Den Müll lieber aufheben, statt sich darüber zu ärgern (v.li): Gabi Dippl, Bauhofchef Guido Schneider, Daniela Puzzovio, Sergius und Andrea Hadenfeldt.
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Den Müll lieber aufheben, statt sich darüber zu ärgern (v.li): Gabi Dippl, Bauhofchef Guido Schneider, Daniela Puzzovio, Sergius und Andrea Hadenfeldt.

„Die Schongauer Erde atmet auf“

Initiative gegen die Vermüllung in der Stadt

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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„Die Schongauer Erde atmet auf“. Unter diesem Namen wird in Schongau eine Müllinitiative gegründet. Zwei Schongauer Frauen wollen sich nicht mehr länger über den vielen Müll in der Stadt ärgern, sondern stattdessen lieber selbst aktiv werden und freuen sich über viele freiwillige Helfer.

Schongau – Zwei Damen aus Schongau hätten sich in der vergangenen Woche mit einem Anliegen direkt an sie gewandt, berichtet Daniela Puzzovio, Vizebürgermeisterin in Schongau. Überall im Stadtgebiet werde Müll zurückgelassen. „Statt sich weiter darüber zu ärgern, haben sie sich entschieden, bei ihren Spaziergängen Handschuhe und eine Mülltüte dabei zu haben und den Müll einfach einzusammeln auf ihren Wegen“, so Puzzovio gegenüber unserer Heimatzeitung. „Die beiden Damen berichteten, das gute Gefühl beim Blick auf den nun sauberen Platz sei deutlich besser als der Ärger, den man vorher über den Müll empfunden habe.“

Sehr motivierte Müllsammlerinnen

Die beiden motivierten Müllsammlerinnen heißen Gabi Dippl und Andrea Hadenfeldt, unterstützt von Ehemann Sergius. „Alle Leute sagen immer nur, es sind die anderen“, formuliert es Dippl. Dabei räume man doch auch im eigenen Wohnzimmer auf. „Es ist doch unsere Stadt, in der wir uns wohlfühlen wollen“, meint sie. Und Hadenfeldt ergänzt, „sogar unsere schöne Stadt“. Das Müllsammeln habe einen ökologischen wie einen ästhetischen Wert. Die fleißigen Helfer haben ihrer Müllinitiative sogar schon einen Namen gegeben: „Die Schongauer Erde atmet auf.“

Ein klein wenig Vorbildfunktion hatte für die Gründung dieser Müllinitiative wohl auch Margarete Mayer aus Schongau-West, die 2019 zum 1. Januar eine Müllsammelaktion rund um den Brahmsplatz anschob. Mayer sei ebenfalls eine Bürgerin, „die nicht nur redet, sondern auch etwas anpackt“, so Puzzovio. Und dort sammeln die Damen schon jetzt drei Mal pro Woche.

Anliegen wird seitens der Stadt und des Bauhofs unterstützt

Für Puzzovio keine Frage, dass man das Anliegen auch seitens der Stadt und dem Bauhof unterstützen müsse: „Ich war begeistert von so viel Energie und Motivation.“ Bei einem gemeinsamen Treffen mit der Vizebürgermeisterin war rasch die Idee geboren worden, eine Müllinitiative zu gründen, um das alles auf vernünftige Füße zu stellen und eventuell auch weitere Bürger zu finden, die mitmachen.

„Ein paar Dinge gab es natürlich zu organisieren“, so Puzzovio. Wo geht der gesammelte Müll hin, könnte die Stadt Hilfsmittel wie Mülltüten oder Handschuhe zur Verfügung stellen, und wer steht als Ansprechpartner bei Fragen zur Verfügung? Gemeinsam mit Schongaus Bauhofchef Guido Schneider und Alexander Erhard von der Stadtverwaltung hatte man versucht, ein gutes Konzept mit auf den Weg zu bringen. Im Prinzip braucht es nicht viel, wie gestern bei einem aktuellen Termin am Bauhof deutlich wurde. Anmeldung und kurze Einweisung. Geplant ist, dass es ein Ersttreffen mit den Helfern gibt, bei dem über die Gefahren beim Müllsammeln wie z.B. Aufsammeln von Spritzen oder Glasscherben und auch das Arbeiten an der Straße aufgeklärt wird. „Wirklich hilfreich ist der Greifer zum Müllaufsammeln“, so Sergius Hadenfeldt. Los werden die fleißigen Helfer ihren Müll dann wieder direkt am Bauhof.

