Markus di Egidio (links) ist  Wachleiter der Rettungswache Schongau.

Interview

„Es gibt mehr Beleidigungen“

Markus di Egidio, Wachleiter der Schongauer Rettungswache, im Interview zur Gewalt gegen Rettungskräfte im Einsatz.

Ein neuer Höchststand bei der Gewalt gegen Polizisten ist in Bayern erreicht, auch Feuerwehrler und Sanitäter werden häufig angegangen, wie diese Woche die 21-jährige Rettungsassistentin in Peiting. Wir sprachen mit dem Wachleiter der Schongauer Rettungswache, Markus di Egidio.

-Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu, auch Feuerwehrleute werden angegriffen. Ist auch ein Trend zu mehr Gewalt gegen Rettungssanitäter erkennbar?

Solche Fälle hat es vor zehn Jahren auch schon gegeben. Ich nehme es so wahr, dass dieses Gewaltphänomen wellenförmig auftritt. Und momentan ist das Thema in aller Munde – man denke nur an die vielen Berichte über verstopfte Rettungsgassen oder eben an den Vorfall, der sich in Peiting zugetragen hat.

-Werden die Sanitäter für solche Ausnahmesituationen besonders geschult?

Die Ausbildung wurde über die Jahre immer wieder überarbeitet. Dass das ein wichtiger Punkt ist, wurde schnell erkannt. In der neuesten Fassung der Notfallsanitäterausbildung werden Strategien zur Deeskalation solcher Situationen vermittelt.

-Und wie verhält sich ein Notfallsanitäter richtig?

Die oberste Devise, wenn es bei der Alarmierung bereits heißt „auf Eigenschutz achten“, lautet: Fluchtwege offen halten. Außerdem gilt als Regel: Keine Angriffsfläche bieten – also beispielsweise den Rucksack schützend vor sich halten. Ein wichtiges Mittel zur Deeskalation ist die Stimme. Besonders die Stimmmodulation, sprich die Gestaltung der Sprache und die Stimmlage. Wie ich auftrete hängt natürlich davon ab, ob die zu behandelnde Person zum Beispiel von Haus aus gewaltbereit ist, unter Drogen- oder Alkoholeinfluss steht, oder an einer psychischen Erkrankung leidet.

-Bei der Polizei wird nach positiven Erfahrungen über den Einsatz sogenannter Body-Cams diskutiert, also Kameras, die das Einsatzgeschehen aufnehmen. Wäre das auch für Rettungssanitäter denkbar?

Soweit ich mich erinnern kann, wurde darüber bereits nachgedacht. Ich weiß aber nicht, ob das überhaupt datenschutzrechtlich mit der ärztlichen Schweigepflicht vereinbar ist und sinnvoll ist. Bei der Polizei macht das Sinn, da damit Straftaten dokumentiert werden können. Im Großen und Ganzen werden wir vom Arbeitgeber sehr gut ausgestattet.

-Gibt es speziell Schutzkleidung für Sanitäter?

Bei Einsätzen in Problembezirken großer Städte gibt es wohl Kollegen, die stichhemmende Westen tragen. Aber bei uns braucht man so etwas nicht. Wir sind letztes Jahr circa 6900 Einsätze gefahren – ich kann mich an keine zehn Vorfälle wie den kürzlich in Peiting erinnern. Und zu diesem Vorfall muss auch gesagt werden, dass die Frau sich in einer Ausnahmesituation befand und an einer psychischen Erkrankung leidet. Was vielleicht tatsächlich auch bei uns zugenommen hat, sind Beleidigungen. Aber ob das mit einem Generationswandel oder irgendeinem anderen Umstand zu tun hat, kann ich auch nicht sagen.

Interview: Franziskus Reich

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