Muss noch länger auf Bestellung und Abholung setzen: Florian Lipp vom Weilheimer Kaufhaus Rid mit Mitarbeiterin Alexandra Riedel.
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Muss noch länger auf Bestellung und Abholung setzen: Florian Lipp vom Weilheimer Kaufhaus Rid mit Mitarbeiterin Alexandra Riedel.

Düstere Prognose

Reaktionen zu verlängertem Lockdown: „Jetzt droht die komplette Verödung“

Der Lockdown wird bis 7. März verlängert, das steht seit Mittwochabend fest. Was sagen Friseure, Einzelhändler und Gaststättenbesitzer dazu? Wir haben einige Reaktionen eingefangen.

Landkreis – „Endlich haben wir ein konkretes Datum“, sagt Birgit Binder, Obermeisterin der Friseurinnung Oberland. Am 1. März dürfen Friseurstudios deutschlandweit wieder öffnen. Binder ergänzt: „Aber trotzdem geht es uns nicht gut, denn wir haben immer noch keine Unterstützung erhalten.“ Bisher wisse sie zwar von keinem Studio im Oberland, das nach dem Lockdown nicht mehr öffnen könne. „Aber ich kenne Kollegen, wo es ganz übel aussieht.“ Viele hätten sie in den letzten Monaten verzweifelt angerufen. „Wir Friseure verstehen einfach nicht, warum wir schließen mussten.“ Für jeden Betroffenen hoffe sie, dass er es durch die Krise schaffe. Fraglich sei, ob bis Anfang März nun noch weitere Hygieneauflagen hinzukommen werden. Binder versucht, es positiv zu sehen: „Wir nutzen jetzt die nächsten Wochen zur Vorbereitung.“ Die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Februar war in der Zunft bereits befürchtet worden.

Für Florian Lipp, Vorsitzender des Vereins für Standortförderung in Weilheim, war es nicht eindeutig klar, dass sich die Öffnung des Einzelhandels wieder verschieben würde. „Für mich zeichnete sich das erst in den letzten Tagen ab.“ Er habe die im Sommer geäußerten Worte von Jens Spahn, dass Geschäfte und auch Friseure unter keinen Umständen mehr schließen würden, sehr ernst genommen. Auf dieser Basis haben er und auch seine Kollegen wirtschaftliche Entscheidungen getroffen: „Wir haben ganz normal Ware eingekauft.“ Jetzt muss jedes Unternehmen herbe Verluste einstecken. Eine wiederholte Verlängerung des Lockdowns über den 7. März hinaus wäre in Lipps Augen „der absolute Supergau“. Für ihn steht fest: „Die Folgen werden für alle Betroffenen jeden Tag härter.“ Das werde man auch deutlich an dem Bild der Weilheimer Innenstadt sehen. Seinen Angaben zufolge stehen bereits seit längerer Zeit einige Geschäfte in Toplage leer. „Wer soll die jetzt noch füllen?“, fragt er resigniert.

Auch in Schongau muss man leider noch etwas länger auf Online-Bestellung und Abholung setzen, wie etwa bei Huber Moden am Marienplatz.

Kritik am „ständigen Vertrösten“

Tatjana Patermann vom Gewerbeverein „Pro Innenstadt Penzberg“ sieht es ganz ähnlich: „Für die Innenstädte war es ja schon vor dem Lockdown schwierig, aber jetzt droht wirklich die komplette Verödung.“ Sie wisse von Geschäften in Penzberg, die nach dem Lockdown nicht mehr öffnen werden. Dies sei besonders tragisch. Mit einer Verlängerung der Maßnahmen habe man zwar gerechnet, jedoch nicht für so lange. Persönlich sei sie von Ende Februar ausgegangen, dass es nun aber der 7. März wurde, kam überraschend. Dazu die Unsicherheit, ob es denn überhaupt bei diesem Datum bleiben werde. Patermann sagt: „Keiner weiß, bis wann wir die Zähne zusammenbeißen müssen. Das ist für uns besonders schlimm.“ Die Entscheidungen der Politik seien nicht vorhersehbar.

„Besonders fies ist dieses ständige Vertrösten“, findet auch Harald Dinter, Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen in Schongau. Man sei von der Politik enttäuscht und frage sich berechtigterweise, ob es überhaupt signifikante Lockerungen nach dem 7. März in Bayern geben werde. „Ich rechne nicht damit, frühestens Ende März, eher noch nach Ostern“, sagt er. Dass es immer noch keinen konkreten Fahrplan zur Wiedereröffnung der Unternehmen gibt, sieht Dinter besonders kritisch. „Eigentlich hätte man sich schon letztes Jahr überlegen müssen, wie man in so einer Situation verfährt.“

Gaststätten: „Die Politik hat uns vergessen“

Und die Gastronomie? Katharina Haller vom Bayrischen Hotel- und Gaststättenverband sagt deutlich: „Es ist eine absolute Frechheit, dass wir als erstes zusperren mussten und jetzt wahrscheinlich die letzten sind, die öffnen dürfen.“ Auch sie kritisiert die Maßnahmen der Politik. So könne sie das Herabsetzen des Inzidenzwertes nicht nachvollziehen. „Was kommt als nächstes? Müssen dann erst alle geimpft sein?“ Von einer Öffnung vor Ostern gehe sie nicht aus. In der Gastronomie würden aktuell viele Mitarbeiter abspringen, so dass dann später die Arbeitskräfte fehlen würden. „Über uns wird im Moment einfach zu wenig gesprochen, die Politik hat uns vergessen.“ Das ist nicht fair, ergänzt sie.

VON JENNIFER BATTAGLIA

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