Die Weihnachtsdeko hängt bereits am Marienplatz in Schongau.
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Der künftige Wirtschaftsförderer von Schongau soll nicht nur die Altstadt (im Bild Marienplatz) betrachten, sondern die ganze Stadt.

Aus dem Stadtrat

Schongau sagt Ja zu einem neuen Wirtschaftsförderer

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Die Stadt Schongau soll wieder einen Wirtschaftsförderer einstellen, sobald dies die Finanzlage zulässt. Dies entschied der Stadtrat jetzt gegen drei Stimmen. Allerdings möchte man sich erst bei einer Klausurtagung darüber unterhalten, welche Aufgaben dieser denn haben soll. In jedem Fall müsse die ganze Stadt betrachtet werden, nicht nur die Altstadt.

  • Hans Rehbehn (CSU) stellte jetzt im Stadtrat den Antrag, zügig über einen neuen Wirtschaftsförderer zu diskutieren
  • Den Zeitpunkt für die Diskussion halten nicht alle, auch der Bürgermeister nicht, für sinnvoll, zu knapp ist das Geld.
  • Im Januar will man sich nähere Gedanken machen, wie das Profil der Stelle aussehen könnte

Schongau – Hans Rehbehn (CSU) war es, der den Antrag gestellt hatte, die Stadt möge einen neuen Wirtschaftsförderer einstellen. Schongau sei ein wichtiger Industrie- und Gewerbestandort. „Um unsere Schongauer Unternehmen zu unterstützen und zu fördern, ist ein Manager und zentraler Ansprechpartner notwendig und sinnvoll“, begründet es der Stadtrat. Die Innenstadt stehe aufgrund des immer noch zunehmenden Online-Handels, der andauernden Coronakrise und ihrer langfristigen Folgen vor einer großen Herausforderung, die ein professionelles Management erfordere. Auch den Generationswechsel in vielen Geschäften führte Rehbehn an.

Während die umliegenden Kommunen seit Jahren ihr Gewerbeflächenpotenzial ausbauten und dadurch neues Gewerbe anlockten, habe dies gravierende Auswirkungen auf Schongau: Die Käufer wanderten ab, „die Schließung weiterer Geschäfte droht“, malte Rehbehn ein düsteres Bild. Die Innenstadtentwicklung stocke seit Jahren, „vorhandene Potenziale werden zu gering oder gar nicht genutzt“.

Rehbehn wollte den „Prozess ins Rollen bringen“

Er habe diesen Antrag gestellt, um den Prozess ins Rollen zu bringen. Nach der Wahl hätten sich nun zwei Projektgruppen rund um Vizebürgermeisterin Daniela Puzzovio gegründet. „Da werden tolle Ideen entwickelt und innovative Sachen, aber die Umsetzung muss koordiniert werden, jeder hat schließlich einen Fulltime-Job und oben drauf vielleicht noch Ehrenämter“, so der CSU-Stadtrat. Rehbehn forderte die Bereitstellung der notwendigen Mittel im Haushalt 2021 und schlug vor, dass das konkrete Aufgabenprofil eines Wirtschaftsförderers von einer Arbeitsgruppe erarbeitet werden soll. Seit Frühjahr 2019 ist die Stelle in Schongau vakant, offiziell schied Meike Petro im Herbst 2019 aus.

Sluyterman: „Stelle sinnvoll, aber nicht jetzt“

„Die Stelle ist sinnvoll, aber zum derzeitigen Zeitpunkt nicht“, fasste es Bürgermeister Falk Sluyterman zusammen. Bis Martin Soyka 2013 eingestellt wurde, sei man jahrzehntelang ohne Wirtschaftsförderer ausgekommen. „Zwei Seelen schlagen in meiner Brust“, so Sluyterman. Einerseits sei er ganz bei Rehbehn, es würde auch die Verwaltung entlasten. Was allerdings den Finanzplan 2021 betreffe, sei es derzeit einfach nicht möglich, die Stelle nachzubesetzen. Sluyterman: „Wenn sich die Situation stabilisiert, bin ich der erste, der Hurra schreit, wenn wir einen Wirtschaftsförderer einstellen.“ Der Bürgermeister schlug vor, sich bei einer Klausurtagung im Januar Gedanken über das Aufgabenprofil zu machen.

Puzzovio: „Stelle kostet nicht nur, sie bringt auch etwas ein“

Dies fand auch seine Vizin. „Aber die Stelle kostet nicht nur, sie bringt der Stadt auch etwas ein“, betonte Puzzovio. Auch Mona Maucher (UWV) und Kornelia Funke (CSU) waren dafür, erst ein fundiertes Profil zu erstellen, „auch um zu lernen, was haben wir bisher gehabt“, so Funke. „Davon können wir profitieren und dann keine Zeit verlieren“. Mit dem Vorgehen einverstanden zeigte sich Rehbehn. „Was ich aber nicht will, ist, dass die Position aus dem Stellenplan gestrichen wird – wenn sie raus ist, ist sie weg.“

Bettina Schade, Geschäftsleiterin der Stadt Schongau, führte den Stadträten vor Augen, dass man im Mittel mit 70 000 Euro pro Jahr rechnen müsse, das könne weniger sein, aber auch mehr. „Und das ist 2021 nicht darstellbar, das ist eine Menge Holz“, so Sluyterman. Wie Schade erklärte, gebe es aber die Möglichkeit, die Stelle im Haushalt zu belassen, diese jedoch nicht mit Haushaltsmitteln zu hinterlegen.

Eberle: Wirtschaftsförderer trägt sich selbst“

„Ein Wirtschaftsförderer trägt sich doch selbst, das Ergebnis soll sich in der Gewerbesteuer positiv niederschlagen“, argumentierte Michael Eberle (CSU). Ein Grundsatzbeschluss koste nichts, „das ist auch ein Signal, dass wir gut aus der Krise kommen wollen“.

Auch Bettina Buresch (Grüne) hielt den Antrag „nicht für sinnlos“. Aber abgesehen von den Kosten – „Wir brauchen jemanden, der absolut qualifiziert ist, aber ich fürchte, das ist jetzt nicht zu stemmen“ –, störe sie der Fokus auf die Innenstadt. Ein Wirtschaftsförderer solle nicht nur um die Altstadt kreisen. Und ihrer Meinung nach solle der Wirtschaftsförderer in einem weiteren Bereich tätig werden, nämlich „dass auch die Kinder, die gut ausgebildet sind, wieder zurückkommen“.

Gegen drei Stimmen wird die Stelle neu besetzt, sobald dies finanziell machbar ist.

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