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Josefine Sedlmeier hat den Brezendreh raus: Schongauerin ist Innungssiegerin der Bäcker

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Stolz präsentiert Innungssiegerin Josefine Sedlmeier die gelungenen Backwerke, die sie bei ihrer Abschlussprüfung angefertigt hat.
Stolz präsentiert Innungssiegerin Josefine Sedlmeier die gelungenen Backwerke, die sie bei ihrer Abschlussprüfung angefertigt hat. © PRIVAT

Ein Praktikum bei der Schongauer Bäckerei Enzensperger hat Josefine Sedlmeier so fasziniert, dass der Beruf ihr Wunschtraum wurde. Die Ausbildung hat sie nun als Innungssiegerin abgeschlossen.

Schongau – Sauerteigbrot, Roggen- oder Vollkornsemmeln, Blätterteigtaschen mit herzhafter Füllung oder eine Buttercremetorte mit Fruchteinlage, all diese Köstlichkeiten beherrscht Josefine Sedlmeier aus dem FF. Sie setzt sogar noch eins drauf: Ihr sind diese Produkte bei ihrer Gesellenprüfung so gut gelungen, dass sie vor wenigen Tagen in ihrem Handwerk Innungssiegerin wurde.

Rückblick: Verschiedene Praktika stehen der Schongauer Mittelschülerin in der 8. Klasse zur Auswahl. Egal ob Einzelhandel oder Büroarbeit, Josefine Sedlmeier kann sich mit solchen Themen nicht anfreunden. Dann steht eine Woche in der Backstube auf dem Plan, die ihre Berufswahl felsenfest untermauert. „Mir hat die Woche so gut gefallen, dass ich darum bat, auch noch den Samstag drauflegen zu dürfen“, erinnert sich Josefine an die Anfänge, wo dann auch der Grundstein der Ausbildung gelegt wurde. „Brezen drehen und Brot machen, das hätte ich stundenlang ohne Pause tun können“, setzt sie nach.

Aufstehprobleme sind Fehlanzeige

Der einzige Haken ist, dass die Bäckerei im Jahr nach Sedlmeiers Schulabschluss keinen Platz für einen Auszubildenden hat. Der Zufall kommt Josefine schließlich zu Hilfe: Ein Geselle hört in der Bäckerei Enzensperger auf, damit wird ein Ausbildungsplatz frei. Die große Chance für die Schülerin. Ihr hilft auch ihr sehr gutes Abschlusszeugnis, den Bäckermeister zu überzeugen. Wegen der guten Noten bekommt sie sogar eine verkürzte Lehrzeit von zweieinhalb Jahren zugesprochen.

Im August 2019 beginnt die Ausbildung. Während der Woche steht Josefine ab 2.45 Uhr in der Backstube, am Samstag noch eine Stunde früher. Aufstehprobleme sind allerdings Fehlanzeige. Ihr macht die Arbeit einfach Freude, den zur Schulzeit veränderten Tagesablauf hat sie schnell im Griff. Nur der eine Tag während der Woche, wenn sie in der Berufsschule in Garmisch die Schulbank drücken muss, ist etwas ungewohnt. Dafür ist der Samstag wieder ein toller Wochenabschluss für die junge Bäckerin. „Nach der Arbeit wurde die Backstube ausgeräumt und geputzt, danach frühstückten wir alle miteinander“, erzählt Josefine mit sichtlicher Begeisterung. Dann ab ins Wochenende.

Nicht aus der Ruhe bringen lassen

Nach zweieinhalb Jahren Lehrzeit steht die große Prüfung bevor. „Im Vorfeld haben wir Backzettel bekommen, auf denen die geforderten Prüfungsaufgaben standen“, erzählt Josefine. „Man konnte nun umrechnen, wie viel Material man für geforderte Stückzahlen an Fertigprodukten benötigte“, ergänzt sie.

Am Prüfungstag selbst geht´s ab Glockenschlag acht Uhr rund: Teigbereitung, Portionieren, Ofen einstellen nur einige der Schlagworte, die Josefine erwähnt. Natürlich immer unter Beobachtung der Lehrerin und der beiden Prüfer, denen nichts entgeht. Wie könnte es anders sein, wollen die den Prüfling mit ihren Fragen aus der Ruhe bringen. Nicht mit Josefine. Bis 16 Uhr, also in der vorgegebenen Zeit, hat sie alle Aufgaben erfüllt und am Ende sogar alles fachgerecht präsentiert, denn das Auge isst ja schließlich mit.

Gesellenbrief kam per Post

Die Endprodukte können sich sehen lassen, besser gesagt sie schmecken vorzüglich. Die Blätterteigtaschen mit herzhafter Füllung aus Spinat, Fetakäse und Walnussstücken, oder auch die verschiedenen Semmeln und Brote, die von den Prüfern aufgebrochen werden, munden. Die Buttercremetorte mit Fruchteinlage ist ein wahrer Zungenschnalzer, die Prüfer langen zu. Eine Verkostung wie im Bilderbuch.

Nicht nur die Produkte können sich sehen lassen, natürlich auch der frisch erworbene Gesellenbrief samt Prüfungszeugnis und die Urkunde für die Innungssiegerin – auch wenn die wegen Corona-Vorschriften leider nur per Post kamen. Der Freude tat das keinen Abbruch. Und was sagt Bäckermeister Markus Enzensperger zum Erfolg? „Einfach toll, schließlich hat man nicht bei jedem Abschluss einer Ausbildung eine Innungssiegerin in den eigenen Reihen.“

Hans-Helmut Herold

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