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Wegen Corona: Maler sattelt um auf Atemmasken

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Von: Jörg von Rohland

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Im Malerbetrieb wird jetzt genäht © Herold

Seine Mitarbeiter müssen nicht Däumchen drehen, und die Ärzte und Pflegekräfte in Schongau und Umgebung bekommen das, was sie am dringendsten benötigen: Maler Gerhard Wöhnl lässt in seinem Geschäft an der Münzstraße ab sofort Atemmasken zum Schutz gegen das Coronavirus fertigen. Reich werden will er dabei aber nicht.

Schongau/Ingenried – Ein Fernsehbericht aus Frankreich hatte Wöhnl auf die Idee gebracht: Dort war ein Schneider, der üblicherweise Kostüme fürs Theater näht, wegen des Coronavirus beschäftigungslos geworden. Kurzerhand stellte der Franzose seine Produktion auf Atemmasken um, die weggingen wie warme Semmeln.

Auf den Zug springt jetzt auch Wöhnl auf. Er holte sich Rat, wie so eine Maske auszusehen hat und welches Material am besten geeignet ist. Ein Experte empfahl ihm einen antibakteriellen Stoff, der bei 60 Grad gewaschen werden kann. Deshalb sind die Masken, die Wöhnls Mitarbeiter jetzt nähen, auch wiederverwendbar. Die Größe lässt sich individuell für jedes Gesicht anpassen, Bakterien werden auf der Masken-Oberfläche abgetötet.

Umstellung war gar nicht mal so groß 

Die neun Maler aus dem Schongauer Betrieb haben derzeit auf den Baustellen noch genug Arbeit. Das Geschäft an der Münzstraße musste aber wie so viele andere schließen. Für die Beschäftigten meldete der Unternehmer Kurzarbeit an. Das könnte sich aber wieder ändern, „wenn sich das mit den Masken einspielt“, hofft Wöhnl.

Üblicherweise gehen in dem Laden Farben, Lacke und Tapeten über die Theke, auch Stoffe sind im Angebot. Und weil das Geschäft den Kunden obendrein einen Nähservice anbietet, war die Umstellung auf die Masken für die Beschäftigten gar nicht mal so groß. 20 bis 30 Minuten Arbeit plus Material stecken laut Wöhnl in einer Atemschutzmaske, die jetzt für 8 Euro das Stück verkauft wird. „Ich verdiene nichts damit, es geht mir nur darum, meinen Mitarbeitern zu helfen“, versichert ihr Chef.

Die ersten 30 Stück gehen an eine Praxis im Ärztehaus

Die ersten 30 Stück bekommt eine Praxis im Ärztehaus Schongau-West. Sehnlich erwartet werden die Masken aber auch schon beim Mobilen Sozialdienst in Ingenried. Geschäftsführerin Sabine Knauth bestellte für ihre elf Mitarbeiter gleich mal 50 Stück. Damit komme sie jetzt gut über die Runden, sagt sie erleichtert.

Zuletzt hatte die Geschäftsführerin große Mühe, an neue Masken zu kommen. Bei einer ersten Bestellung im Internet habe sie für 15 Exemplare mit Filtern 460 Euro bezahlt, berichtet Knauth. Das sei zwar überteuert gewesen, aber wenigstens habe sie die Ware erhalten, sagt die Ingenriederin mit Blick auf die zweite Bestellung bei einer anderen Firma. „Da habe ich 200 Schutzmasken bezahlt und noch immer nicht erhalten.“

Schutzbrillen und Kittel sind derzeit nicht zu bekommen 

Schutzbrillen und Schutzkittel sind laut Knauth derzeit gar nicht zu bekommen. „Keine Ahnung, wie lange unsere Reserven reichen“, sagt die Ingenriederin. „Wenn hier schwierige Fälle von Corona in der häuslichen Umgebung auftreten, sind wir diesen Anforderungen wegen mangelnder Schutzkleidung maximal eine Woche gewachsen“, betont sie den Ernst der Lage.

Zwei Arbeitskräfte des Pflegedienstes hatten bereits grippeähnliche Symptome. „Zu unser aller Glück fielen die Tests negativ aus“, so Knauth, die zwei ältere Beschäftigte vorsorglich freigestellt hat, da sie zur Risiko-Gruppe zählen. Die übrigen Damen und Herren würden sich tapfer halten und ihr Bestes geben bei der Pflege und Betreuung der derzeit insgesamt 48 Patienten. „Angst haben sie keine, aber einen großen Respekt vor dieser gesundheitlichen Bedrohung.“

Die begegnet dem Sozialdienst jeden Tag aufs Neue: „Wir hatten bisher vier Patienten mit Verdacht auf Corona, zwei davon wurden ins Krankenhaus eingeliefert“, berichtet die Geschäftsführerin, die obendrein von drei Todesfällen durch „Lungenentzündung“ spricht.

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