„Gute Ideen verbreiten sich schnell“

Was die Schongauer Vizebürgermeisterin sehr freut: „Gute Ideen verbreiten sich schnell: Durch persönliche Kontakte der beiden Frauen nach Peiting ist dort ein möglicher Start der gleichen Initiative im Gespräch.“ Susann Tabatabai-Schweizer wolle sich darum bemühen, berichtet Andrea Hadenfeldt.

Ein ganz aktuelles Bild aus Eingang zum Forchet-Wald

Gerade in den letzten Monaten hatte das Müllproblem im Stadtgebiet überhandgenommen. Immer wieder wenden sich auch Bürger an die Schongauer Nachrichten. Mittlerweile fährt der Bauhof sogar Sonderschichten. Warum immer mehr Müll am Straßenrand oder im Gebüsch landet – von leeren Schnapsflaschen über volle Windeln bis hin zu ganzen Wohnungseinrichtungen –, kann sich der Bauhofchef überhaupt nicht erklären. „Ist es der Missmut der Bürger? Ich erkenne überhaupt kein Raster.“ Zumindest gegen Einwegverpackungen im Stadtgebiet will man nun etwas unternehmen.
Müllberge in der Altstadt – was sich auf und neben den Abfalleimern am Marienplatz und an der Stadtmauer entlang ansammelt, sind oftmals die Überreste von Essen und Getränken zum Mitnehmen. „Seit Corona hat sich das nochmals verstärkt“, ist der Eindruck von Vizebürgermeisterin Daniela Puzzovio. Gerade bei schönem Wetter würden sich die Menschen gerne am Marienplatz aufhalten. Wie sich am vergangenen Wochenende wieder einmal gezeigt hatte, ist das unschöne Ende vom Lied eine Überfüllung der Abfalleimer vor allem durch To-go-Umverpackungen wie Pizzakartons, Dönerboxen und auch Becher.

Neuer Versuch für Recup soll gestartet werden

Puzzovio hat daher eine Aktion angeschoben: Am nächsten Wochenende wird am Marienplatz eine dementsprechend gekennzeichnete Tonne für die Einwegverpackungen stehen – erst einmal nur an diesen beiden Tagen. Jeder, der etwas konsumiert, soll dort bitte seine Kartons, Boxen oder Becher hineinwerfen – bitte ohne Essensreste. Die Gastronomen, die ihre Waren zum Mitnehmen anbieten, würden ebenfalls informiert, damit sie ihre Kunden gleich auf die Aktion hinweisen können, so Puzzovio. „Ich denke, das ist eine pragmatische Lösung und wir sind gespannt, wie sie angenommen wird.“

Ablesen kann man am Ende möglicherweise noch deutlicher, wie wichtig der Einsatz von Mehrwegverpackungen ist. Denn auch das Thema Recup will die Vizebürgermeisterin noch einmal angehen. Die ehemalige Wirtschaftsförderin Meike Petro hatte sich schon einmal darum bemüht, Anfang 2019 gab es hierzu eine gemeinsame Initiative im Landkreis. In Schongau ist das Thema, ganz offensichtlich in Ermangelung des Interesses seitens der Gastronomie eingeschlafen. In Schongau heißt es also noch immer: Abfall statt Pfand. Bis heute prangen nur zwei einsame Fähnchen auf der Straßenkarte Schongaus, die man auf der Seite von Recup aufrufen kann: in der Altstadt die Bäckerei Michl, außerhalb das Brauhaus.

Lösung auch für Dönerboxen, Pizzaschachteln leider noch nicht Mehrweg

„Wir probieren es nochmal“, so Puzzovio. Sie habe die Rahmenbedingungen bereits mit dem Landratsamt geklärt. Der Schlüssel: Es müssten nur genügend Anbieter vor Ort mitmachen. „Das Hauptproblem sind aber gar nicht die Kaffeebecher, sondern die Pizzakartons“, weiß die Vizebürgermeisterin. Es gebe hierzu zwar Forschungen, aber noch nichts Umsetzbares für eine Mehrwegverpackung. Eine Lösung könnte es dagegen für Speisen geben, die sonst etwa in einer Dönerbox mitgenommen werden. Hierfür biete das Pfandsystem Recup nun auch eigene Schalen an.

Info:

Wer selbst gerne seinen Teil zu einer sauberen Stadt beitragen möchte, kann sich bei Bauhofchef Guido Schneider melden unter der Nummer 08861/214-600.

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