Den Buzzer zum Start des ultraschnellen Internet in Schwabbruck drückte damals symbolisch Bürgermeister Norbert
 Essich vor seinem Haus. Mit ihm freuten sich (v.l.) Bernhard Multerer (Telekom-Regionalmanager),
Klaus Strauß (Technik Telekom), Karl-Heinz Staab (Telekom-Baubegleiter vor Ort), Thomas Bieger (Projektmanager Telekom) und René Repper (Telekom-Exklusivpartner
 aus Schongau).
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Aushängeschild im Landkreis Weilheim-Schongau: In Schwabbruck wurde das Glasfasernetz schon 2018 in Betrieb genommen. Den Buzzer zum Start des ultraschnellen Internet drückte damals symbolisch Bürgermeister Norbert Essich vor seinem Haus. Mit ihm freuten sich (v.l.) Bernhard Multerer (Telekom-Regionalmanager), Klaus Strauß (Technik Telekom), Karl-Heinz Staab (Telekom-Baubegleiter vor Ort), Thomas Bieger (Projektmanager Telekom) und René Repper (Telekom-Exklusivpartner aus Schongau).

Breitbandversorung der Haushalte

Schneller, aber noch nicht schnell genug: Der Landkreis Weilheim-Schongau ist das Schlusslicht im Oberland

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Nie war eine schnelle Internetverbindung für die Bürger so wichtig wie im Corona-Lockdown. Der Landkreis Weilheim-Schongau ist fürs Homeoffice mittlerweile zwar besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren. Im Oberland-Vergleich hinkt er beim schnellen Internet aber noch hinterher.

Landkreis – Vor fünf Jahren hatte der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Startschuss für das Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau gegeben. Mit dem Ziel, bis 2018 bundesweit eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s herzustellen. Das Ziel wurde bekanntlich verfehlt, und auch 2021 ist es längst noch nicht überall erreicht.

Die Zahlen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sprechen da für sich. Im jährlich aktualisierten „Breitbandatlas“ des Ministeriums werden die Lücken in der Versorgung mit schnellem Internet gnadenlos aufgezeigt. Im Landkreis Weilheim-Schongau klaffen noch einige: Ab Verbindungsraten von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und mehr wird er von den drei anderen im Oberland abgehängt.

Immerhin: 94 Prozent der Haushalte sind mit 50 Mbit/s und mehr unterwegs

Laut Breitbandatlas sind im Landkreis Weilheim-Schongau derzeit 94 Prozent der Haushalte mit 50 Mbit/s und mehr unterwegs. Damit liegt man noch im Durchschnitt des Oberlands. Ab 100 Mbit/s enteilen die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach aber schon. Besonders augenfällig wird der Rückstand bei der Versorgung mit ultraschnellem Breitbandanschlüssen von 1000 Mbit/s: 67 Prozent der Haushalte im Landkreis Miesbach sind mit entsprechenden Anschlüssen ausgestattet, in Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch Partenkirchen sind es 60 beziehungsweise 55 Prozent. Weilheim-Schongau liegt da mit 46 Prozent noch ein ganzes Stück zurück.

Nicht schlecht, aber die anderen sind besser: Im Landkreis Weilheim Schongau können zwar 94 Prozent der Haushalte 50 Mbit/s beziehen. Den Zugriff auf ultraschnelle Anschlüsse (1000 Mbit/s) hat aber nicht einmal die Hälfte.

Im Landkreis selbst ist ein klares Ost-West-Gefälle zu erkennen. Einzig die kleine Gemeinde Schwabbruck sticht im Westen mit ihrem schon 2018 fertiggestellten Glasfasernetz heraus. Jeder, der will, kann sich in der knapp 1000-Seelen-Gemeinde bis zu 1000 Mbit/s ins Haus holen. Damit hat das Dorf ein Alleinstellungsmerkmal im Pfaffenwinkel.

Auch im Osten des Landkreises sticht eine kleine Gemeinde mit ihrem Angebot heraus

Auch im Osten des Landkreises ist es eine kleine Gemeinde, die sich mit ihrem Angebot von den anderen abhebt: Obersöchering bietet fast drei Vierteln der Bürger einen Glasfaseranschluss bis ins Haus und damit Bandbreiten, von denen andere Kommunen nur träumen.

Vor allem in Wessobrunn ist die Unzufriedenheit derzeit groß. Von einem „Vorankommen“ könne beim Breitbandausbau bisher nicht die Rede sein, klagt Bürgermeister Georg Guggemos. Die notwendigen Baumaßnahmen hätten noch nicht begonnen, „und selbst die bis Herbst 2020 versprochene Feinplanung liegt trotz mehrfacher Nachfrage auch noch nicht vor“, beschreibt der Rathauschef das Dilemma, das die Bürger jetzt im Lockdown ausbaden müssen. Am Rathaus liegt es nicht: „Die Gemeinde ist startklar, die Fördermittel sind abrufbereit, die Eigenbeteiligung im Haushalt berücksichtigt“, so Guggemos. Er nimmt die Telekom in die Pflicht, mit der 2019 ein Vertrag unterzeichnet worden war: „Der Glasfaserausbau muss schnellstmöglich umgesetzt werden.“

In Schongau und Peiting ist die Zahl der Glasfaseranschlüsse noch sehr überschaubar

Darauf hofft man auch in Peiting, in dem wie im benachbarten Schongau die Zahl der Glasfaseranschlüsse noch sehr überschaubar ist. „Aktuell hakt es am meisten an den fehlenden ausführenden Unternehmen für unseren Auftragnehmer, die Telekom“, berichtet Bürgermeister Peter Ostenrieder, der aber auch ein anderes, „ganz banales Problem“ beobachtet: „Jeder ruft nach einem Breitbandanschluss, aber wenn er denn verfügbar wäre, schließen sehr viele Leute einen 36 Mbit-Vertrag ab“, weiß er. „Da stellt sich der Betreiber dann natürlich die Frage, warum er ein Glasfaserkabel verbauen soll.“

Am fleißigsten waren die Anbieter im Zusammenspiel mit den Kommunen zuletzt in Penzberg und Weilheim. Aber auch in Rottenbuch und Böbing hat sich das Angebot deutlich verbessert. Wie es in den einzelnen Gemeinden um die Breitbandverfügbarkeit im Landkreis Weilheim Schongau bestellt ist, lesen Sie hier.

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