 260 Gläser einheimischen Honigs im Wert von 1560 Euro. Schriftführerin Hildegard Meßmer gab bekannt, dass Astrid Flemnitz aus Bernbeuren zur Honigprüffrau ausgebildet wurde. Sie dankte dem Kreisvorsitzenden Norbert Moser für seinen unermüdlichen Einsatz und Wolfgang Turansky für die Bildungsveranstaltungen. 

Mit der Ehrennadel in Bronze für 15-jährige Mitgliedschaft konnte Alexander Romm vom Ortsverband Peiting ausgezeichnet werden. Diese Auszeichnung erhält ebenso Peter Herz aus Hohenfurch, der verhindert war.

Gerhard Heiß

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