Johann Emter (Mitte) und Matthias Kauf stellten sich den Fragen des Stadtrats. Hans Schütz (links) berichtete von guten Erfahrungen mit der Altenstadter Firma.
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Johann Emter (Mitte) und Matthias Kauf stellten sich den Fragen des Stadtrats. Hans Schütz (links) berichtete von guten Erfahrungen mit der Altenstadter Firma.

Aus dem Stadtrat Schongau

Johann Emter kämpft um Zustimmung für Klärschlammtrocknung

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Wie die Erweiterung der Firma Emter in Altenstadt aussehen soll, darüber informierte Johann Emter den Schongauer Stadtrat. Sogar einen Fürsprecher hatte er mit dabei, Hans Schütz von der Umweltinitiative Pfaffenwinkel. Allerdings ist der Gestank, der die Schongauer schon Jahre belästigt, nicht so leicht wegzudiskutieren.

Schongau – „Nein, ich bin nicht zur Firma Emter gewechselt, aber im Gegensatz zu einer anderen Firma im Schongauer Westen haben wir gute Erfahrungen gemacht.“ Hans Schütz, der von Geschäftsführer Johann Emter gebeten worden war, ihn als Vertreter der Umweltinitiative Pfaffenwinkel und des Dachverbands „Das bessere Müllkonzept“ in den Stadtrat zu begleiten, zögerte nicht, Vergleiche zu Siegfried Schuster zu ziehen.

Firma Emter „ein zuverlässiger Partner“

Im Gegensatz zum Biomasse-Heizkraftwerk sei die Firma Emter ein zuverlässiger Partner. „Sie bemühen sich um Transparenz.“ Schütz sprach außerdem ein weiteres Argument an, das für die geplante Erweiterung der Klärschlammtrocknung in Altenstadt spreche: „Es geht um einen Stoff, den wir alle produzieren – wir müssen auch dafür sorgen, dass dieser möglichst umweltgerecht entsorgt wird.“

Natürlich sei da der „Wermutstropfen Abluft“, aber vielleicht gebe es auch seitens „Das bessere Müllkonzept“ noch Verbesserungsvorschläge.

Stadt reichte Klage ein

Zuvor hatten Johann Emter und sein Betriebsleiter Matthias Kauf die Firmengeschichte, die geplante Erweiterung sowie die Prozesse der neuen Anlage kurz erläutert. Hintergrund: Schon bei Bekanntwerden der Pläne im Herbst 2019 waren die Stadträte Sturm gelaufen und hatten die Betriebserweiterung abgelehnt. Im September 2020 war dann beschlossen worden, Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einzulegen.

Wie gut es sei, ins Gespräch zu kommen, dies betonte Friedrich Zeller (SPD). Sicherlich hätte ein Ortstermin, der wegen Corona nicht stattfinden konnte, das ein oder andere ausräumen können. Auch lobte Zeller, dass Schütz, den er als „ökologisches Gewissen des Landkreises“ bezeichnete, gekommen sei.

„Aber leider ist der Wolfgarten der falsche Standort für Schongau – wenn der Betrieb im Norden stünde, würden wir gar nicht hier sitzen.“ Zeller machte unmissverständlich klar, dass es regelmäßig stinke, und zwar nicht einfach nur nach Mist und Gülle. Er wollte wissen, ob vielleicht Fehler bei der Betriebsführung auftreten.

„Der Geruch ist in Schongau täglich Thema“

Kornelia Funke (CSU) wurde ebenfalls deutlich: „Es ist sehr sehr belästigend und in Schongau täglich Thema, das verfolgt mich seit 30 Jahren.“ Auch Fraktionskollegin Marianne Porsche-Rohrer berichtete von massiver Geruchsbelästigung speziell in der Nacht. „Es stinkt, als würde man neben einer Biotonne liegen, die Stunden in der Sonne gestanden hat, das ist Fakt“, machte sie deutlich.

Und Bettina Buresch (Grüne) lobte zwar die innovativen und modernen Pläne, Emter sei sicherlich auch vorbildlich hinsichtlich der Forschung und der Rückgewinnung von Phosphat. „Aber die Bevölkerung leidet extrem“, so Buresch. Ihrer Meinung nach gebe es seit Jahrzehnten offene Schwachstellen. „Ich habe mich immer gefragt, ob man nicht eine Art Schleuse braucht, damit ein Abladen im geschlossenen Raum möglich ist.“

„Klärschlamm ist kein Parfum“, hatte Johann Emter eingangs betont. Aber er berichtete auch davon, dass man seit Jahren gegen Vorurteile kämpfe. Sicherlich habe man früher Fehler gemacht, aber mittlerweile werde die Gülle eingearbeitet und Gärsubstrat schon seit Jahren nicht mehr ausgefahren.

Stadträte können sich melden, wenn es stinkt

„Ich bitte darum, nicht immer alles in meine Schuhe zu schieben“, so Emter. Er bot den Stadträten an, sich direkt bei ihm zu melden, wenn es mal wieder stinkt, er wolle dann die Quelle suchen.

Emter versicherte, dass die neue Klärschlamm-Trocknungsanlage mit modernster Technik ausgestattet werde. Mehrfach betonte der Firmenchef allerdings, was er im vergangenen Jahr auch schon gegenüber der Heimatzeitung angegeben hatte: „Das Problem ist die Biogasanlage.“

Eine veraltete Anlage der Emter-Tochterfirma Öko-Power vermutet Firmenchef Johann Emter als Quelle der üblen Gerüche, die die Bürger der Stadt Schongau stören. Er will sich darum kümmern, dass ein Gutachten erstellt wird

Die Aufbereitungsanlage der Öko-Power GmbH, eine Emter-Tochterfirma auf dem gleichen Gelände, habe „Macken“ und sei veraltet, der Vertrag mit Erdgas Schwaben laufe in zweieinhalb Jahren aus. Er versprach, umgehend alle Verantwortlichen zusammenzuholen. „Erdgas Schwaben soll ein Ingenieur-Büro beauftragen, damit da nichts mehr nach außen geht.“

„Wir müssen die Chance nutzen“

Michael Eberle (CSU) fasste dieses Vorhaben positiv zusammen, schließlich könne die Geruchsbelästigung tatsächlich andere Ursachen haben. „Wir müssen die Chance nutzen und Sie als Verursacher ausschließen.“

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