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Dicht gedrängt standen rund 150 Interessierte vor dem Plakat des künftigen Baugebiets Schongau-Nord, an dem der Veranstalter, die CSU mit ihrem Ortsvorsitzenden Oliver Kellermann, die Bürger begrüßt.

Infoveranstaltung zu Schongau-Nord

Baustart in drei Jahren? „Sehr ambitioniert“

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Der Zustrom war überwältigend: Rund 150 Interessenten waren am Mittwochabend an den Hohen Graben nahe des Krankenhauses gekommen, um sich von Stadtbaumeister Ulrich Knecht über das geplante Baugebiet Schongau-Nord informieren zu lassen. Für die CSU als Veranstalter war die hohe Besucherzahl Beleg, wie wichtig das Thema für die Stadtentwicklung ist.

Schongau Es war eine bunte Mischung, die sich an der Wendeplatte der Marie-Eberth-Straße, also am östlichen Rand des geplanten Baugebiets, eingefunden hatte. Natürlich viele Mitglieder der veranstaltenden CSU, aber auch SPD-Stadtrat Friedrich Zeller oder Bettina Buresch von der ALS, die sich als erklärte Gegnerin des Baugebiets mit einigen Mitstreitern in grüne Bund Naturschutz-T-Shirts geworfen hatte. Auch bekannte Gesichter aus dem Baugeschäft, wie Haseitl-Geschäftsführer Thomas Schrehardt oder Eduard Machacek vom nahen Bauforum Oberland, wurden gesehen, ebenso Unternehmensberater und Ex-Hirschvogel-Chef Josef X. Baumeister. Aber auch Ex-Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl, der noch genau den Tag im Mai 2012 wusste, an dem das Thema in seiner Amtszeit auf den Weg gebracht wurde, und der sich selber dort ein Häuschen kaufen will, wie er zugab. Und auffallend viele junge Pärchen, die sich vorstellen können, einmal dort zu leben.

Knecht holte weit aus bis zum demokratischen Wandel und enttäuschte gleich einige Besucher, die wohl dachten, die Bauausweisung stehe unmittelbar bevor. Denn der Knackpunkt ist die 110-KV-Leitung, die jetzt über den landwirtschaftlichen Feldern niemanden stört, unter denen aber keiner wohnen will. „Es wird nicht einfach, das zu lösen“, so Knecht. Denn die Erdverkabelung koste 1,8 Millionen Euro, das müssten die sechs Grundstücksbesitzer bezahlen – die Stadt könne da nicht in Vorleistung gehen, wie ein Fragesteller forderte. Man werde für das komplizierte Verfahren einen Vertragsrechtler beauftragen.

Das Wohngebiet könnte auf Druck der Grundbesitzer auch noch größer werden

Könne man die Grundbesitzer nicht zwingen?, wollte ein Besucher wissen. Keine Chance, so Knecht. „Wir haben schon Glück, dass die Landwirte gesprächsbereit sind und so große Flächen abgeben wollen. Wir sind dort in keiner guten Verhandlungsposition“, stellte Knecht klar. Das zeigt sich auch in der Diskussion um die Größe des Wohngebiets. Insgesamt geht es um 150 000 Quadratmeter, wovon die Stadt laut derzeitigem Plan in fünf Quartieren aber nur 66 000 Quadratmeter mit insgesamt 21 Einzel-, 76 Doppel- und 69 Reihenhäusern (Grundstücksgröße zwischen 235 und 900 Quadratmetern) sowie einigen Wohnungen bebauen will. Das wiederum ist den Grundstücksbesitzern zu wenig – sie wollen aus finanziellen Gründen, dass deutlich mehr Bauland ausgewiesen wird. „Wir werden das für eine Einigung nach oben bringen müssen“, sagte Knecht, der Plan werde sich also mit ziemlicher Sicherheit noch ändern. Das führte prompt zu Protest von Naturschützern, denen die Verbauung einer der letzten freien Plätze mit schönem Blick auf Schongau schon mit der aktuellen Planung viel zu weit geht.

Gefragt wurde auch nach der Zufahrt, die von einer, aber auch zwei Seiten erfolgen könnte – oder auch über eine nördliche Tangente, von der Stichstraßen in die einzelnen Quartiere abgehen. Ganz wichtig war die Frage nach einem Einheimischenmodell. „Das sollten wir unbedingt machen auf den Flächen, die der Stadt gehören“, so Knecht. Das sind aber nur 15 bis 20 Prozent. Könne die Stadt nicht den Grund kaufen und alles im Einheimischenmodell anbieten? „Das wäre der beste Weg, weil wir die absolute Verfügungsgewalt hätten“, so Knecht. Das Problem: „Der Verkäufer denkt immer, er hat zu wenig bekommen. Wenn er die Grundstücke selber verkaufen will, können wir nichts machen.“ Dann müsse der Marktpreis gezahlt werden. Die entscheidende Frage, wann denn gebaut werden kann, beantwortete Knecht auch noch: „Wenn der Bebauungsplan in drei Jahren fertig ist, wäre es schon die ganz ambitionierte Lösung.“

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