Beim Rundgang am ehemaligen Münzgebäude: Schongaus stellvertretender Stadtbaumeister Robert Thomas erläuterte Interessierten den Umbau zur Fronveste.
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Beim Rundgang am ehemaligen Münzgebäude: Schongaus stellvertretender Stadtbaumeister Robert Thomas erläuterte Interessierten den Umbau zur Fronveste.

Tag der offenen Tür im Münzgebäude

Schongauer konnten in die Geschichte der Fronveste eintauchen

Das Münzgebäude ist eines der ältesten Bauwerke in Schongau. Einige Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Hinter den Mauern der Fronveste verbirgt sich seit einiger Zeit eine moderne Arbeitsumgebung für Mitarbeiter des Landratsamtes. Bei einem Tag der offenen Tür durften Interessierte die Räumlichkeiten besichtigen.

Schongau – Lange war unklar, was mit dem Münzgebäude, das einst als Fronveste diente, passiert, nachdem die Polizei 2008 aus dem Gebäude ausgezogen war. „An Ideen mangelte es nicht“, verriet Bürgermeister Falk Sluyterman zu Beginn seiner Rede zum „Tag der offenen Tür“ am Münzgebäude.

Dennoch habe die Stadt lange keinen passenden Ankermieter gefunden. Das änderte sich 2017, als das Landratsamt auf der Suche nach weiteren Büroräumen war. „Damals sah das Gebäude nicht so freundlich aus, aber es hat so viel Charakter ausgestrahlt“, erinnerte sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß an die ersten gemeinsamen Besichtigungen des Hauses.

Im Februar 2019 war Spatenstich, 2020 startete der Einzug

Das Anliegen des Landratsamtes, mit mehreren Abteilungen dort einzuziehen, kam beim Schongauer Stadtrat gut an. Um eine adäquate Nutzung zu ermöglichen, wurde die Sanierung in Angriff genommen. Im Februar 2019 war der erste Spatenstich, 2020 konnten die Räumlichkeiten bezogen werden.

Dass die Öffentlichkeit erst jetzt Einblicke bekam, ist der Pandemie geschuldet. „Wenn man in die Stadt fährt, kommt man zwangsläufig hier vorbei“, betonte Sluyterman die Relevanz des Gebäudes, dessen Außenwand die Stadtmauer ist. „Jetzt lässt es sich wirklich zeigen“, lobte er die Leistungen aller beteiligten Planer und Bauunternehmen.

Punktlandung bei den Kosten

„Die Räume sind komplett neu gemacht“, erklärte das Stadtoberhaupt, dass 16 moderne Arbeitsplätze entstanden seien. Auch die Außenanlage wurde umgestaltet und hat zahlreiche Blumenbeete, Sitzmöglichkeiten und sogar einen Kräutergarten bekommen.

Bei den Kosten sei dem stellvertretenden Stadtbaumeister Robert Thomas „nahezu eine Punktlandung“ gelungen, so der Bürgermeister. Die Instandsetzung des Gebäudes kostete 2,8 Millionen Euro, wovon 902 000 Euro von der Regierung von Oberbayern gefördert wurden. Die Arbeiten an den Außenanlagen summierten sich auf eine Million Euro, hier gab es 495000 Euro an Zuschüssen.

Vom Dachstuhl bis zum Keller viel zu entdecken

Gemeinsam mit Thomas durften die Besucher den ganzen Tag über Führungen durch das Haus erleben. Er hatte viele interessante Details zu berichten. Los ging es im Turmsaal im Dachgeschoss: „Der Dachstuhl war etwas schlechter als anfangs erwartet“, erläuterte Thomas. Dennoch sollte die Originalsubstanz erhalten bleiben.

Die Lösung: Ein komplett neuer Dachstuhl wurde außen aufgesetzt, der bisherige daran befestigt. So sind die alten Balken nun ein Detail, das gut sichtbar den Raum des Saals ziert und so den historischen Charme versprüht.

Schwierige Sache mit der Haustechnik

Auch Mauerteile der Krone des historischen Turms wurden unverkleidet gelassen und gut sichtbar durch ein Oberlicht zusätzlich in Szene gesetzt. Gemeinsam mit einem dunklen Boden und einem trickreichen Lichtkonzept entsteht im Saal, der angemietet werden kann, eine ganz besondere Atmosphäre. Thomas ist begeistert von dem Ergebnis: „Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

Der Denkmalschutz sei immer zu beachten gewesen. Nicht überall konnte die Haustechnik einfach verlegt werden. Im Erdgeschoss fand die Heizung im Boden Platz, im ersten Stock hinter einer vergitterten Verkleidung. Auch in Einbauschränken wurde Technik versteckt.

Bei Farbgebung an Sehbehinderte gedacht

Der Aufzug stellte ebenfalls eine Herausforderung dar. Er soll außerhalb der Öffnungszeiten des Landratsamts nur Erdgeschoss und Saal anfahren und sich zugleich in die Optik des Dachgeschosses integrieren. Dieses Problem wurde durch eine gläserne Hülle gemeistert.

Schwierig sei es außerdem gewesen, die Barrierefreiheit zu gewährleisten. Doch durch Aufzug, breite Türen und zwei barrierefreie Toiletten sei dies in enger Absprache mir dem Verein „Rolliwelten“ gelungen.

Viele historische Details sind zu entdecken

Bei der Farbgebung wurde außerdem an Sehbehinderte gedacht: Als Kontrast zu dem Hellblau und Weiß der Wände, die in Anlehnung an eine der vielen alten Farbschichten gewählt wurden, sind die Türen dunkel.

Immer wieder sind historische Details geblieben, wie in einem Büro, in dem der Durchgang zum ehemaligen Wehrturm zu sehen ist: Eine alte Zellentür aus Holz aus dem späten 19. Jahrhundert im Flur des Erdgeschosses erinnert ebenfalls an die Vergangenheit. Andere spannende Funde wie ein Weg aus Bachkieseln oder Feuerstellen sind zwar nicht mehr sichtbar, Archäologen haben jedoch alles penibel notiert.

Zahlreiche Büros im Haus vertreten

„Wir fühlen uns wohl hier“, verriet Claudia Altersberger, die im Pflegestützpunkt arbeitet. Neben diesem sind auch die Seniorenfachstelle, die Betreuungsstelle, die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie die Qualitätsentwicklung und die Heimaufsicht in der Münzstraße 48 ansässig.

URSULA GALLMETZER

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