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Souverän wie alte Hasen haben die Jugendlichen, die aus zahlreichen verschiedenen Kapellen des Bezirks Oberland stammen, den Auftritt des extra zum Jubiläum gegründeten Bezirksjugendorchesters gemeistert.

Jubiläumskonzert des Bezirksjugendorchesters

Trotz 65 Jahren: Nix mit Ruhestand!

Ein Abend mit herrlichem Blasmusikgenuss, liebenswürdigen Festtagsreden und perfekter Organisation war das Jubiläumskonzert zum 65-jährigen Bestehen des Bezirks Oberland im Musikbund von Nieder- und Oberbayern.

Schongau „Wumm-wumm…“ Von wegen „Little opening“, denn so lautet etwas irreführend der Titel der ersten Programmnummer. Klein, oder gar kleinlaut, ist man nämlich überhaupt nicht hier. Eine Wonne ist es, den jungen Pauker des eigens für dieses Konzert aus der Taufe gehobenen Bezirksjugendorchester Oberland zu beobachten.

Ein Bravo bereits für die äußeren Details wie den zauberhafte Blumenschmuck; alte Blasinstrumente, liebevoll drapiert auf mit Sonnenblumen und Kürbissen geschmückten Strohballen, die freundliche, turboschnelle Bewirtung durch die gut gelaunten Stadtkapellenmitglieder, die lustigen Fotostellwände, die alle Register des jungen Orchesters abgelichtet haben oder das so fein gestaltete Programmheft, überall spürt der Besucher Engagement und Begeisterung.

Ins Schwarze trifft Landtagsabgeordneter Harald Kühn mit seinem Grußwort: „65 Jahre – hier ist es aber nix mit Ruhestand und Rente!“ Ganz im Gegenteil, gerade die Jugendarbeit und Nachwuchsförderung ist Herzensangelegenheit. Immer wieder fällt ein Name, der auf jeden Fall in den Fokus gerückt werden soll: Max Kriesmair, der eine hohe Auszeichnung erhielt.

Die Freude des gemeinsamen Musizierens steht über allem

Auch der Geschäftsführer des MON (Musikbund für Ober- und Niederbayern) Andreas Horber ist voll des Lobes über den größten und traditionsreichsten Bezirk. „Die Kapellen hier sind spitze!“ Hört man, mit welch erstaunlichem Können sich dann der Nachwuchs auf der Bühne präsentiert, braucht es einem um den Fortbestand der Qualität gewiss nicht bange sein. Das allein ist aber nicht Ausbildungskriterium, wie Marcus Graf im Pausengespräch betont: Der Sinn, das Gespür für die Freude beim gemeinschaftlichen Musizieren, der steht über allem.

An diesem Abend erreicht man dabei wohl Höchstpunktzahl. Alle sitzen auf der Stuhlkante, mit voller Konzentration auf den Dirigenten. In den Trachten der Stammkapellen fesch hergerichtet, mit kunstvollen Flechtfrisuren die Mädel, will man unbedingt sein Bestes geben. Während der Grußworte wandern verschmitzte Blicke hin und her, gelingt ein Solo besonders gut, schabt man dem Kollegen – die übliche Orchestergeste – anerkennend mit dem Fuß ein unauffälliges Lob. Die Stütze der Posaunisten ganz außen sitzend arbeitet vorbildlich, der Ansatz ist es ebenfalls. Viele Wangen sind gerötet in dem jungen Klangkörper, schließlich ist jeder Auftritt auch ein Abenteuer.

Drei Dirigenten nacheinander im Einsatz

Eine weiche Welle fließt durch Tenorhörner und Tuben bei de Haans „Concerto d‘ Amore“, heikle Rhythmus- und Tempiwechsel sind kein Problem. Auf Dirigent Marcus Graf ist in jeder Lebenslage Verlass, er gestaltet souverän den gewünschten warmen Klang. Anschließend steht Susi Zwick am Pult, energisch und präzise. Im Gershwin-Medley gehört schon Mut dazu, als Solist aufzustehen. Doch der Nachwuchs-Trompeter hat seine Nerven gut im Griff, bläst sein Solo mit fast jazzigem Schmelz. Schwungvoll und spritzig wirbelt das Arrangement mit Offenbachs Operettenmelodien aus der „Schönen Helena“ durch den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. Der erst 20-jährige Dirigent Michael Müller, der für den erkrankten Bernd Schuster eingesprungen ist, spart nach der flirrend filigranen Einleitung nicht mit weit ausholenden Gesten, wenn es im „Stark Trek“ ab die Post in die Galaxis geht.

Mit kleinen charmanten Überleitungen, moderiert von Julia Just, geht die musikalische Reise auch nach der Pause bis ins alte Ägypten. Hier gibt es heiße Conga-Rhythmen. Klapp your hands, das Bezirksjugendorchester stürzt sich begeistert und doch immer diszipliniert ins Vergnügen. Wer allerdings meint, das junge Ensemble ist ausschließlich auf Pop und Hit-Arrangements geeicht, der irrt gewaltig. Sie können auch traditionelle Blasmusik mit dem gleichen Herzblut spielen. Zackig und geschmeidig kommt die „Blasmusik im Herzen“ daher marschiert. Was ein sauberes Crescendo ohne Intonationsschwankungen ist, wissen die Jugendlichen ohrenkundig schon lang. Mit „Unser Oberland“ setzt man zum Aussi-Schmeißer an, doch ohne Zugaben entlässt das begeisterte Publikum die Nachwuchsmusiker nicht. Mit was für einer Freude sich der Saal an diesem Abend gefüllt hat, wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Dorothe Fleege

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